Mehr Chancen für Salzburgs Kinder

Haslauer und Plötzeneder gaben einen Überblick über die bildungspolitischen Schwerpunkte sowie Daten und Fakten zum neuen Schuljahr

Salzburger Landeskorrespondenz, 06.09.2016
 

(LK)  Vor Beginn des neuen Schuljahres 2016/2017 informierten Landeshauptmann Wilfried Haslauer und der Amtsführende Präsident des Landesschulrates für Salzburg, Johannes Plötzeneder, heute, Dienstag, 6. September, über die bildungspolitischen Schwerpunkte und die Eckdaten für das neue Schuljahr in Salzburg.

"Salzburgs Kinder und Jugendliche sollen die besten Chancen erhalten, um ihre Talente zu entdecken und ihr Leben erfolgreich zu gestalten. Hierzu haben wir im vergangenen Schuljahr den Salzburger Talente-Check gestartet. Diesen haben im ersten Jahr bereits mehr als 5.000 Schülerinnen und Schüler – und somit fast ein ganzer Jahrgang – durchlaufen. Angesichts einer im Vorjahr durchgeführten Erhebung der Landesstatistik wurde aber auch ersichtlich, dass mehr als 15 Prozent der Salzburger Jugendlichen nach der Pflichtschulzeit weder eine weiterführende Schule, noch eine Berufsausbildung abschließen. Ein hoher Anteil davon sind Jugendliche mit ausländischer Staatsbürgerschaft, darunter wiederum ein auffallend großer Teil Mädchen. Um diese Jugendlichen, die durch die fehlende Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt äußerst schlechte Chancen haben, im Schulsystem zu halten und somit einen weiterführenden Schul- oder Ausbildungsabschluss zu ermöglichen, hat eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Präsident Plötzeneder ein Maßnahmenpaket zur Förderung von Schulabschlüssen konzipiert. Dieses wird nun schrittweise umgesetzt", so Haslauer, der die einzelnen Maßnahmen vorstellte:

Maßnahmenpaket zur Förderung von Schulabschlüssen

In Zusammenarbeit von Landesschulrat und der Bildungsabteilung des Landes wurden regionale Schwerpunkte definiert, in denen nun die Schulsozialarbeit mit dem Schwerpunkt auf Maßnahmen für Gruppen mit hohen Schulabbruchraten sowie eine qualifizierte Eltern- und Familienberatung startet.

"Schulsozialarbeit ermöglicht die Konzentration auf die ursprüngliche Aufgabe der Pädagoginnen und Pädagogen – und zwar die Wissensvermittlung. Im Unterschied zu bestehenden Maßnahmen wie der Schulpsychologie und Schulassistenz wird beim nun stattfindenden Ausbau der Schulsozialarbeit dezidiert das gesellschaftliche Umfeld auch aufsuchend miteinbezogen und ein engmaschiges Netz in den jeweiligen Regionen durch Kooperation mit bestehenden Vereinen und Einbeziehung der Behörden gezogen", so Haslauer.

In einer Pilotphase wird im kommenden Semester im Pongau mit aufsuchender Sozialarbeit, Sozialarbeit an den Schulen und Elternberatung und Elternarbeit in den definierten Zielgruppen begonnen. Hierfür werden aus dem Bildungsressort des Landes zusätzlich rund 85.000 Euro aufgebracht. Die Implementierung der aufsuchenden Sozialarbeit wird in einem in der Stadt Salzburg erprobten Team erfolgen und schrittweise an Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die im Pongau leben und über entsprechende Verankerungen verfügen, übergeben. Für die Sozialarbeit an den Schulen steht ein Mitarbeiter zur Verfügung, der zusätzlich zur Anwesenheit auch per Rufbereitschaft für Beratungen, Krisenintervention und Konfliktregelungen zur Verfügung steht. Die Elternberatung und -begleitung bietet konkrete Unterstützung bei der Bewältigung von Krisensituationen. Hier liegt der Beratungsschwerpunkt vor allem im Bereich Frauen und Familien mit Migrationsgeschichte.

Der weitere Ausbau sieht ab dem Sommersemester eine Ausrollung des Projekts auf alle Bezirke und eine Erhöhung des Budgets auf mehr als 620.000 Euro vor.

Ausbau des Sprachförderunterrichts

"Angesichts der großen Herausforderungen, mit denen die Salzburger Pflichtschulen aufgrund sprachlicher Probleme bei Schülerinnen und Schülern konfrontiert sind, hat das Land auch ein Maßnahmenpaket zur Unterstützung der Pädagoginnen und Pädagogen bei der Sprachförderung geschnürt. Denn das Erlernen der deutschen Sprache ist ein Schlüssel für die Integration", so Haslauer.

