Salzburger Weg zur Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen wird fortgesetzt

Haslauer und Berthold: Erstmals liegen flächendeckend Daten der Asylwerbenden in Salzburg vor

Salzburger Landeskorrespondenz, 21.2.2017
 

(LK)  Das Projekt trägt den Namen Qualifikations-Screening von Asylwerbenden und wurde mit persönlichen Gesprächen durchgeführt. "Dieses schafft eine Basis, um die nächsten Schritte zu einer erfolgreichen Integration zu setzen. Wir können nun gezielt vorgehen, denn Alphabetisierungs- und Deutschkurse können besser geplant und die vorhandenen Ressourcen effektiver eingesetzt werden", betonte Landeshauptmann Wilfried Haslauer, heute, Dienstag, 21. Februar.

"Der neue Kompetenzpass des Landes Salzburg für die Asylwerberinnen und Asylwerber beinhaltet die individuellen Ergebnisse des Qualifikationsscreenings und alle weitere Kompetenzen, die im Verlauf der Grundversorgung erworben worden sind. Enthalten sind darin auch Sprachzertifikate oder die unterschiedlichen Bildungsabschlüsse. Der Kompetenzpass ist damit die Basis für die erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt, das AMS kann mit den richtigen Maßnahmen anknüpfen. Erfreulich ist, dass Salzburg mit dem großen Angebot an Deutschkursen wie auch der umfangreichen Erhebung der Qualifikationen österreichweit eine Vorreiterrolle einnimmt", betonte Integrationslandesrätin Martina Berthold.

Erst-Screening

Da neben den soziodemografischen Daten kaum Informationen über die Qualifikationen der Asylwerbenden bekannt waren, wurde Ende Dezember 2015 der Entschluss gefasst, von allen Asylwerbenden ab 18 Jahre in der Grundversorgung des Landes Salzburg ein Grundprofil zu erheben. Ziel war es, eine flächendeckende und standardisierte Erhebung von Daten im Hinblick auf die Schul-, Universitäts- und Berufsausbildung sowie Berufserfahrung durchzuführen.

Zwischen Juli und Dezember 2016 wurden in Zusammenarbeit von Land Salzburg und Caritas Salzburg insgesamt 3.392 Asylwerbende in einem standardisierten Verfahren befragt. Dies ergibt eine Teilnahmequote von 94 Prozent. Mit Jahresbeginn 2017 ist das Erst-Screening in den Regelbetrieb übergegangen. Die Befragung wird nunmehr ausschließlich von der Caritas Salzburg, als wichtigem Projektpartner, über den Grundversorgungsauftrag durchgeführt. Die erhobenen Daten sollen in Folge halbjährlich von der Salzburger Landesstatistik ausgewertet werden.

Der Zweck des Screenings liegt darin, dass jetzt eine bessere Bedarfseinschätzung und Planung von Integrations- und Qualifizierungsmaßnahmen möglich wird. Beispielsweise liegen jetzt konkrete Informationen darüber vor, welche Niveaustufen der Deutschkurse in welchen Bezirken benötigt werden.

Demografische Daten

Von den befragten 3.392 Personen waren 601 Frauen und 2.791 Männer. Die meisten Personen (37,1 Prozent) sind in der Stadt Salzburg untergebracht, die wenigsten im Tennengau (3,3 Prozent). Im Tennengau und im Pinzgau sind fast ein Viertel aller Asylwerbenden Frauen, im Lungau hingegen weniger als zehn Prozent. Die stärkste Altersgruppe ist die der 20- bis 29-Jährigen, die fast die Hälfte aller Personen umfasst.

Der Frauenanteil steigt innerhalb der Altersgruppen sukzessive an. Während er bei den unter 20-Jährigen nur bei 5,7 Prozent liegt, beträgt er bei den 50-Jährigen und Älteren knapp über 40 Prozent. Das Durchschnittsalter der Männer liegt bei 27,5 Jahren, jenes der Frauen bei 33,1 Jahren. Mehr als zwei Drittel aller Männer sind unter 30 Jahre alt. Der größte Anteil aller Personen, konkret 29,9 Prozent, stammt aus Afghanistan. Den größten Frauenanteil, bezogen auf die Herkunftsländer, gibt es bei den 55 Personen aus der Russischen Föderation mit 41,8 Prozent. Fast ein Drittel aller Personen spricht Arabisch.

