Notärztliche Versorgung flächendeckend gewährleistet

Stöckl: Für Verbesserungen im Raum Straßwalchen werden drei konkrete Varianten geprüft

Salzburger Landeskorrespondenz, 20.09.2017
 

(LK) Durch die Neuorganisation des Bereitschaftsdienstes durch die Salzburger Ärztekammer und die Salzburger Gebietskrankenkasse musste seit November 2015 in Teilen Salzburgs die notärztliche Versorgung neu strukturiert werden. Dies ist flächendeckend gelungen. Für mögliche Verbesserungen der notärztlichen Versorgung im Raum Straßwalchen werden aktuell drei konkrete Varianten geprüft.

"Betroffen von den Änderungen waren vor allem die peripheren Regionen wie der Oberpinzgau, das Gasteinertal, das Saalachtal oder das Lammertal. In vielen Gesprächen mit der Ärztekammer, der Gebietskrankenkasse und dem Roten Kreuz konnten überall Lösungen gefunden werden, sodass eine flächendeckende notärztliche Versorgung im Bundesland gewährleistet ist und Verbesserungen für die Bevölkerung erreicht werden konnten. Der letzte Lückenschluss erfolgte mit 1. Juni dieses Jahres im Lammertal, wo sich der nächtliche Bereitschaftsdienst für die Sonderkranken-
anstalt Abtenau an der notärztlichen Versorgung beteiligt." Das erklärte heute, Mittwoch, 20. September, Gesundheits- und Spitalsreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl bei einem Informationsgespräch zur notärztlichen Versorgung im Bundesland Salzburg.

Drei konkrete Varianten in Straßwalchen geprüft

"In den vergangenen Wochen wurde in der Öffentlichkeit auch immer wieder die notärztliche Versorgung im Raum Straßwalchen thematisiert. Die Argumente lagen auf der Entfernung dieser Region zur Stadt Salzburg und der stark frequentierten Wiener Bundesstraße B1. Wir haben die Wünsche sehr ernst genommen und in mehreren Gesprächen verschiedene Varianten für eine mögliche Verbesserung der notärztlichen Versorgung im Raum Straßwalchen sowie in den Grenzgebieten zu Oberösterreich überlegt und erarbeitet. Dabei waren das Land Salzburg, die Landtagsabgeordnete Theresia Neuhofer, das Land Oberösterreich, das Rote Kreuz, Ärztinnen und Ärzte sowie Bürgermeister der betroffenen Gemeinden eingebunden. Aktuell werden drei konkrete Varianten geprüft. Eines ist uns aber allen klar: Die Möglichkeiten zur Verbesserung der notfallmedizinischen Erstversorgung stehen und fallen mit einer ausreichenden Anzahl an Ärztinnen und Ärzten, die sich daran beteiligen", so Stöckl.

First-Responder-System

"Im Moment haben sich leider noch nicht genügend Ärztinnen und Ärzte für eine notfallmedizinische Erstversorgung gemeldet. Alle Beteiligten sind aber in intensiven Gesprächen, und sobald sich eine ausreichende Zahl von Ärztinnen und Ärzten gemeldet hat, kann auch im Raum Straßwalchen die notärztliche Versorgung durch ein First-Responder-System aufgerüstet werden. Dass das eine Verbesserung mit sich bringt und funktioniert, zeigt das Modell Saalachtal, wo wir ebenfalls auf First-Responder-Ärzte setzen. Im Saalachtal übernimmt ein Pool an niedergelassenen praktischen Ärzten diese ärztliche First-Responder-Tätigkeit. Wird ein Notfall aus der Region gemeldet, rückt der Bereitschaftsdienst habende Mediziner als mobiler Ersthelfer aus", erläuterte Stöckl.

Bereitschaftsdienst durch Mediziner aus benachbarten Regionen

Vorstellbar ist auch ein Mixmodell aus dem Saalachtaler Modell und zusätzlichen Honorarärzten aus anderen Regionen des Landes oder aus dem benachbarten Oberösterreich, die ihren Dienst an der Rot-Kreuz-Dienststelle Straßwalchen versehen sollen. "In diesem Fall wäre das Rote Kreuz Salzburg bereit, am Rot-Kreuz-Stützpunkt in Straßwalchen ein entsprechendes Dienstzimmer zur Verfügung zu stellen. Am Rot-Kreuz-Stützpunkt in Straßwalchen ist es durchaus möglich, ein Dienstzimmer zu integrieren. Das heißt, wenn sich vor Ort nicht genügend niedergelassene Ärztinnen oder Ärzte finden, die sich an der notfallmedizinischen Erstversorgung beteiligen, können auch Ärztinnen und Ärzte aus anderen Regionen des Landes oder aus dem benachbarten Oberösterreich Bereitschaftsdienst im Flachgau versehen. Und für diesen Fall würden wir ein Zimmer bereitstellen", so Landesrettungskommandant Anton Holzer.