Derzeit leben in Salzburg rund 500 schulpflichtige Flüchtlingskinder. Landesweit werden daher auch im kommenden Schuljahr drei Willkommensklassen eingerichtet. Darin werden vor allem noch nicht alphabetisierte Flüchtlingskinder integrativ unterrichtet. Der Bedarf an zusätzlicher Unterstützung für Kinder mit sprachlichen Defiziten ist aber auch an vielen weiteren Schulen im Land hoch. Da die vom Bund bereitgestellten 52 Planstellen nicht ausreichen, werden vom Land zusätzlich noch einmal 23 Planstellen in der Sprachförderung zur Verfügung gestellt.

Förderung und Integration der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf

Die Unterstützung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf stellt auch weiterhin einen wichtigen Schwerpunkt bei der individuellen Lernförderung dar. Die Bereitstellung von Schulassistenz in Form von Begleitung im Unterricht ermöglicht Kindern, die im Verhaltens- und psychosozialen Bereich besondere Unterstützung benötigen, die Teilnahme am Unterricht. Gemeinsam mit der Sicherung der Integrationslehrerstunden wird vom Bildungsressort mit mehr als einer Million Euro jährlich die beste Unterstützung für die Kinder und Jugendlichen sichergestellt.

Unterstützung für Pflichtschuldirektoren

Im neuen Schuljahr sind bereits 46 Sekretärinnen in 71 Gemeinden an mehr als 60 Prozent der Pflichtschulen im Land tätig und unterstützen die Schulleiterinnen und -leiter bei ihrer herausfordernden Arbeit. Hierbei schließen sich je nach Größe der Schule mehrere Schulstandorte zusammen und teilen sich eine Sekretärin, die von Land und Gemeinde finanziert wird. Im Laufe des Schuljahres erhalten alle Gemeinden, die sich noch nicht an dem Projekt beteiligen, die Möglichkeit teilzunehmen.

Tagesbetreuung an Schulen wird weiter ausgebaut

"Die ganztägige Betreuung an Schulen ist ein wichtiger Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und um den jungen Menschen die besten Chancen für eine erfolgreiche Zukunft zu bieten. Der erfolgreiche Ausbau setzt sich auch im neuen Schuljahr mit einem Zuwachs von mehr als zehn Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr fort", berichtete Plötzeneder, der betonte, dass neben dem quantitativen Ausbau in den vergangenen Jahren auch viel Arbeit in die Qualitätsentwicklung investiert wurde.

Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen in der ganztägigen Betreuung an Schulen hat sich seit dem Schuljahr 1999/2000 mehr als vervierfacht. Waren es im Schuljahr 1999/2000 1.183 Schülerinnen und Schüler, so sind es im nun beginnenden Schuljahr bereits 5.194, die das Angebot der Nachmittagsbetreuung und der Ganztagsschule an insgesamt 106 Standorten in Anspruch nehmen. Im vergangenen Schuljahr waren es 4.498 Schüler an 96 Standorten. Die Nachfrage nach ganztägig verschränkten Schulformen bleibt seit Einführung im Jahr 2000 auf dem gleichen Niveau mit lediglich zehn Standorten.

Umsetzung der Bildungsreform

Mit dem Grundschulpaket wird im neuen Schuljahr ein wichtiger Teil der Bildungsreform, die am 17. November 2015 beschlossen wurde, umgesetzt.

Die konkreten Maßnahmen

1. Die neue Schülerinnen- beziehungsweise Schülereinschreibung, bei der erstmals bundesweit ein förderbezogener Datenaustausch zwischen Kindergarten und Schule vorgesehen ist;

2. die Möglichkeit für die Schulstandorte, über die Beurteilungsformen selber zu entscheiden;

3. die organisatorische und pädagogische Erweiterung der schulautonomen Entscheidungsmöglichkeit, ob die Klassen der Grundschule nach Schulstufen getrennt oder jahrgangsübergreifend gebildet werden;

4. Ermöglichung einer Flexibilisierung bei der Gestaltung des sprengelfremden Schulbesuchs;

5. die Ergänzung der bisherigen Sprachförderkurse um Sprachstartgruppen, die parallel zum Unterricht in der Regelklasse geführt werden können. In beiden Formen sind Diagnose- und Förderinstrumente verpflichtend einzusetzen. Hier war Salzburg mit den Willkommensklassen Vorbild.

