Universitätsklinikum Salzburg als Zentrum für BRCA-Untersuchungen

Stöckl: Den Patienten Zugang zu den modernsten Entwicklungen anbieten

Salzburger Landeskorrespondenz, 29.12.2016
 

(LK)  "In intensiven Verhandlungen ist es mir jetzt gelungen, dass das Universitätsklinikum Salzburg von der Bundesgesundheitskommission als ein Zentrum für BRCA-Untersuchungen anerkannt wird. Das ist vor allem für die Patientinnen und Patienten von enormer Bedeutung, da es österreichweit nur wenige dieser Zentren gibt. Die Patientinnen und Patienten ersparen sich somit weite Wege, zum Beispiel nach Wien oder Graz, und können diese Untersuchungen in Salzburg machen lassen", sagte heute, Donnerstag, 29. Dezember, Gesundheits- und Spitalsreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl. Etwa fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebs- und Eierstockkrebspatientinnen sind familiär vorbelastet. Häufig steckt hinter dieser familiären Belastung eine Genveränderung (Mutation) der Gene BRCA1 und BRCA2.

"Mit der offiziellen Anerkennung als Zentrum für BRCA-Untersuchungen einhergeht, dass die klinischen und wissenschaftlichen Bemühungen vom Bund finanziell gefördert werden können. Gerade für Salzburg mit einer der größten onkologischen Abteilungen und einem ausgewiesenen Schwerpunkt in Onkologie ist es sehr wichtig, auf dem Top-Niveau der Wissenschaft zu bleiben und den Patientinnen und Patienten Zugang zu den modernsten Entwicklungen anbieten zu können," so Stöckl weiter.

Laut Primar Richard Greil, dem Leiter der Universitätsklinik für Innere Medizin III im Universitätsklinikum Salzburg, sind rund ein bis fünf Prozent aller Krebserkrankungen und fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebs- und Eierstockkrebserkrankungen erblich bedingt. In diesen Fällen finden sich in den Familien der Patientinnen gehäuft Krebserkrankungen, die Frauen erkranken oft bis zu zehn Jahre früher als der betroffene Elternteil. Ein Teil der erblichen Brustkrebs- und Eierstockerkrankungen ist auf Mutationen im BRCA1- bzw. im BRCA2-Gen zurückzuführen, die in allen Zellen des Körpers entsprechend verändert sind, sodass die Feststellung der Trägerschaft mit allen Auswirkungen auf die gesamte Familie an den weißen Blutkörperchen oder auch Zellen der Mundschleimhaut erfolgen kann.

Risiko für Frauen steigt ab dem frühen Erwachsenenalter

Je nach Art der Mutation und dem betroffenen Gen steigt ab dem frühen Erwachsenenalter das Risiko von Frauen auf bis zu 85 Prozent Lebenszeitwahrscheinlichkeit für Brustkrebs und zwischen elf und 60 Prozent für Eierstockkrebs an. "Die Konsequenzen eines solchen Befundes sind massiv", so Greil, "da mit der Patientin die vorbeugende beidseitige Brust- und/oder Eierstockentfernung oder auch eine allfällige, sehr frühzeitige Planung einer Schwangerschaft vor diesen Eingriffen besprochen werden muss. Dies unabhängig davon, wie die partnerschaftliche Situation der Frau aussieht. Auch die Aufklärung der Familienmitglieder stellt eine große Herausforderung dar und kann nur unter Wahrung besonderer gesetzlicher Aufgaben erfolgen."

Selektive Therapie - neue Medikamente

Bei einem Teil der Frauen mit bereits diagnostiziertem Brustkrebs wird diese erbliche Erkrankung zum ersten Mal in der Familie diagnostiziert oder die Mutation des BRCA1- bzw. BRCA2-Gens tritt neu und nur im Tumorgewebe auf. "Diese Patientinnen bedürfen einer sehr selektiven Therapie und werden derzeit mit neuen Medikamenten im Rahmen klinischer Studien an der III. Medizin behandelt, die zielgerichtet die molekulare Folgen dieser Mutationen angreifen", erläutert Greil.

Es sei, so Greil, nicht zu übersehen, dass bei Trägern von BRCA1- und BRCA2- Mutationen auch ein deutlich erhöhtes Risiko für Dickdarmkrebs, Bauchspeicheldrüsen- und Magenkrebs, Krebsarten, die in der freien Bauchhöhle auftreten, und auch für Prostatakarzinome gegeben ist. "Die exakte und validierte molekulargenetische Diagnose ist daher von höchster Relevanz für die onkologische Betreuung von Patienten", sagt der Leiter der Leiter der Universitätsklinik für Innere Medizin III.

Modernste Untersuchungs-Technologien

"Im Universitätsklinikum Salzburg steht den Patientinnen und Patienten mit Hilfe des Next-Generation-Sequencing (NGS) die höchst innovative und modernste Technologie für diese Untersuchungen zur Verfügung. Dazu ist selbstverständlich auch die entsprechende Expertise im Haus. Und dass der Bund jetzt das Universitätsklinikum Salzburg als eines der wenigen Zentren für BRCA-Untersuchungen in ganz Österreich anerkannt hat zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", so Landeshauptmann-Stellvertreter Stöckl. 161229_24 (rb/kg)

Weitere Informationen: Harald Haidenberger, Büro LH-Stv. Christian Stöckl, Tel.: +43 662 8042-3311, E-Mail: harald.haidenberger@salzburg.gv.at.

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