Mit Gottvertrauen und Gaisbergbahn in die neue Saison

Schellhorn: Das Salzburger Freilichtmuseum in Großgmain öffnet am Samstag, 19. März, seine Pforten

Salzburger Landeskorrespondenz, 14.03.2016
 

(LK)  Der Saisonbeginn im Salzburger Freilichtmuseum in Großgmain richtet sich nach den Osterfeiertagen. Zumeist fällt der erste Öffnungstag auf den Samstag vor Palmsonntag, an dem auch der traditionelle Ostermarkt abgehalten wird. Heuer ist das der 19. März. Der Ostermarkt im Freilichtmuseum ist längst zu einer Institution geworden. Viele Menschen nehmen sogar eine längere Anreise in Kauf, um diesen besonders reizvollen Markt besuchen zu können. Bis 1. November ist das Freilichtmuseum an 207 Tagen für Gäste aus aller Welt geöffnet.

Sonderausstellung zu "Salzburg 20.16": Wie lebte man 1816 als Bergbauer?

Das Jubiläumsjahr "Salzburg 2016" findet auch im Freilichtmuseum seinen Niederschlag. Kulturlandesrat Heinrich Schellhorn: "Heuer feiern wir 200 Jahre Salzburg bei Österreich. Das Freilichtmuseum leistet mit seiner Sonderausstellung 'Hunger, Not und Gottvertrauen!' einen wichtigen Beitrag dazu. In dieser Sonderausstellung wird anschaulich und hochinformativ aufgezeigt, wie die ländliche Bevölkerung um 1816 gelebt hat. Besucherinnen und Besucher bekommen so eine lebendige Vorstellung von Lebensrealitäten vergangener Jahrhunderte. Dieses gelungene Sichtbarmachen von Alltagskultur gelingt dem Freilichtmuseum jedes Jahr aufs Neue sehr gut."

Das Freilichtmuseum widmet seine Aufmerksamkeit dem armseligen Alltagsleben einer um das Jahr 1816 lebenden Bauernfamilie. Das Leben der Familie Grimming, das in der Sonderausstellung "Hunger, Not und Gottvertrauen!" exemplarisch dargestellt wird, ist nur eines von vielen, das in jener Zeit einen solchen oder ähnlichen Verlauf nahm. Die Sonderschau wurde im Lärchenhof (ursprünglich aus St. Martin am Tennengebirge) eingerichtet, wo die Familie Grimming damals auch tatsächlich wohnte. Was wurde angebaut, was stand auf dem Speiseplan? Welche Krankheiten suchten die Familie heim? Wie viel Abgaben musste sie jährlich dem Grundherrn leisten? Das sind einige der Fragen, denen in dieser Ausstellung nachgegangen wird. Weit weg von dem, was heutzutage in vielen Hochglanzmagazinen als authentisches Landleben verkauft wird, soll den Besucherinnen und Besuchern ein möglichst wahrheitsgetreues Bild der Umstände, die vor 200 Jahren auf einem Bergbauernhof im Land Salzburg herrschten, nähergebracht werden. Nach heutigen Maßstäben wäre das Leben der Familie Grimming wahrscheinlich eine einzige Abfolge von Katastrophen, damals nahm man das dürftige Auskommen und die Schicksalsschläge als gottgewollt hin.

Es war einmal die Gaisbergbahn

Am 21. August findet die offizielle Eröffnung der im Museum wiedererrichteten Lokomotiv-Remise aus Böckstein statt. Der mit Ziegeln ausgefachte Holzständerbau wurde im Sommer 2014 von Mitarbeitern der Museumswerkstatt am Bahnhof Böckstein abgebaut. Nach dem Transport ins Museum begann man sogleich mit dem Wiederaufbau. In der Zwischenzeit ist die Remise fertiggestellt. In Kürze wird hier eine neue Dauerausstellung eingerichtet. Diese setzt sich mit der Geschichte der legendären Zahnradbahn auf den Gaisberg (1887 bis 1928) auseinander. Im Zentrum dieser Ausstellung wird eine Originalgarnitur der Gaisbergbahn von 1886 stehen, bestehend aus Zahnraddampflok und Personenwaggon. Beide Fahrbetriebsmittel werden vom Technischen Museum in Wien als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Ergänzt wird das museale Bahnhofsviertel durch ein historisches "Örtchen": Eine Bahnhofstoilette von der Haltestelle Böckstein – sie stammt wie die Remise aus den Anfangstagen der Tauernbahn – wurde ebenfalls ins Museum übertragen und ist bereits aufgestellt. Das hölzerne Plumpsklo inklusive Graffitis in Kurrentschrift stellt ein interessantes Relikt der Alltagskultur zu Beginn des 20. Jahrhunderts dar.

