Schicksalszeiten auf dem Weg zur Demokratie

Haslauer bei Buchpräsentation: Wichtiger Teilaspekt der Salzburger Regionalgeschichte

Salzburger Landeskorrespondenz, 13.03.2017
 

(LK)  Das Jubiläum "Salzburg 20.16 – 200 Jahre Salzburg bei Österreich" bot Anlass zu vielfältiger Rückschau auf die Entwicklung des Landes in den vergangenen zwei Jahrhunderten. Nach "Salzburg – Wien. Eine späte Liebe", erschienen in der Schriftenreihe des Landes-Medienzentrums (Serie Sonderpublikationen, Nr. 259) und dem von der Landesstatistik herausgegebenen Band "200 Jahre Salzburg in Zahlen" wurde heute, Montag, 13. März, im Salzburger Landesarchiv das Buch "Salzburg nach 1816. Schicksalszeiten auf dem Weg zur Demokratie" präsentiert. Das Buch ist in Zusammenarbeit des Landes-Medienzentrums mit dem Salzburger Landesarchiv entstanden und zum Preis von 18,90 Euro im Webshop des Landes erhältlich.

Darin zeichnen die Historiker Robert Hoffmann, Hanns Haas, Oskar Dohle, Robert Kriechbaumer und Ursula Schwarz die Geschichte Salzburgs auf dem Weg zur parlamentarischen Demokratie nach. Die Publikation legt das Hauptaugenmerk auf die Geschichte von Verfolgung, staatlicher Repression und politischer Justiz. Von den Emanzipationsbestrebungen der "Untertanen" und dem Entstehen parlamentarisch-demokratischer Vertretungen im 19. Jahrhundert, dem Ersten Weltkrieg und der Zwischenkriegszeit bis zu den Unmenschlichkeiten des NS-Regimes spannt sich der Bogen. Überblicksartige Beschreibungen des Forschungsstandes ergänzen die Darstellung der einzelnen Zeitabschnitte.

Überblick über den steinigen Weg hin zu Rechtsstaatlichkeit

"Schon früher wurden wertvolle und richtungweisende wissenschaftliche Arbeiten über diesen wichtigen Teilaspekt der Salzburger Regionalgeschichte veröffentlicht. Die vorliegende, auf den Forschungsstand gebrachte Publikation ist in dieser Form der Zusammenschau für Salzburg jedoch bisher einzigartig. Sie bietet der historisch interessierten Leserschaft einen aufschlussreichen Überblick über den steinigen Weg Salzburgs hin zu Rechtsstaatlichkeit und Demokratie", so Landeshauptmann Wilfried Haslauer. "Die Beiträge leisten darüber hinaus wertvolle Dokumentationsarbeit über den jeweiligen Forschungsstand zu den einzelnen Zeitabschnitten und Themenbereichen. Es ist mehr als nur zu wünschen, dass dieser spannend zu lesende Bericht junge Wissenschafterinnen und Wissenschafter zu weiteren Forschungen auf diesem weiten Themenfeld animiert."

"Die Geschichte Salzburgs auf dem Weg zur parlamentarischen Demokratie war weder so linear noch so geradlinig, wie es manchmal vereinfacht dargestellt wird.
Er war ein Prozess mit Fortschritten, aber auch mit dramatischen und tragischen Rückschlägen, begleitet von Überwachung, Repression und staatlicher Gewalt", erläuterte Oskar Dohle, Direktor des Salzburger Landesarchivs und Mitherausgeber. "Salzburg konnte hier aber zumeist nicht eigenständig agieren, sondern gesamtstaatliche, oftmals weltpolitische Ereignisse waren prägend und hatten ihre Auswirkungen bis in den Alltag und die individuellen Lebenswirklichkeiten."

Hintergründe zu einem besseren Verständnis der "Schicksalszeiten" vermitteln

Die Darstellungen einzelner Zeitabschnitte können keine minutiöse Nachzeichnung sämtlicher Aspekte staatlicher Repression in ihrer jeweiligen Ausgestaltung oder eine lückenlose Aufzählung aller davon betroffenen Personen und Gruppen bieten. Dies bleibt künftigen Forschungsleistungen vorbehalten. Das neue Buch hat eine andere Zielrichtung: Es soll auf Grundlage des bereits vorhandenen Wissensstandes und von Fachhistorikern erarbeitet einer breiten, interessierten Öffentlichkeit die Hintergründe zu einem besseren Verständnis der "Schicksalszeiten" auf dem Weg zur modernen Demokratie vermitteln. Es möchte darüber hinaus einen Überblick zum jeweiligen Forschungsstand bieten und damit zu weiteren und vertiefenden Forschungen zu dieser Thematik anregen.

Jeder Beitrag gliedert sich in zwei Abschnitte, wobei der Hauptteil die behandelte Zeit überblicksartig beschreibt. An diesen fügt sich eine Beschreibung des jeweiligen Forschungsstandes und sich daraus ableitender Forschungsdesiderate.

Impulse für weiterführende Forschungen

"Gerade in unserer Gegenwart, in der das Vertrauen in die Demokratie und ihre Problemlösungsfähigkeit vor manche Herausforderung gestellt ist, erscheint es an der Zeit, die Geschichte unseres Bundeslandes einmal bewusst anders zu erzählen – abseits aller Klischees", so Landeshauptmann Haslauer. "Dieses wichtige Buch wird manche historische Fragen beantworten – vielleicht sogar solche, die bisher zu wenig oder gar nicht gestellt wurden, mit den Methoden der Wissenschaft, auch der Geschichtswissenschaft, gegebene Antworten haben immer Vorläufigkeitscharakter. Sie selber sind es, die viele weitere Fragen – und weitere Antworten darauf – auslösen. In diesem Sinne dürfen wir mit großem Interesse die Ergebnisse möglichst zahlreicher weiterführender regionalhistorischer Untersuchungen und Publikationen, für die dieser Band Impulse setzen möchte, erwarten."

Oskar Dohle, Alfred Höck, Franz Wieser (Hrsg.), Salzburg nach 1816. Schicksalszeiten auf dem Weg zur Demokratie (Schriftenreihe des Landes-Medienzentrums, "Sonderpublikationen" Nr. 263, und Schriftenreihe des Salzburger Landesarchivs Nr. 26). Salzburg 2017, 166 Seiten, 18,90 Euro. 170313_20 (kg/grs)

Weitere Informationen: Christian Blaschke, Büro Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Tel.: +43 664 5917126, E-Mail: christian.blaschke@salzburg.gv.at.

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