Klimaszenarien für Österreich bis zum Jahr 2100

Rössler bei Studienpräsentation: Grundlage für Erarbeitung einer Strategie zur Anpassung an den Klimawandel
Salzburger Landeskorrespondenz, 14. July 2016

(LK)  Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), das Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz (WEGC) sowie der Interfakultäre Fachbereich für Geoinformatik (Z_GIS) der Universität Salzburg haben gemeinsam Klimaszenarien für Österreich bis zum Ende des 21. Jahrhunderts erstellt. Die Analysen ergeben markante räumliche und saisonale Unterschiede. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die beobachtete Klimaänderung unvermindert fortsetzen wird. Es liegt allerdings an der Gesellschaft, ob sich beispielsweise die Zahl der Hitzetage am Ende des Jahrhunderts verachtfachen oder nur verdreifachen wird. Die Daten der Studie, die im Auftrag von Bund und Ländern durchgeführt wurde, bilden die Grundlage für die Erarbeitung einer Strategie zur Anpassung an den Klimawandel in Österreich. 

"Das Projekt ist Teil der Partnerschaft Klima + Energie Salzburg 2050 mit der Universität Salzburg. Die Ergebnisse liefern einen wichtigen Beitrag zur Erarbeitung entsprechender Beratungsangebote des Landes für vom Klimawandel betroffene Regionen. Auch für die geplante landesweite Klimawandel-Anpassungsstrategie werden die Aussagen des Projekts eine wesentliche Grundlage bilden", so Umweltreferentin Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler heute, Donnerstag, 14. Juli, bei einem Informationsgespräch zur Präsentation der Ergebnisse. An diesem nahmen weiters Gunter Sperka von der Abteilung Natur- und Umweltschutz, Gewerbe des Landes, Heimo Truhetz vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel (WEGC), Michael Hofstätter von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geophysik (ZAMG) und Stefan Kienberger vom Interfakultären Fachbereich Geoinformatik (Z_GIS) teil.

Analyse der Klimaänderung und Entwicklung von Szenarien

Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter haben mit Hilfe der aktuellsten Klimamodelle und auf Basis neuer Erkenntnisse aus der Klimaforschung Szenarien für die Entwicklung des Klimas in Österreich bis zum Jahr 2100 erstellt und ausgewertet. Die künftige Entwicklung von Niederschlag, Temperatur und weiteren Klimaindizes wurde in einem business-as-usual-Szenario und in einem Klimaschutz-Szenario simuliert und im Kontext der vergangenen Entwicklung ausgewertet.

Um das Klima der Vergangenheit zu analysieren, haben die Forscher Gitterdatensätze für das gesamte Bundesgebiet in einem Kilometer räumlicher Auflösung verwendet. Diese neuesten hochwertigen Beobachtungsdatensätze bilden die Grundlage für die Analyse der Klimaänderung der vergangenen Jahrzehnte.

Das Projekt ÖKS15 wurde vom Ministerium für ein Lebenswertes Österreich und von den neun Bundesländern in Auftrag gegeben. Darauf aufbauend erfolgt nun der nächste Schritt: die Entwicklung einer Strategie zur Anpassung an den Klimawandel in Österreich.  

Auf Basis der neuen Generation regionaler Klimamodelle aus der World Climate Research Programme-Initiative EURO-CORDEX (www.euro-cordex.net) wurden Klimaszenarien für Österreich bis zum Ende des 21. Jahrhunderts erstellt und unter dem Gesichtspunkt ihrer methodischen Limitierungen bewertet und interpretiert. Das verwendete Ensemble besteht aus 13 Modellen, die jeweils zwei unterschiedlichen Treibhausgasszenarien folgen: Dem business-as-usual-Szenario RCP8.5, das bei ungebremsten Treibhausgasemissionen eintreten würde, und dem Klimaschutz-Szenario RCP4.5, bei dem sich die weltweiten Treibhausgasemissionen bis 2080 bei etwa der Hälfte des heutigen Niveaus einpendeln. Die Klimasimulationen wurden für die nahe Zukunft (2021-2050) und für die ferne Zukunft (2071-2100) im Vergleich zur Periode (1971-2000) ausgewertet.

