Wählerströme und Hochburgeneffekte

Analysen der Landesstatistik zur Bundespräsidenten-Stichwahl 2016

Salzburger Landeskorrespondenz, 05.12.2016
 

(LK)  Für die Stichwahl zur Bundespräsidentenwahl wurde von der Landesstatistik Salzburg unter der Leitung von Gernot Filipp heute, Montag, 5. Dezember, eine Wählerstromanalyse der Salzburger Ergebnisse im Vergleich mit dem annullierten Wahlgang vom 22. Mai durchgeführt. Die Analyse bezieht sich auf die Ergebnisse ohne Briefwahlstimmen, da die per Briefwahl abgegebenen Stimmen erst im Laufe des Tages ausgezählt werden. Insgesamt wurden 38.205 Wahlkarten ausgegeben, was bedeutet, dass 9,7 Prozent der Wahlberechtigten eine Wahlkarte beantragt haben.

Hohe Wiederwahlquoten für beide Kandidaten

Beide Kandidaten erreichten hohe Wiederwahlquoten gegenüber dem annullierten Wahlgang. Bei Alexander van der Bellen kann de facto von einer Wiederwahlquote von 100 Prozent gesprochen werden, bei Norbert Hofer liegt sie bei etwa 90 Prozent. Sie konnten aber in unterschiedlichem Ausmaß Wählerinnen und Wähler des jeweils anderen Kandidaten bzw. der Nichtwählerinnen und –wähler von sich überzeugen.

Von den Nichtwählerinnen und Nichtwählern des annullierten Wahlgangs haben etwa vier Fünftel auch dieses Mal keine Stimme abgegeben. Immerhin elf Prozent haben bei diesem Wahlgang Van der Bellen gewählt, neun Prozent haben sich für Norbert Hofer entschieden.

Zusammenfassung der Wählerstromanalyse

Aus der Sicht der beiden Kandidaten der Stichwahl können die Ergebnisse wie folgt zusammengefasst werden:

  • Norbert Hofer konnte etwa neun von zehn seiner Wählerinnen und Wähler (rund 114.500 Stimmen) des annullierten Wahlgangs mobilisieren. Vier Prozent (rund 5.200 Stimmen) votierten dieses Mal hingegen für den Gegenkandidaten und sieben Prozent (rund 8.900 Stimmen) blieben dieses Mal den Wahlurnen fern. Andererseits konnte er 10.800 ehemalige Nichtwählerinnen und –wähler von sich überzeugen. Norbert Hofer kommt damit insgesamt im Bundesland Salzburg ohne Einbeziehung der Briefwahlstimmen auf 125.227 Stimmen, das sind 50,2 Prozent der gültigen Stimmen.
  • Alexander Van der Bellen konnte de facto alle seine Wählerinnen und Wähler aus dem annullierten Wahlgang erneut für sich gewinnen (rund 104.900 Stimmen). Zudem durfte er sich über etwa 5.200 Stimmen (rund 4 Prozent) von ehemaligen Hofer-Anhängerinnen und –anhängern freuen. 14.000 (etwa 11 Prozent) der ehemaligen Nichtwählerinnen und –wähler ließen sich zur Stimmabgabe für Alexander van der Bellen motivieren. Alexander van der Bellen kommt damit im Bundesland Salzburg insgesamt ohne Einbeziehung der Briefwahlstimmen auf 124.175 Stimmen, was einem Stimmanteil von 49,8 Prozent entspricht.

Van der Bellen legt in allen 119 Gemeinden zu

Alexander van der Bellen konnte im Vergleich zur annullierten Stichwahl in allen 119 Salzburger Gemeinden zulegen, wobei die Gewinne zwischen 0,1 Prozentpunkten in Untertauern und 12,8 Prozentpunkten in Göriach variierten. Dementsprechend musste Norbert Hofer überall Verluste verbuchen.

Werden die Gemeinden nach dem Stimmanteil von Alexander van der Bellen bei der annullierten Stichwahl gruppiert, fällt auf, dass der zukünftige Bundespräsident der Republik Österreich in den Gemeinden, in denen er bei der annullierten Stichwahl schlechter abschnitt, überdurchschnittlich zulegen konnte. So gewann der von den Grüne(n) unterstützte Kandidat in jenen Gemeinden, in denen er bei der annullierten Stichwahl mit weniger als 30 Prozent Stimmanteil seine schlechtesten Ergebnisse erzielte, durchschnittlich 6,7 Prozentpunkte dazu. In den Gemeinden, in denen er bei der annullierten Stichwahl bereits mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen auf sich vereinen konnte, war der Zugewinn hingegen geringer und belief sich auf 4,7 Prozentpunkte. Umgekehrt verhält es sich bei Norbert Hofer: Er verlor vor allem in jenen Gemeinden stark, in welchen er im annullierten Wahlgang den höchsten Zuspruch erhielt. 161205_60 (sm)

Weitere Informationen: Franz Wieser, Pressesprecher Land Salzburg, Landes-Medienzentrum, Tel.: +43 662 8042-2365, Redaktionshandy: +43 664 3943735.

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