Sprachkenntnisse

81,4 Prozent aller Asylwerbenden sind in ihrer Muttersprache alphabetisiert. 60-Jährige sowie ältere Menschen, Nigerianerinnen und Nigerianer sowie Kurdisch und Pashtu Sprechende haben einen wesentlich geringeren Alphabetisierungsgrad als die Gesamtheit aller Asylwerbenden. Zum Zeitpunkt der Befragung haben 13,2 Prozent der Befragten keine und rund die Hälfte geringe Deutschkenntnisse. 29,6 Prozent der Asylwerbenden verstehen und 7,6 Prozent sprechen auch Deutsch. 69,5 Prozent können Deutsch lesen und 65,2 Prozent auch Deutsch schreiben. Allerdings dürften sowohl die Lese- als auch die Schreibfähigkeiten eher schwach sein, da die Hälfte der Befragten lediglich geringe Deutschkenntnisse vorweist. 73,2 Prozent aller Befragten gaben an, einen Deutschkurs zu besuchen. Bei den Frauen beträgt der Wert nur 59,2 Prozent. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass Frauen unter anderem geantwortet haben, dass sie aufgrund von Kinderbetreuungspflichten keinen Kurs besuchen können. Personen aus der Russischen Föderation nehmen nur zu 40,0 Prozent an einem Deutschkurs teil, wobei allerdings 41,8 Prozent zumindest schon den Deutschlevel A1 vorweisen können. 704 Personen besuchten zum Zeitpunkt der Befragung keinen Deutschkurs. Fast 30 Prozent begründen dies damit, dass es kein Angebot gibt (insbesondere im Sommer).

Beruf

Von 77,4 Prozent der Befragten (Männer 83,2 Prozent, Frauen 50,6 Prozent) liegt eine Berufsangabe vor. Von diesen haben 92,2 Prozent die Tätigkeit zuletzt ausgeübt, wobei 13,1 Prozent über einen Nachweis verfügen. Etwa zehn Prozent aller Berufe entfallen auf den Einzelhandel. Weitere 10,9 Prozent in Summe auf die Sparten Landbau, Viehwirtschaft oder Innenausbau, Raumausstattung. Den höchsten Frauenanteil gibt es mit 45,5 Prozent in der Berufssparte Reinigung, Hausbetreuung, Anlern- und Hilfsberufe. Handwerksberufe (16,3 Prozent) und der Bereich Kfz (15,6 Prozent) dominieren. 10,6 Prozent wollen eine Lehre machen und 8,3 Prozent in der Gastronomie beziehungsweise Tourismus arbeiten.

"Mit dem durchgeführten Screening liegen nun erstmals umfassende Daten und Informationen über die Sprachkenntnisse und beruflichen Qualifikationen der Asylwerbenden des Landes Salzburg vor. Sie ermöglichen eine sehr differenzierte Sicht auf den Status quo, der differenziert nach unterschiedlichen soziostrukturellen Merkmalen analysiert und dargestellt werden kann. Ziel ist es, diese Befragung künftig regelmäßig durchzuführen, um so die durchgeführten Qualifizierungsmaßnahmen laufend beobachten und evaluieren zu können", erklärte Gernot Filipp, der Leiter der Salzburger Landesstatistik.

Der Schlüssel für eine ehestmögliche und nachhaltige Arbeitsmarktintegration ist der rasche Spracherwerb. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es unterschiedliche Maßnahmen und Projekte.

