Von blauen Ziegen und schwarzen Schweinen

Rössler und Schwaiger eröffneten sehenswerte Fotoausstellung über seltene Nutztierrassen im Alpenraum

Salzburger Landeskorrespondenz, 13.03.2017
 

(LK)  Das schwarzes Alpenschwein, die tirolerische blaue Ziege oder das bunt gesprenkelte steirische Steinhendl haben eines gemeinsam: Sie besitzen wie viele andere Nutztierrassen des Alpenraums eine Jahrhunderte bis Jahrtausende alte Kulturgeschichte. Alpenweit sind aber nicht weniger als 131 dieser alten Nutztierrassen in ihrem Bestand gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Eine sehenswerte Fotoausstellung soll dies Interessierten vor Augen führen und auf einen bisher vernachlässigten Aspekt der Biodiversität aufmerksam machen.

"Von blauen Ziegen und schwarzen Schweinen. Eine Reise quer durch die Alpen zu den letzten ihrer Art" lautet der Titel der Fotoausstellung von Günter Jaritz, die von 13. bis 30. März 2017 im Foyer des Amtsgebäudes in der Michael-Pacher-Straße 36 in Salzburg zu sehen ist. Sie ist aus Anlass der österreichischen Vorsitzführung in der Alpenkonferenz und in Zusammenarbeit vom Umweltdachverband und dem "Zuchtverein für traditionelles Nutzgeflügel in den Alpen" entstanden. Geöffnet ist die Ausstellung jeweils von Montag bis Freitag von 7.00 bis 18.00 Uhr.

Rössler: Bedrohte Arten schützen, alpine Kulturlandschaften bewahren

"Die Alpen bieten unzähligen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Viele davon sind in ihrer Existenz bedroht, darunter auch rund 130 Nutztierrassen. Doch durch den Rückgang der traditionellen Nutztiere verschwinden auch immer mehr wichtige und artenreiche Kulturlandschaften. Diese Ausstellung soll darauf aufmerksam machen und dazu beitragen,  bedrohte Arten zu schützen und die alpinen Kulturlandschaften zu bewahren", betonte die für den Tier- und Naturschutz zuständige Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler heute, Montag, 13. März, bei der Ausstellungseröffnung, an der auch der für die Alpenkonvention im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) zuständige Ewald Galle teilnahm.

Schwaiger: Vielfalt für kommende Generationen erhalten

"Der ländliche Raum in Salzburg verfügt nicht nur über eine sehr vielfältige Kultur- und Naturlandschaft, sondern auch über eine Vielzahl an alten landwirtschaftlichen Haus- und Nutztierrassen. Durch jahrhundertelange züchterische Selektion und Anpassung entstanden zahlreiche spezialisierter Rassen mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten. Diese seltenen Nutztierrassen sind untrennbar mit der Geschichte der bäuerlichen Landwirtschaft verbunden. Deshalb ist es unsere Pflicht diese Vielfalt auch für kommende Generationen zu erhalten. Ich freue mich, dass mit dieser Ausstellung die Aufmerksamkeit einer größeren Öffentlichkeit auf dieses Thema gelenkt und damit das Bewusstsein für die dringend notwendige Erhaltung seltener Nutztiere gestärkt wird", sagte Agrarlandesrat Josef Schwaiger.

Seltene Nutztierrassen im Buchformat

Ausstellungsmacher und Buchautor Günter Jaritz ist überzeugt: "Wenn seltene Nutztierrassen verschwinden, hat dies direkte Auswirkungen auf die Vielfalt der Landschaft. Aber auch das überlieferte Erfahrungswissen und alte Nutzungstechniken gehen damit verloren." Jaritz ist Autor des 2014 im Pustet-Verlag erschienenen Buches "Seltene Nutztiere der Alpen: 7000 Jahre geprägte Kulturlandschaft". In diesem reich illustrierten Standardwerk werden alle autochthonen Nutztierrassen des Alpenbogens behandelt. Der Autor bereiste zwei Jahre lang die verschiedenen Regionen der Alpen, um die ursprünglichen Verbreitungsgebiete aufzusuchen und mit den Züchtern zu sprechen. Der Leser folgt ihm zu den letzten ortsstämmigen Hirtenhunden Osttirols und Savoyens, lernt die kleinsten Rinder der Alpen, das Evolèner Vieh des Wallis, kennen und erfährt Erstaunliches über die Esel der Provence, die letzten schwarzen Alpenschweine und die seltenen blauen Ziegen Tirols.

Pinzgauer Ziege vom Aussterben bedroht

Der Salzburger Pinzgau ist beispielsweise das Stammzuchtgebiet des Original Pinzgauer Rindes  und der Pinzgauer Ziege. Einst geschätzt für ihre Milchleistung wird die Pinzgauer Ziege heute kaum mehr gemolken. Mit 474 Tieren gilt sie als vom Aussterben bedroht. Damit geht eine alte Pinzgauer Käsetradition verloren, da der echte Pinzgauer Käse aus zwei Dritteln Magermilch von der Pinzgauer Kuh und einem Drittel Vollmilch von der Pinzgauer Ziege hergestellt wird. Auch das einst über 30 Staaten weltweit verbreitete Original Pinzgauer Rind ist mittlerweile mit rund 6000 Tieren im Bestand selten geworden. 170313_40 (sab/ram)

Weitere Informationen: Stefan Tschandl, Büro LH-Stv. Astrid Rössler, Tel.: +43 662 8042-4801, E-Mail: stefan.tschandl@salzburg.gv.at.; Martin Wautischer, Büro Landesrat Josef Schwaiger, Tel.: +43 662 8042-2700, Mobil: +43 664 3122368, E-Mail: martin.wautischer@salzburg.gv.at.

Das Land Salzburg auf Facebook und Twitter.