Therapieentscheidungen auf Top-Niveau

Pathologische Expertise in der molekularen Tumorentstehung ist richtungsweisend im Tumorboard

Salzburger Landeskorrespondenz, 21.08.2017
 

(HP) Das Universitätsinstitut für Pathologie am Uniklinikum Salzburg-LKH ist eine zentrale diagnostische Schnittstelle für das Universitätsklinikum, die Landeskliniken und zahlreiche Krankenhäuser in der Umgebung, aber auch für andere Bundesländer und den angrenzenden Bayern.. Karl Sotlar, ehemals leitender Oberarzt und stellvertretender Institutsdirektor am Pathologischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, ist seit Mai vergangenen Jahres Primararzt und Vorstand des Instituts. Er bringt durch den Ausbau bereits verfügbarer und die Einführung neuer molekularpathologischer Methoden richtungsweisende diagnostische und wissenschaftliche Expertisen für die Tumorboards der verschiedensten onkologischen Erkrankungen mit.

Das Uniklinikum Salzburg ist seit vergangenem Jahr eines der wenigen Zentren für BRCA-Untersuchungen und wird mit Bundesgeldern gefördert. Ein Teil der erblichen Brustkrebs- und Eierstockerkrankungen ist auf Mutationen im BRCA1- bzw. im BRCA2-Gen zurückzuführen, die in allen Zellen des Körpers entsprechend verändert sind, sodass die Feststellung der Trägerschaft auch an Blutzellen erfolgen kann. Je nach Art der Mutation und dem betroffenen Gen steigt ab dem frühen Erwachsenenalter das Risiko von Frauen auf bis zu 80 Prozent Lebenszeitwahrscheinlichkeit für Brustkrebs und bis zu 40 Prozent für Eierstockkrebs an. Bei Trägern von BRCA1- oder BRCA2-Mutationen wird auch die Entstehung von Krebserkrankungen in anderen Organen, wie Prostata, Bauchspeicheldrüse, Magen oder Dickdarm, begünstigt. Bei einem Teil der Krebserkrankungen, der genannten und möglicherweise auch weiteren Organe, können gleichartige Mutationen auch spontan auftreten, ohne dass eine familiäre Belastung vorliegt. Das Wissen um eine BRCA-Mutation, ob familiären Ursprungs oder spontan entstanden, bietet den betroffenen die Möglichkeit einer intensivierten Krebsvorsorge einerseits, aber auch die Möglichkeit, sich die Mutation in Tumorzellen für eine zielgerichtete Therapie zunutze zu machen. Die exakte und validierte molekulargenetische Diagnose, welche am Uniklinikum Salzburg-LKH in der NGS (Next Generation Sequencing) Facility des Universitätsinstituts für Pathologie durchgeführt wird, ist daher von höchster Relevanz für die onkologische Betreuung von Patienten.

Gesundheits- und Spitalsreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl betonte kürzlich bei seinem Besuch des Universitätsinstituts für Pathologie: "Die diagnostische und wissenschaftliche Expertise am Universitätsinstitut für Pathologie ist richtungsweisend für alle Therapieentscheidungen, die in den Tumorboards am Uniklinikum Salzburg getroffen werden. Ich habe mich in Wien bei der Bundesgesundheitskommission intensiv dafür eingesetzt, dass unsere Patientinnen und Patienten nicht den Weg nach Wien oder Graz auf sich nehmen müssen. Gerade für Salzburg, mit einer der größten onkologischen Abteilungen und einem ausgewiesenen Schwerpunkt in Onkologie, ist es sehr wichtig, Therapieentscheidungen auf dem Top-Niveau wissenschaftlicher Erkenntnisse zu treffen und den Patientinnen und Patienten Zugang zu den modernsten diagnostischen und therapeutischen Entwicklungen anbieten zu können."

Am Universitätsinstitut für Pathologie, Uniklinikum Salzurg-LKH, werden unter anderem Gewebeproben, die bei Operationen und Biopsie-Entnahmen gewonnen werden, mittels mikroskopischer, immunhistologischer und modernster molekularpathologischer Methoden von Pathologinnen und Pathologen mit Spezialexpertisen in allen Bereichen der Onkologie untersucht. Die Pathologie nimmt damit eine zentrale Funktion in der interdisziplinären Therapiefindung am Uniklinikum Salzburg und den betreuten Krankenhäusern in der Umgebung ein. In der Prosektur des Instituts werden jährlich rund 360 Obduktionen, auch für auswärtige Krankenhäuser, durchgeführt. Karl Sotlar widmet sich in seiner Forschungstätigkeit unter anderem auch intensiv der Untersuchung von Risikofaktoren für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs durch Infektionen mit Humanen Papillomaviren (HPV) und der Erforschung der Pathogenese bestimmter Formen myeloischer Neoplasien, also Tumorerkrankungen des blutbildenden Systems. Ein weiteres Forschungsinteresse von Sotlar sind Genexpressionstests zur Prognoseabschätzung des (Fern-) Rezidivrisikos beim frühen Brustkrebs. Genexpressionstests erlauben eine verlässlichere Risikoabschätzung, als dies durch die bisherigen Methoden möglich ist. Demnach kann bei Frauen mit einem geringen Risiko nach einer Operation auf eine Chemotherapie verzichtet werden. 170821_23