Vom Haifischzahn bis zum Brunnenrohr-Reiniger

Zentrale digitale Datenbank der Salzburger Regionalmuseen umfasst bereits 120.000 Objekte

Salzburger Landeskorrespondenz, 08.09.2016
 

(LK)  World Wide Web, digital, virtuell: Schlagworte, die heute im Alltag eine zentrale Rolle spielen – und dies auch in den Salzburger Regionalmuseen. Dort setzt man nicht nur bei der Ausstellungsgestaltung auf den Einsatz von neuen Medien sondern auch hinter den Kulissen auf die elektronische Inventarisierung und Aufarbeitung der Sammlungsbestände.

Im Auftrag des Landes Salzburg wird dieses österreichweit einzigartige Projekt seit einiger Zeit konsequent vorangetrieben. Rund 70 Regionalmuseen beteiligen sich daran. In etwa 20 Museen sind die Inventarisierungsarbeiten schon abgeschlossen. Insgesamt sind bereits rund 120.000 Objekte in der zentralen Datenbank gespeichert. Vom Haifischzahn bis zur Reinigungskette für ein Brunnenrohr ist dabei alles zu finden …

Es handelt sich um ein Projekt des Landes Salzburg in Kooperation mit dem Forum Salzburger Volkskultur und dem Landesverband Salzburger Museen und Sammlungen. Die Vorteile der zentralen digitalen Datenbank im Referat Volkskultur und Erhaltung des kulturellen Erbes liegen klar auf der Hand: "Erstens weiß man, was wo vorhanden ist. Das heißt, es gibt erstmals einen wissenschaftlich gesicherten Überblick über den Sammlungsbestand in den Regionalmuseen in allen Bezirken. Zweitens wird die Suche einfacher. Bei der Vorbereitung von Ausstellungen oder bei wissenschaftlichen Arbeiten ist nun die Recherche wesentlich schneller und zielgerichteter möglich. Und für die Museen selber eröffnet eine gute Objektrecherche eine erstklassige Möglichkeit für PR-Arbeit", erläuterte Dagmar Bittricher vom Referat Volkskultur und Erhaltung des kulturellen Erbes heute, Donnerstag, 8. September.

Umfassende Unterstützung für Regionalmuseen

Erste Schritte weg von den Karteikarten und Inventarbüchern hin zu einer ergänzenden EDV-Inventarisierung hat das Land bereits in den 1990er Jahren gesetzt. Es wurde ein einheitliches Computerprogramm entwickelt. Die Regionalmuseen wurden und werden bei der Anschaffung der notwendigen Computer-Hardware sowie des Programms finanziell unterstützt. Es wurden und werden Gratis-Schulungen angeboten, und es gibt eine Kunsthistorikerin, die die zumeist ehrenamtlichen Museums-Mitarbeiterinnen und –Mitarbeiter direkt im Museum bei der professionellen Dokumentation unterstützt und berät. Auch dies ist für die Regionalmuseen kostenlos.

Wissenschaftliche Dokumentation und Bewusstseinsbildung

Neben Foto und Inventarnummer enthält diese Dokumentation der Objekte eine möglichst vollständige Beschreibung jedes Stückes, Angaben über sein Umfeld, seine Herkunft, seinen Zustand, seine Behandlung sowie seinen gegenwärtigen Standort. Nach der elektronischen Bestandsaufnahme werden die Datensätze an das Referat Volkskultur und Erhaltung des kulturellen Erbes gesendet. Dort werden die Daten stichprobenartig geprüft und in die zentrale Datenbank importiert. Die digitalen Daten erleichtern den Museums-Mitarbeitenden das Arbeiten. Sie sind einerseits Grundlage für Beschriftungen, Leihverträge etc. Andererseits tragen sie aber auch wesentlich zur Bewusstseinsbildung bei, was alles und welche regionalen Besonderheiten in einer Sammlung überhaupt vorhanden sind.

Die Kunsthistorikerin Hemma Ebner betreut im Auftrag des Landes Salzburg seit rund zehn Jahren dieses Projekt, "das eigentlich nie endet. Es gibt ja immer wieder neue Ankäufe oder Schenkungen an Museen, die dann inventarisiert werden müssen." Neben Schulungen sieht sie ihre Hauptaufgabe "in der Betreuung und Motivation der hauptsächlich ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Regionalmuseen. Denn diese Inventarisierung ist sehr zeitaufwendig. Es ist eine Arbeit im Hintergrund, von der man nichts merkt, die aber enorm wichtig ist für die Erhaltung und Bewahrung der heimischen Kunst- und Kulturschätze."

Von einem Kubikmillimeter bis 37 Meter

Das kleinste derzeit digital inventarisierte Objekt ist übrigens ein fossiler Haifischzahn im Museum Burg Golling, ganze ein Kubikmillimeter groß. Am anderen Ende der Skala ist eine Kette im Museum Kuchl zu finden, die für die Reinigung von Brunnenrohren verwendet wurde und die stolze 37 Meter misst. Dazwischen liegen rund 120.000 weitere Stücke, die anschaulich die Besonderheiten einer Region dokumentieren: von der Xandi-Schläffer-Krippensammlung im Schloss Ritzen in Saalfelden, über das Hochofenmuseum Bundschuh mit seinem Schwerpunkt Eisenverhüttung im Lungau oder das FIS-Landes-Skimuseum in Werfenweng im Pongau bis hin zur bäuerlichen Gebrauchskeramik im Museum im Einlegerhaus in Obertrum oder das Torf-Glas-Ziegel-Museum im Bürmoos im nördlichen Flachgau. 160908_20 (kg/grs)

Weitere Informationen: Franz Wieser, Pressesprecher Land Salzburg, Landes-Medienzentrum, Tel.: +43 662 8042-2365, Redaktionshandy: +43 664 3943735.