Der Zivildienst im Konradinum hat mir eine neue Tür geöffnet

Die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen im Konradinum Eugendorf veranlasst Zivildiener zu Fachsozialbetreuern zu werden
Salzburger Landeskorrespondenz, 26. February 2016

(LK)  Die Zivildiener Daniel Danko (20) aus Salzburg, Florian Elsenwenger (25) aus Eugendorf, Pascal Fux (22) aus Berndorf und der Fachsozialbetreuer Paul Zemann (30) aus Eugendorf sind vier von insgesamt 36 der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Konradinum in Eugendorf, die sich rund um die Uhr um die 34 Bewohnerinnen und Bewohner der Behindertenwohneinrichtung des Landes kümmern.

Kein Job, in dem die Umsatzzahlen stimmen müssen

"2007 und 2008 habe ich meinen Zivildienst im Konradinum abgeleistet. Dieser hat mir eine neue Tür geöffnet. Das Team, das Betriebsklima und vor allem die Bewohnerinnen und Bewohner waren ausschlaggebend, dass ich meinen vorhergehenden Beruf im Großhandel an den Nagel gehängt habe und die Ausbildung als Fachsozialbetreuer bei der Caritas absolviert habe", so Paul Zemann, der im Konradinum geblieben ist und seine sieben Schützlinge der Schmetterlingsgruppe, Gerhild, Isabel, Daniel, Manuel, Rosemarie, Claudia und Manuela - allesamt Menschen mit ganz besonderen und individuellen Bedürfnissen, betreut. "In diesem Job muss man keine Umsatzzahlen bringen. Man ist keinem Leistungsdruck ausgesetzt sondern es zählen die Menschen", so Zemann weiter, der auch über seine anfänglichen Berührungsängste berichtete, die jedoch bald verschwunden sind: "Ich bin in die Arbeit hineingewachsen und kann mir momentan nichts anderes vorstellen."

Von klein auf keine Berührungsängste

Von Anfang an keine Berührungsängste vor Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen hatte hingegen Daniel Danko, der seit September 2015 seinen Zivildienst im Konradinum absolviert: "Ich bin mit Kindern mit und ohne Behinderungen aufgewachsen, da ich einen integrativen Kindergarten in Saalfelden besucht habe", so Danko, der nach seinen neun Monaten Zivildienst im Konradinum noch zwei Monate freiwillig anhängen will. Über die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen sagt er: "Man wird offener, sensibler, aber auch zufriedener."

Man bekommt eins zu eins zurück, ob alles passt

Auch Florian Elsenwenger hat mit der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen seinen Weg gefunden: "Ich habe die Schule und die Ausbildung abgebrochen, wusste nicht, was ich tun soll. Da habe ich mir bewusst das Konradinum zum Schnuppern ausgesucht und bin geblieben." Nun ist er kurz vor seinem Abschluss zum Fachsozialbetreuer Behindertenarbeit, so die genaue Berufsbezeichnung. Die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen sei für ihn sinnerfüllend und ehrlich, denn: "Die Menschen mit Behinderungen geben dir als Betreuer sofort eins zu eins Rückmeldung, ob alles passt, und man bekommt viel zurück."

Man denkt ganz anders über das Leben nach

Pascal Fux hat sich sofort nach seiner Ausbildung an der HTL Salzburg entschlossen, den Zivildienst anzuhängen: "Präsenzdienst wäre für mich persönlich undenkbar gewesen, dennoch hatte ich am Anfang Bammel. Nun kann ich sagen: Die Arbeit macht Spaß und man denkt ganz anders über das Leben nach."

Zur aktuellen Diskussion über das Konradinum wollen die Betreuer eines unbedingt klarstellen: "Wir sind weder überbelegt, noch stehen Betten auf dem Gang. Medikamente werden nur nach ärztlicher Anordnung von den Pflegekräften an die Bewohnerinnen und Bewohner gegeben. Den Menschen, die hier wohnen, geht’s gut. Lediglich baulich gehört etwas gemacht, aber da laufen schon die Planungen für den Neubau." Und in einer weiteren Sache waren sich alle einig: Anstrengend sei die Arbeit mit den Menschen im Konradinum nicht, anstrengend seien hingegen die Dinge, die momentan von außen hereingetragen werden."

Der Tagesablauf für die "Zivis" beginnt meist um 7.20 Uhr mit Frühstück und Körperpflege der Bewohnerinnen und Bewohner, anschließend stehen Musik und Rhythmik, Mototherapie, Snoezelen, Malen und unterschiedliche Beschäftigungen mit Montessori-Materialien auf dem Programm. Anschließend folgt das gemeinsame Mittagessen in den Gruppen. Nach dem Mittagessen und einer kleinen Pause stehen weitere Aktivitäten oder Spaziergänge mit den Bewohnerinnen und Bewohnern auf dem Programm. Einmal in der Woche besucht auch der Therapiehund "Tiger" die Bewohnerinnen und Bewohner. 162402_10 (ram/kg)

Weitere Informationen: Franz Wieser, Pressesprecher Land Salzburg, Landes-Medienzentrum, Tel.: 0662/8042-2365, Redaktionshandy: 0664/3943735.