Lungauer Keusche in Planung

Nach diesen Ausflügen in die Welt der Eisenbahn darf sich das Museum guten Gewissens wieder seinem eigentlichen Auftrag zuwenden, nämlich der Bewahrung, Darstellung und Vermittlung bäuerlicher Bauwerke. Hier wird in naher Zukunft ein bau- und kulturgeschichtlich interessantes Haus aus dem Lungau zu besichtigen sein. Es wird heuer im Ortsteil Winkl der Gemeinde Ramingstein die sogenannte "Reinerkeusche" abgebaut. Als Keusche wird im Allgemeinen ein Haus mit einer sehr kleinen Landwirtschaft, die von sogenannten "Kleinhäuslern" ausschließlich im Nebenerwerb betrieben wurde, bezeichnet. Die "Reinerkeusche" stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist ein gut erhaltenes Beispiel für diesen bis ins 20. Jahrhundert hinein verbreiteten Haustypus, der im Lungau besonders häufig anzutreffen war. Läuft alles wie geplant, wird das Gebäude nach seiner wissenschaftlichen Erforschung 2016 abgebaut und im Jahr darauf im Lungaubereich des Museums wieder errichtet.

Baumaßnahmen hinter den Kulissen

Eine weitere Baumaßnahme soll im heurigen Jahr ebenfalls realisiert werden. Es handelt sich dabei um ein notwendiges drittes Abstellgleis für die Museumsbahn im Werksgelände. Ist das dritte Gleis gelegt, werden im Anschluss daran alle drei Abstellgleise mit einer Überdachung versehen. Die Überdachung stammt vom ehemaligen Bahnsteig 13 des alten Hauptbahnhofs. Baumaßnahmen hinter den Kulissen gibt es auch beim beliebten Museumsgasthaus Salettl, aber erst in der kommenden Winterpause. Da das Gasthaus für die Gäste des Museums fixer Bestandteil eines Musemsbesuchs ist, wird es in der laufenden Saison zu keiner Störung kommen. Die notwendige Erweiterung der Küche wird daher erst in den Wintermonaten 2016/2017 stattfinden.

Notwendige Bau- und Adaptierungsmaßnahmen werden unter anderem durch eine Budgeterhöhung möglich. Dazu Landesrat Heinrich Schellhorn: "2016 konnten wir das Budget um 130.000 Euro erhöhen. Damit kann das Freilichtmuseum notwendige Adaptierungsarbeiten, die den Besucherinnen und Besuchern zugutekommen, durchführen."

Kleiner Wurm und große Folgen

Seit drei Jahren setzt sich das Museum mit dem Problem der Holzschädlinge in den Museumshäusern auseinander. Zur Erinnerung: Eine Bestandsaufnahme, die 2013 in Zusammenarbeit mit dem Holztechnikum Kuchl durchgeführt wurde, brachte in dieser Hinsicht wenig erfreuliche Ergebnisse. Viele Gebäude erreichen auf der sechsteiligen Monitoring-Skala die Stufen fünf und sechs ("starker Schädlingsbefall" und "sehr starker Schädlingsbefall"). Konkret geht es dabei um "Anobium punctatum" oder den gewöhnlichen Nagekäfer vulgo Holzwurm, der sich durch das Holz der Häuser bohrt. Diese Bestandsaufnahme ist in die Diplomarbeit "Aufbau eines Monitoringsystems zur Schädlingsbekämpfung" eingeflossen. 2014 und 2015 wurden der Lungauer und Pongauer Museumsbereich sowie ein Haus im Flachgau schädlingsfrei gemacht, insgesamt 21 Gebäude. Dazu wurde jedes zu behandelnde Gebäude zunächst komplett in Folien verpackt und anschließend bis zu 72 Stunden mit Sulfurylfluorid-Gas behandelt, eine Methode, die international bei historischen denkmalgeschützten Gebäuden angewendet wird. Die bisherigen Kosten betragen 111.000 Euro. Heuer werden auf diese Art und Weise in den Museumsbereichen Pinzgau und Tennengau 13 weitere Gebäude um etwa 50.000 Euro saniert. Finanzielle Unterstützung erfährt das Projekt durch die Sektion Kultur des Bundeskanzleramts und die Firma Kaindl.

Eine neue Publikation, die als Band 23 in der Schriftenreihe des Freilichtmuseums erschienen ist, beschäftigt sich mit diesem Thema. Die Broschüre mit dem Titel "Kleiner 'Wurm' und große Folgen – Aufbau eines Monitoringsystems als Basis für Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen" ist die gekürzte, in enger Zusammenarbeit mit dem Museum entstandene Fassung der genannten Diplomarbeit. Autorinnen sind Larissa Pichler und die Leiterin des Museumsdepots, Susanne Brandner.

Träumen erlaubt: neues Eingangs- und Verwaltungsgebäude

Ein großes Defizit des Museums ist nach wie vor die äußerst unbefriedigende Situation rund um den Eingangs- und Verwaltungsbereich, die dringend einer Lösung harrt. Der gegenwärtige Zustand um Kassa, Eingang und Museumsladen erweist sich als völlig ungenügend, veraltet und unpraktisch und entspricht schon lange nicht mehr den üblichen Standards bei Museen. Der Verwaltungsbereich, der ebenfalls im Eingangsgebäude untergebracht ist, platzt im wahrsten Sinne des Wortes aus allen Nähten. Über eine mögliche Erweiterung des Teams darf gar nicht nachgedacht werden, da kein Arbeitsplatz vorhanden ist. Die Geschäftsführerin des Fördervereins hat ihr Büro in der auf kleinstem Raum zusammengepferchten Fachbibliothek im Keller aufgeschlagen. Das ebenfalls im Keller angesiedelte Fotoarchiv dient in der Zwischenzeit – mangels anderer Lagermöglichkeiten – als Abstellraum für fachfremde Gegenstände. Besprechungszimmer oder gar Seminarraum sind überhaupt nicht vorhanden, ganz zu schweigen von Räumlichkeiten für temporäre Ausstellungen.