Kostenlose Deutschkurse bis zum Niveau B1 für Asylwerbende

Bereits im Start-Quartier des Landes in Thalgau soll eine möglichst hohe Zahl von Asylsuchenden in den ersten sechs Monaten ihres Aufenthaltes das Niveau A1 erreichen. Sprachkurse für das Niveau A1 sind verpflichtend zu besuchen. In den weiteren Angeboten in der Grundversorgung ist Spracherwerb landesweit bis zum Niveau B1 möglich. "Diese Kurse sind eine wichtige Zukunftsinvestition für das Land Salzburg", unterstrich Landesrätin Berthold. "Nur wenn die neu zu uns gekommenen Menschen die Sprache erlernen können, wird das Zusammenleben gelingen können."

Sprachkurs-Plattform

Für Asylwerbende und Asylberechtigte ist es in Salzburg einfach, einen Überblick über Kursangebote zu bekommen. Die Plattform www.deutschlernen-salzburg.at informiert über alle Kurs- und Trainingsangebote im Bundesland. Dabei sind kostenlose niederschwellige Sprachlernunterstützungen genauso angeführt wie Sprachkurse der Universität Salzburg und Sprachlerninstitute.

Sprachtraining im Freiwilligennetz

Das Sprachtraining durch Freiwillige ist eine wichtige zusätzliche Unterstützung der Kursangebote. Drei Koordinatorinnen der Diakonie begleiten landesweit die freiwilligen Sprachtrainerinnen und Sprachtrainer und bieten kostenlose Schulungen, Austauschabende sowie Lernunterlagen.

Berufsbezogene Deutschkurse

Es ist geplant, berufsbezogene Deutschkurse für Asylwerbende anzubieten. Eine Arbeitsgruppe bestehend aus Fachleuten des Landes und aus dem Bildungs- und Arbeitsmarktbereich wird in den nächsten Wochen nach eingehender Analyse der Daten ein entsprechendes Konzept ausarbeiten. Landeshauptmann Haslauer betonte: "Um Asylberechtigte langfristig und nachhaltig in den Arbeitsmarkt integrieren zu können, müssen wir jetzt in Sprachkurse investieren. Während des Asylverfahrens sollen Flüchtlinge ihre Zeit zum Deutsch lernen nutzen. Dazu braucht es entsprechende Angebote. Je schneller wir die Menschen dabei unterstützen, die Sprache zu erlernen und in Beschäftigung zu kommen, je schneller können diese für sich selber sorgen und so einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Für Asylwerbende, die bereits über gute Deutschkenntnisse verfügen, werden in Kürze noch berufsbezogene Deutschkurse angeboten." Finanziert werden diese Kurse aus dem Ressort von Landeshauptmann Haslauer.

StartDeutsch! Salzburg – Deutschkurse für Asylberechtigte

Mit "StartDeutsch! Salzburg" bieten sechs Salzburger Bildungseinrichtungen (Volkshochschule, BFI, WIFI, Verein Viele, Diakonie Flüchtlingsdienst, Verein Einstieg) kostenlose Deutsch- und Alphabetisierungskurse für anerkannte Flüchtlinge an. Um den Bedürfnissen der Zielgruppe gerecht zu werden und einen niederschwelligen Zugang zu den Kursen zu ermöglichen, bietet "StartDeutsch! Salzburg" neben Kinderbetreuung und Kursen zu unterschiedlichen Tageszeiten auch Kurse speziell für Jugendliche und junge Erwachsene sowie Personen mit langsamerem Lerntempo an. Zudem gewährleistet das Projekt eine breite regionale Abdeckung (Salzburg Stadt, Hallein, Tamsweg, Bischofshofen, Altenmarkt, Mittersill, Zell am See, Saalfelden und St. Johann im Pongau). Insgesamt stehen mehr als 700 Kursplätze zur Verfügung. "Damit ist uns in Salzburg eine Kooperation gelungen, die den regionalen Bedürfnissen wirklich gerecht wird", so Berthold.  

Der Bericht zum Qualifikations-Screening von Asylwerbenden steht Interessierten im Webshop des Landes zur Verfügung. 170221_31 (jus/grs)

Weitere Informationen: Thomas Kerschbaum, Büro Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Tel.: +43 662 8042-2332, Mobil: +43 664 1020564, E-Mail: thomas.kerschbaum@salzburg.gv.at.

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