Junge Heroes kämpfen für Gleichberechtigung

Berthold: Neues Projekt für die Geschlechtergerechtigkeit startet in Salzburg

Salzburger Landeskorrespondenz, 20.04.2017
 

(HP) Im neuen Projekt Heroes – Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre setzen sich junge Männer mit Migrationshintergrund für das gleichberechtigte und gewaltfreie Zusammenleben von Frauen und Männern ein – in den Schulen, auf der Straße, in Clubs und auf Fußballplätzen. In den vergangenen Monaten wurden die ersten Heroes-Gruppenleiter ausgewählt und ausgebildet. Nun wird die Arbeit mit den 15- bis 23-jährigen jungen Männern, den zukünftigen Heroes aufgenommen.

Meist beginnt Burschenarbeit erst dann, wenn männliche Jugendliche auffällig oder gar gewalttätig geworden sind. Das Projekt Heroes hingegen wird schon vorher aktiv. Dieses neue Präventionskonzept stärkt junge Männer und stellt die Gleichstellung von Männern und Frauen in den Mittelpunkt. Die jungen Heroes gehen dieses Thema sehr nachhaltig in ihrem Umfeld an. Das Projekt Heroes geht davon aus, dass jeder einzelne Mensch die Gesellschaft verändern kann und ein gleichberechtigtes Zusammenleben möglich machen kann: in der Familie, in der Schule und im Freundeskreis. Heroes zeigt Alternativen auf, gibt niemals richtig oder falsch vor, sondern überlässt die Entscheidung letztendlich den Jugendlichen.

Heroes wird in Deutschland – vor allem in Berlin - bereits sehr erfolgreich eingesetzt. Junge Männer mit Migrationshintergrund werden ermutigt, Klartext zu reden und auch Tabuthemen anzusprechen. Dazu zählen zum Beispiel traditionelle Geschlechterrollen, persönliche Ängste oder eben auch der gleichberechtigte Umgang zwischen Frauen und Männern.

"Viele junge Männer mit Migrationshintergrund betreten Neuland, wenn sie über ihre Männlichkeit offen reden. Und mehr noch, wenn sie Traditionen ihrer Herkunftskulturen kritisch hinterfragen, wie zum Beispiel die Unterdrückung der Frauen im Namen der Ehre. Um sie gut begleiten zu können, braucht es ein Jugendarbeitskonzept, das präventiv und gleichzeitig stärkend wirkt. Vor allem der klare Schwerpunkt auf die Gleichberechtigung hat mich davon überzeugt, das Heroes-Projekt nach Salzburg zu holen. Hier treten junge Männer aktiv gegen Unterdrückung und Gewalt auf", so Jugend- und Frauen-Landesrätin Martina Berthold über das Projekt.

Im Auftrag des Landes führt akzente Salzburg das Projekt durch: "Wir bietet einen umfangreiche Palette an Beratung und Service für Kinder und Jugendliche. Ein Projekt speziell für junge Burschen mit Migrationshintergrund passt sehr gut in unsere Arbeit und bereichert das gesamte Team im Haus", so Geschäftsführer Alexander Mitter über Heroes.

Heroes stehen für die Rechte der Frauen ein

In den vergangenen Monaten wurden zwei Salzburger Gruppenleiter für Heroes ausgebildet, in deren Herkunftskulturen die Männer das Sagen und Frauen mit Benachteiligungen zu kämpfen haben. Can Simsek wurde in Österreich geborgen, ging aber in der Türkei zur Schule und hat so einen guten Einblick in beide Kulturen. Sein Kollege Mario Tellez Giron Carmona ist gebürtiger Mexikaner und kennt durch seine Arbeit im Jugendgefängnis "Centro Correccional de Menores" die Ängste und Herausforderungen von jungen Männer sowie den lateinamerikanischen "Machismo", der auf der Unterdrückung der Frau und den Überlegenheitsgefühlen des Mannes basiert.

Die beiden Gruppenleiter sind für Jugendliche authentische Rolemodels, die traditionelle Muster durchbrechen. Sie zeigen, dass Männer Heroes sein können und gleichzeitig Frauen als gleichwertige Partnerinnen sehen. "Es ist gar nicht so einfach einen Mann zu finden, der für die Rechte der Frauen kämpfen möchte. Frauenrechte sind jedoch Menschenrechte und die gehen uns alle etwas an. Die jungen Heroes stehen gemeinsam dafür ein", so Projektleiterin Bianca Schartner.

Veränderung braucht Zeit, Geduld und Mut

In wöchentlichen Trainings setzen sich die Heroes-Gruppenleiter gemeinsam mit Jugendlichen mit Themen wie Ehre, Identität, Geschlechterrollen und Menschenrechten intensiv auseinander. Die Jugendlichen erhalten von den Heroes-Gruppenleitern Unterstützung und die Vermittlung von Fachwissen. Anhand von Rollenspielen diskutieren sie Alltagssituationen. Am Ende ihrer fast einjährigen Trainingsphase erhalten die jugendlichen Teilnehmer ein Heroes-Zertifikat.

Verantwortung für Veränderung

Die Jugendlichen besuchen als offizielle Heroes Schulklassen, Ausbildungsstätten oder Jugendzentren. In Workshops arbeiten sie mit gleichaltrigen Mädchen und Jungen an Themen wie Gleichberechtigung, Gewalt, Vorurteilen, Frauen-, Kinder- und Menschenrechten etc. und engagieren sich gegen die Unterdrückung der Frau "Im Namen der Ehre". Die Heroes ermutigen andere Jugendliche, mit ihnen zu diskutieren und ebenfalls gegen Unterdrückung im Namen der Ehre einzutreten. Die Workshops sollen Anstöße geben, Vorurteile abbauen, Alternativen und Vorbilder aufzeigen sowie Selbstverständlichkeiten hinterfragen. "Zentral ist, dass im Projekt nur junge Männer zu Heroes ausgebildet werden, aber vor allem junge Mädchen und Frauen von dieser Arbeit profitieren. Neben den Heroes kommt es auch deren Familien und Freundinnen bzw. Freunden sowie Schulklassen und Jugendgruppen, in denen die Workshops stattfinden, zu Gute", so Teresa Lugstein, Mädchenbeauftragte des Landes Salzburg.

Salzburg holte als erstes Bundesland Heroes nach Österreich

Ein Heroes-Qualitätsmerkmal ist, dass das Projekt von einer Frau geleitet werden muss. Sie tauscht sich laufend mit den Gruppenleitern aus und bereitet mit ihnen die Inhalte auf. Heroes wurde übrigens in Schweden entwickelt und wird seit 2007 in Berlin erfolgreich umgesetzt. Salzburg hat 2016 als erstes Bundesland Heroes nach Österreich geholt. 2017 startet nun auch Graz mit dem Projekt.

Die Gruppe nimmt derzeit noch Jugendliche auf. Wer gerne Heroe werden will, ist herzlich willkommen. Treffpunkt: jeden Dienstag, 17.30 Uhr, in der Glockengasse 4c, 4. Stock (Seminarraum von akzente Salzburg). Infos unter:heroes@akzente.net

Weitere Informationen: Philipp Penetzdorfer, Büro Landesrätin Martina Berthold, Tel.: +43 662 8042-4888, E-Mail: philipp.penetzdorfer@salzburg.gv.at.

 

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