Mehr Vielfalt auf den heimischen Äckern

Rössler/Berthold: Ackerwildkräuter-Projekt im Lungau wird von drei jungen Asylwerbern aus Afghanistan unterstützt

Salzburger Landeskorrespondenz, 19.07.2017
 

(LK) Egal ob Kornblume, Ackerveilchen oder Bunter Hohlzahn – diese und andere Ackerwildkräuter sind in der heimischen Kulturlandschaft nur mehr selten anzutreffen. Das soll sich ändern. "Das Interreg Projekt 'Wild und kultiviert' unter der fachlichen Leitung der Naturschutzabteilung des Landes hat es sich zur Aufgabe gemacht, die regional vorkommenden Ackerwildkräuter zu fördern und unterstützen", so Naturschutzreferentin Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler heute, Mittwoch, 19. Juli. Dabei wird in drei Modellregionen aus den heimischen Beständen Saatgut gewonnen und über Partnerbetriebe vermehrt, um danach regionale Saatgutmischungen herzustellen. Der Lungau ist neben dem Pinzgau und dem Berchtesgadener Land eine dieser drei Regionen. Im Lungau wird das Projekt von drei Asylwerbern aus Afghanistan unterstützt.

 

Sie heißen Akbar, Hussain und Mohammed, sind 20 Jahre alt und wohnen im Asylquartier des Roten Kreuzes in Tamsweg. Die drei Afghanen gehen im MultiAugustinum in St. Margarethen in die Schule. In ihrer Freizeit betreuen sie mit viel Fleiß und Engagement die Wildkräuterkulturen auf dem Biobauernhof Trimminger in Tamsweg-Sauerfeld. Den Sommer über sind sie mindestens einmal pro Woche einen halben Tag lang dort anzutreffen "weil wir helfen wollen, weil es Spaß macht und weil es viel besser ist als nur herumzusitzen", so die drei.

"Das Wildkräuter-Projekt zeigt, wie Integration zu einer Win-Win-Situation wird. Junge Asylwerbende unterstützen unsere Artenvielfalt und werden in das Team dieses tollen Projekts aufgenommen", freut sich Integrationsreferentin Landesrätin Martina Berthold. "Mit dem Projekt gelingt es, Integration zu leben. Unsere Bewohner verbringen ihren Alltag mit den Einheimischen und lernen dabei echte Lungauer Traditionen kennen. So wissen sie inzwischen auch, was ein Eachtling ist", ergänzt Birgit Pircher, Leiterin der Migrationsabteilung des Roten Kreuzes Salzburg.

Sieben seltene Ackerwildkrautarten werden kultiviert

Auf dem Trimmingerhof von Rosalie und Eduard Hötzer stehen rund 700 Quadratmeter für den Anbau und die Zwischenvermehrung von Ackerwildkräutern zur Verfügung. Kultiviert werden hier sieben seltene Ackerwildkrautarten: Kornblume, Ackerveilchen, Bunter Hohlzahn, Sonnwendwolfsmilch, Acker-Ochsenzunge, Erdrauch und der Acker-Spörgel. Die Arten wurden im Herbst 2016 in Reinsaat bzw. mit dem Wintergetreide angebaut.

Geleitet wird das Projekt von der Naturschutzabteilung des Landes unter fachlicher Begleitung der Bayerischen KulturLandStiftung und der Technischen Universität München. Für die Kulturen auf dem Trimmingerhof ist Barbara Hildebrandt, die Schutzgebietsbetreuerin im Lungau, zuständig. Bei der Pflege der Ackerwildkrautkulturen arbeiten die Asylwerber aus Afghanistan tatkräftig mit und helfen auch beim Sammeln von Wildbeständen.

"Das gewonnene Saatgut soll in den kommenden Jahren zur ökologischen Verbesserung artenarmer Äckerflächen verwendet werden. Ackerwildkräuter besitzen eine wichtige Rolle im Ökosystem. Aufgrund ihrer speziellen Eigenschaften eignen sie sich sehr gut, um regionale Besonderheiten der Natur für Wirtschaft und Gesellschaft in Wert zu setzen", erläutert Projektleiter Günter Jaritz von der Naturschutzabteilung des Landes. Das Saatgut wird für Artenschutzmaßnahmen, zum Beispiel für die Förderung der Feldlerchenbestände im Lungau, ausgebracht.

Wild- und Heilkräuter haben auf dem Biobauernhof Trimminger schon Tradition: Rosalie und Eduard Hötzer sind Mitglieder der Arche Lungau und haben sich auf den Anbau von Heilkräutern spezialisiert. Mehr als 150 Kulturkräuter kann man dort im Schaugarten erleben. Rosalie Hötzer ist Leiterin der Lungauer Kräuterinitiative. Wildkräuter sind auf dem Trimmingerhof wertvolle und gerne gesehene Nutzkräuter mit besonderen Eigenschaften. Rosalie Hötzer kennt diese und nutzt sie in der Naturheilkunde.

Ackerwildkräuter sind kein Unkraut

Ackerwildkräuter sind Arten, die sich an die Bewirtschaftungsmethode von Pflug und Ansaat von Kulturpflanzen angepasst haben und als Begleitpflanzen auf Äckern vorkommen. Dabei sind viele Arten nicht ertragsmindernd und damit auch nicht mit Unkraut zu verwechseln. Diese Ackerwildkräuter sind seit dem Beginn der Landwirtschaft ein stetiger Bestandteil unserer Kulturlandschaft und bereichern diese mit bunten Blüten. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und den damit verbundenen Einsatz von Unkrautbekämpfungsmitteln und Kunstdüngern sind Kornblume, Mohn und Ackerfrauenspiegel jedoch selten geworden. Auch der Rückgang des Getreideanbaus zugunsten der Grünlandbewirtschaftung führte dazu, dass die Ackerwildkräuter immer weniger Lebensraum finden. Mit dem Rückgang der Ackerwildkräuter sind auch die von ihnen lebenden Insekten, Vögel und Säugetiere in ihrem Bestand stark gefährdet oder schon verschwunden. 170719_21 (kg/sm)

Weitere Informationen: Stefan Tschandl, Büro LH-Stv. Astrid Rössler, Tel.: +43 662 8042-4801, E-Mail: stefan.tschandl@salzburg.gv.at; Philipp Penetzdorfer, Büro Landesrätin Martina Berthold, Tel.: +43 662 8042-4888, E-Mail: philipp.penetzdorfer@salzburg.gv.at.

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