Erkenntnisse für das Bundesland Salzburg

Folgende Erkenntnisse haben die Wissenschafterinnen und Wissenschafter für das Bundesland Salzburg gewonnen:

Klimawandel in der Vergangenheit (1961-2010)

Für 1971-2000 beträgt die mittlere Lufttemperatur 4,6°C. Es erfolgt ein starker und signifikanter Anstieg der Lufttemperatur in Salzburg um +1,0°C auf 5,1°C. Die Erwärmung ist nicht überall gleich, es zeigen sich markante räumliche und saisonale Unterschiede. Sie ist im Sommer am stärksten mit +1,3°C und im Herbst am schwächsten mit +0,4°C. Im Winter ist die Erwärmung auf den Bergen stärker als im Flachland, im Sommer und Herbst hingegen umgekehrt und im Frühling ist sie gleichmäßiger.

Verbreitete und starke Zunahme der mittleren Anzahl von Hitzetagen (Tmax > 30°C) in Salzburg um +0,9 Tage auf 1,5 Tage, besonders jedoch in tieferen Lagen. Die stärkste Zunahme ist im Sommer zu verzeichnen, wobei auch in den Übergangsjahreszeiten – und dabei vor allem im Frühling – ein zunehmendes Auftreten von Hitzetagen auszumachen ist.

Verbreitete und signifikante Abnahme der mittleren Anzahl der Eistage (Tmin und Tmax < 0°C) in Salzburg um -10,9 Tage auf 63 Tage. Das Änderungssignal kommt vor allem aus dem Winter und betrifft sowohl die Berge als auch die Täler, im Frühling hingegen nur hohe Lagen (>1000m).

Für 1971-2000 beträgt die mittlere jährliche Niederschlagssumme in Salzburg 1.499 Millimeter.

Niederschlag saisonal: Im Winter im Mittel eine mäßige Abnahme um -7 Prozent auf 267 Millimeter, die sich vor allem aus dem Änderungssignal aus vereinzelten Gebirgsregionen begründet. Im Frühling eine mäßige Zunahme um +7 Prozent auf 361 Millimeter, wobei diese in den nördlichen Regionen Salzburgs am stärksten ausfällt. Im Sommer ist eine geringe Zunahme von +2,8 Prozent auf 570 Millimeter und somit kaum eine Änderung zu erkennen. Im Herbst aktuell eine mäßige Zunahme von +11,6 Prozent auf 353 Millimeter.

Die mittlere Häufigkeit von Niederschlagstagen hat im Salzburgmittel mäßig zugenommen (+2,4 Prozent auf 161,6 Tage). Im Frühling und Herbst hat die Anzahl der Niederschlagstage ebenfalls mäßig zugenommen (+3,8 Prozent auf 41,9 Tage und +9,4 Prozent auf 35,7 Tage), wohingegen im Sommer kaum eine Änderung festzustellen ist (+0,7 Prozent auf 51 Tage). Im Winter hingegen ist im Mittel eine Abnahme der Niederschlagstage erkennbar (-6,2 Prozent auf 32,8 Tage).

Die durchschnittliche tägliche Niederschlagsintensität zeigt für Salzburg deutliche räumliche Unterschiede und fällt im Gebirge höher aus als in den Tälern. Diese Menge hat sich im Flächenmittel nur mäßig (+2,6 Prozent auf 9,4 Millimeter) und nicht signifikant geändert, und auch in den einzelnen Jahreszeiten sind die gefundenen Änderungen nicht signifikant. Im Winter ist kein Änderungssignal zu erkennen (7,8 Millimeter), im Sommer und Herbst ist im Mittel eine mäßige Zunahme zu erkennen (+2,3 Prozent auf 11,1 Millimeter und +2,9 Prozent auf 9,7 Millimeter) und am stärksten fällt die Zunahme im Frühling aus, bleibt jedoch auch nur auf einem mäßigen Niveau (+5,4 Prozent auf 8,5 Millimeter).

Die Analysen basieren auf täglichen Stationsmessungen und berücksichtigen daher keine kleinräumigen, konvektiven Niederschläge. Im Langzeitkontext über die vergangenen 150 Jahre zeigt sich beim Niederschlag eine erhebliche natürliche Klimavariabilität auf regionaler Basis, welche ein etwaiges anthropogenes Klimasignal derzeit noch deutlich überragt. 

Klimaszenarien für die Zukunft (bis 2100)

Alle Modelle zeigen übereinstimmend deutliche Anstiege der jährlichen wie auch saisonalen Mitteltemperatur in ganz Salzburg. In der nahen Zukunft ergibt sich für beide Szenarien ein ähnlicher Anstieg der Jahresdurchschnittstemperatur von +1,3°C in RCP4.5 bzw. +1,4°C in RCP8.5. Für die ferne Zukunft wird in RCP8.5 mit +4,1°C eine wesentlich stärker ausgeprägte Temperaturzunahme als in RCP4.5 mit +2,3°C erwartet.