6. die Schaffung eines neuen Berufsbildes von Erzieherinnen und Erziehern für die Lernhilfe, die als entsprechend qualifiziertes Personal bei der individuellen Lernzeit ganztägiger Schulformen und in der Freizeitbetreuung flexibel einsetzbar sind;

7. Neuordnung des Datenmanagements im Schulalltag: zur Steigerung der Effektivität und Effizienz der Schulverwaltung sowie zur Bereitstellung elektronischer Services für Schülerinnen und Schüler durch die Schule wird unter Beachtung der Zugriffsbeschränkungen und Datensicherheitsmaßnahmen eine Modernisierung des Datenmanagements im Schulalltag angestrebt.

An der Umsetzung der offenen Pakete der Bildungsreform wie etwa im Bereich der Schulautonomie und der Bildungsverwaltung wird intensiv gearbeitet. Hier müssen bald ebenso konkrete Umsetzungsentwürfe folgen.

Start der gemeinsamen Lehrerausbildung

Alle Schülerinnen und Schüler im Alter von zehn bis 18 oder 19 Jahren werden in Zukunft von einheitlich ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet. Zehn Hochschulen aus Oberösterreich und Salzburg, die sich unter dem Namen "Cluster Mitte" zu einem regionalen Verbund zusammengeschlossen haben, bieten ab dem nun kommenden Studienjahr 2016/2017 gemeinsam ein Lehramtsstudium für die Sekundarstufe an. Gemeinsam arbeiten die Universitäten und Pädagogischen Hochschulen der Region Österreich Mitte an einer qualitativ hochwertigen Weiter-entwicklung der Lehrerinnen- und Lehrerbildung. Dabei wird in den einzelnen Studienfächern und den Bildungswissenschaften wie auch in der Fort- und Weiterbildung und der Forschung in Zukunft verstärkt zusammengearbeitet.

Daten und Fakten zum Schulbeginn

Der Amtsführende Landesschulratspräsident Johannes Plötzeneder blickt zuversichtlich auf das bevorstehende Schuljahr und gab einen Überblick:

Pflichtschulbereich

"Die Schülerinnen- und Schülerzahlen haben sich nun stabilisiert und werden auch in den kommenden Jahren auf dem gleichen Niveau bleiben. Im Schuljahr 2016/2017 werden 38.362 (2014/2015: 37.938) Schülerinnen und Schüler im Pflichtschulbereich die Schulbank drücken, davon 21.727 Kinder an 180 Volksschulen, 14.665 an 70 Neuen Mittelschulen, 1.039 an 16 selbstständigen Polytechnischen Schulen und an zwei an NMS angeschlossene PTS-Klassen sowie 931 Kinder an 23 Zentren für Inklusiv- und Sonderpädagogik und Sonderschulen. 5.409 (2014/2015: 5.195) Kinder sind Taferlklassler", so Plötzeneder.

Berufsschulen

In den zwölf Salzburger Berufsschulen werden dieses Jahr 9.072 Schülerinnen und Schüler in 600 Klassen durch rund 380 Lehrerinnen und Lehrer auf zirka 80.000 Quadratmeter Unterrichtsfläche in rund 80 Berufen ausgebildet. Die Salzburger Berufsschulen sind modernst ausgestattet und verfügen neben den Werkstätten und Labors über rund 3.000 PCs. Der Unterricht erfolgt zum größten Teil in 18er Klassen – für die Lehrpersonen stehen rund 350 Arbeitsplätze zur Verfügung.

Die zehn Salzburger Landesberufsschulheime verfügen über rund 1.030 Betten, die jährlichen Nächtigungen betragen mehr als 200.000. In den Heimen und Kantinen werden jährlich rund 580.000 Essensportionen ausgegeben.

AHS und BMHS

Im Bereich der Allgemein Bildenden Höheren Schulen (AHS) steigt die Zahl der Schülerinnen und Schüler geringfügig auf 13.706 sowie an der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik (BAKIP) auf 738.

Im Bereich der Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen (Handelsakademie, Handelsschule, Höhere Technische Bundeslehranstalt, Humanberufliche Schulen) bleiben die Zahlen auf einem relativ gleichmäßigen Niveau bei insgesamt 13.517 Schülerinnen und Schülern.

Nachprüfungen

An der AHS stehen dieses Jahr insgesamt 1.103 Nachprüfungen an. Im BMHS-Bereich sind es 2.168 Nachprüfungen. 160906_52 (lmz/grs)

Weitere Informationen: Christian Blaschke, Büro Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Tel.: +43 664 5917126, E-Mail: christian.blaschke@salzburg.gv.at.