Notärztlichen Versorgung durch Notfallsanitäter

Die Möglichkeit einer Verbesserung der notärztlichen Versorgung durch Notfallsanitäter kann sich der Neumarkter Bürgermeister Adi Rieger vorstellen: "Zuerst muss einmal gesagt werden, dass unsere niedergelassenen Ärzte und das Rote Kreuz jeden Tag hervorragende Arbeit leisten. Laut Aussage unserer niedergelassenen Ärzte und dem Roten Kreuz besteht für unsere Gemeinden in Salzburg kein akuter Handlungsbedarf im Hinblick auf die qualitative und quantitative ärztliche Versorgung. Durch die Neuorganisation des Bereitschafts-
dienstes geht es uns Bürgermeister jedoch darum, die notärztliche Versorgung insbesondere in der Nacht zu optimieren. Und aufgrund der Unterversorgung der angrenzenden Regionen in Oberösterreich haben sich die betroffenen Bürger-
meister beider Bundesländer für die Errichtung eines Notarztstützpunktes im Neubau der Rot-Kreuz-Dienststelle Straßwalchen ausgesprochen – natürlich auch zum Vorteil der Gemeinden auf Salzburger Seite. Eine Umsetzung dieses Wunsches kann und soll jedoch nur im Einvernehmen beider Länder erfolgen. Um die notärztliche Versorgung im Raum Straßwalchen zu optimieren, schlage ich in einem ersten Schritt und als zusätzliche Maßnahme vor, Notfallsanitäter rund um die Uhr neben den ehrenamtlichen Rettungssanitätern einzusetzen. Die Ausbildung zum Notfallsanitäter erfolgt aufbauend zur Ausbildung zum Rettungssanitäter. Die Ausbildung zum Notfallsanitäter ist wesentlich intensiver und aufwendiger. Vor allem in Notfallsituationen kommt es auf die schnelle und erfahrene Hilfe an. Das spricht für den Einsatz zusätzlicher Notfallsanitäter. Und oft sind die Sanitäter vor dem Notarzt vor Ort."

Für die Straßwalchener Landtagsabgeordnete Theresia Neuhofer hat die Problematik der notärztlichen Versorgung mit der im Herbst 2015 in Kraft getretenen Neuorganisation des Bereitschaftsdienstes begonnen. "Das neue System ist nicht auf alle Regionen des Landes gleich anwendbar und hat besonders die abgelegenen Regionen des Landes vor Probleme gestellt. Dazu zählt aus meiner Sicht und bezogen darauf, dass die notärztliche Versorgung von der Landeshauptstadt aus erfolgt, auch der Raum Straßwalchen. Aufgrund dieser Entfernung gibt es in Teilen der Bevölkerung in der Nacht wegen der Tatsache, dass der Rettungshubschrauber nicht fliegen kann, ein Unsicherheitsgefühl. Als Abgeordnete aus der betroffenen Region möchte ich klar festhalten, dass ein System nicht von heute auf morgen auf neue Beine gestellt werden kann. Dafür sind viele Gespräche und Verhandlungen notwendig, und es sind die verschiedenen Möglichkeiten und deren Umsetzbarkeit zu prüfen. Dabei bringe ich mich auch persönlich ein und stehe diesbezüglich laufend in Kontakt mit den Bürgermeistern der Region. Besondere Situationen brauchen besondere Lösungen. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch im Raum Straßwalchen Verbesserungen in der notfallmedizinischen Versorgung während der Nachtstunden erreichen können", so Neuhofer.

In den kommenden Wochen werden die verschiedenen Varianten dezidiert für den Raum Straßwalchen auf ihre Umsetzbarkeit geprüft. 170920_30 (rb/jus)

Weitere Informationen: Harald Haidenberger, Büro LH-Stv. Christian Stöckl, Tel.: +43 662 8042-3311, E-Mail: harald.haidenberger@salzburg.gv.at.

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