Mit dem Anstieg der Temperatur steigt auch die Anzahl der Hitzetage. In der nahen Zukunft unterscheiden sich RCP4.5 und RCP8.5 kaum voneinander und ergeben etwa +1,8 Hitzetage im Jahresdurchschnitt. In der fernen Zukunft klaffen die Szenarien jedoch deutlich auseinander: die Zunahme im RCP8.5 ist mit mehr als +10 Tagen etwa dreimal so groß wie im RCP4.5. Die starke Abhängigkeit der Zunahme der Hitzetage von der Seehöhe und der Jahreszeit (stärkste Zunahmen im Sommer), wie sie in den Beobachtungsdaten bereits festgestellt wurde, spiegelt sich auch in den Szenarien wider. 

Die Zahl der Eistage ist in beiden Szenarien rückläufig. Während in der nahen Zukunft beide Szenarien noch eine ähnliche Abnahme von durchschnittlich -14 Tagen zeigen, liegt in der fernen Zukunft in RCP4.5 landesweit eine mittlere Abnahme von -25 Eistagen vor, in RCP8.5 sogar eine Abnahme von -40 Eistagen. Die Abnahmen sind im Winter und in hohen Lagen (Tauernregion) besonders ausgeprägt. Jedoch auch die Übergangsjahreszeiten verzeichnen in der fernen Zukunft Abnahmen (mehr als -7 Tage in RCP4.5, mehr als -14 Tage in RCP8.5) entlang des Alpenhauptkamms.

Niederschläge weisen eine hohe räumliche und zeitliche Variabilität auf. Es ergeben sich im Allgemeinen weniger zuverlässige Aussagen. Im Land Salzburg zeigen sich deutliche Zunahmen der Jahresniederschlagssumme erst in der fernen Zukunft und auch nur vereinzelt (RCP4.5) oder in etwas größeren zusammenhängenden Gebieten (RCP8.5) von mehr als acht Prozent.

Im saisonalen Vergleich zeigen sich nur im Frühling der fernen Zukunft in RCP8.5 deutliche Zunahmen von etwa +16 Prozent in Gebieten nördlich von Salzach und Enns.

Für die Häufigkeit von Niederschlagstagen liefern die Modelle kaum interpretierbare Ergebnisse. Es zeigen sich zwar saisonale und regionale Unterschiede doch ergibt sich nur im Sommer der fernen Zukunft von RCP8.5 eine deutliche Abnahme der Niederschlagstage von etwa -11 Prozent in den nördlichen Landesteilen.

In beiden Szenarien ergeben sich in naher und ferner Zukunft Zunahmen der täglichen Niederschlagsintensität. Diese sind jedoch mit +10 Prozent im Jahresdurchschnitt erst in ferner Zukunft des RCP8.5 im gesamten Bundesland groß genug, um sich von der hohen Schwankungsbreite des Niederschlags abzuheben. Deutliche landesweite Zunahmen verzeichnen der Frühling (+12,4 Prozent), der Herbst (+14,5 Prozent) und der Winter (+13,7 Prozent) der fernen Zukunft in RCP8.5.

Aufgrund zunehmender Bewölkung ergeben sich Rückgänge in der Globalstrahlung. Diese sind in der fernen Zukunft und in RCP8.5 stärker ausgeprägt. Die stärksten Rückgänge treten im Frühling auf und liegen im Bereich zwischen -2,7 Prozent (RCP4.5) und -3,4 Prozent (RCP8.5) für die nahe Zukunft und zwischen -4,8 Prozent (RCP4.5) und -8 Prozent (RCP8.5) für die ferne Zukunft. Im Winter treten ähnliche Rückgänge auf, jedoch in etwas abgeschwächter Form.

Belastbare Aussagen über den zukünftigen Klimawandel sind derzeit noch in ihrer Detailliertheit begrenzt. Sie belegen jedoch eindrucksvoll den enormen Einfluss menschlichen Verhaltens auf die Zukunft des Klimas in Salzburg und weltweit. 160714_20  (kg/jus)

 

Weitere Informationen: Renate Steinmann, Büro LH-Stv. Astrid Rössler, Tel.: +43 662 8042-4805, E-Mail: renate.steinmann@salzburg.gv.at.