Ein besucherfreundliches Eingangsgebäude, in dem zugleich die Verwaltung und Ausstellungsflächen untergebracht sind, wäre aus Sicht des Freilichtmuseums daher dringend erforderlich. Weiter im Raum steht auch die im Museumsleitplan angedachte Übertragung der volkskundlichen Sammlung in das Salzburger Freilichtmuseum. In diesem Zusammenhang wären entsprechende Neubauten ohnehin vonnöten.

Vereinsnachrichten

Seit letztem Jahr hat Axel Wagner beim "Verein der Freunde des Salzburger Freilichtmuseums" die Stelle des Obmanns inne. Auch in diesem Jahr wird der Förderverein mehrere Museumsprojekte maßgeblich finanziell unterstützen. Dazu zählen die Fertigstellung der Lokremise und die Ausstellung über die Gaisbergbahn, die Sonderschau "Hunger, Not und Gottvertrauen!", die Erweiterung der Gasthausküche, die Arbeiten zur Errichtung des dritten Abstellgleises auf dem Werkplatz, die Restaurierung von Inventargegenständen und die Aufarbeitung und Digitalisierung des Fotonachlasses des Salzburger Fotografen Bruno Kerschner.

Als neue Geschäftsführerin kümmert sich seit Jahresbeginn Brigitte Bremer um die Belange des Vereins und seiner Mitglieder. Die Großgmainerin ist dem Museum seit Langem verbunden und ist auch als Museumsführerin tätig.

In personeller Hinsicht kündigen sich am Museumshorizont neue Zeiten an. Die heurige Saison ist zugleich das letzte Wirkungsjahr von Langzeitdirektor Michael Becker. Nach 28 Jahren an der Spitze des Museums verabschiedet sich Becker mit Anfang 2017 in die Pension. Damit geht eine für die Museumsentwicklung prägende Ära zu Ende. Der Posten des Direktors soll noch im Frühjahr 2016 öffentlich ausgeschrieben werden.

Veranstaltungsüberblick 2016

Das Freilichtmuseum ist auch heuer wieder Schauplatz zahlreicher Veranstaltungen, die inhaltlich ein breites Spektrum abdecken. Mit 17 Veranstaltungen schafft das Museum ebenso viel wie im Jahr davor. Dem Thema lebendiges Museum wird allein an 70 Tagen mit unterschiedlichen Handwerksvorführungen Aufmerksamkeit gewidmet.

Die Veranstaltungen: Traditioneller Ostermarkt (19. März), Ei Ei Ei – Ostereier suchen für Kinder (27. März), 1816 – Leben wie vor 200 Jahren (24. April), Festliches Maibaumaufstellen (1. Mai), Volkstänze aus Lettland (8. Mai), Stiegl Musik-Brunch: Salty Dixie Ramblers (5. Juni), Musikalischer Grenzverkehr – Salzburgisch-bayerischer Musikantentag (19. Juni), Großer Handwerkertag (3. Juli), Stiegl Musik-Brunch: Adi Jüstel Latin Swing Express (3. Juli), Sehr zum Wohl! (31. Juli), Stiegl Musik-Brunch: Irrsdorfer Tanzlmusi (7. August), Ausgedampft! Eröffnung der Lokremise und der Gaisbergbahn-Ausstellung (21. August), Stiegl Musik-Brunch: Salzburger Nockerl (4. September), Großes Kinderfest (11. September), Rupertisingen (25. September), Museums-Kirtag (1. und 2. Oktober), Herbstgenüsse: Erdäpfel, Kraut, Maroni und Co. (16. Oktober).

Zu Besuchszeiten immer geöffnet sind das Museumsgasthaus Salettl und die Dorfkrämerei. Die Museumsbahn fährt während der Öffnungszeiten durchgehend von 9.00 bis 17.00 Uhr. Die Fahrt mit der Bahn ist im Eintrittspreis inbegriffen. Das Salzburger Freilichtmuseum ist in den Monaten März, April, Mai, Juni, September und Oktober von Dienstag bis Sonntag von 9.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. In den Ferienmonaten Juli und August ist das Museum täglich geöffnet. Die Saison im Salzburger Freilichtmuseum dauert bis einschließlich Dienstag, 1. November. 160314_51pk (grs/jus)

Weitere Informationen: Johanna Jenner, Büro Landesrat Heinrich Schellhorn, Tel.: 0662/8042-4841, E-Mail: johanna.jenner@salzburg.gv.at.