Soziale Herausforderung Demenz

Berthold bei Auftaktveranstaltung: Bewusstsein der Bevölkerung zum Thema Demenz schärfen

Salzburger Landeskorrespondenz, 12.10.2017
 

(LK) Fünf "Demenzkoffer", in jedem Bezirk einer, werden von Oktober 2017 bis Juni 2018 durch die Öffentlichen Bibliotheken reisen. Sie sind gefüllt mit mehr als 60 Medien wie Kinderbücher, Jugendbücher, Romane/Erfahrungsberichte und Ratgeber zum Thema "Demenz".

Bei der Startveranstaltung heute, Donnerstag, 12. Oktober, in der Öffentlichen Bibliothek Hof-Koppl stellte Landesrätin Martina Berthold die Aktion "Ein Demenzkoffer geht auf Bibliotheksreise" gemeinsam mit dem Hofer Bürgermeister Thomas Ließ, Caritas-Direktor Johannes Dines, Monika Aistleitner vom Bibliothekarsverband Salzburg und Hermine Neumaier (Leiterin der Bibliothek Hof-Koppl) vor.

Demenzerkrankungen nehmen zu und werden zu einer gesamtgesellschaftlichen Herausforderung. Auch Öffentliche Bibliotheken sind als Bildungsnahversorgerinnen hier gefordert. Herzstück der neuen Aktion sind umfangreiche Materialien. Diese werden im sogenannten Demenzkoffer gesammelt.

"Mit der Aktion wollen wir das Bewusstsein der Bevölkerung zum Thema Demenz schärfen. Ich lade alle Salzburgerinnen und Salzburger ein, einen Blick in den Demenzkoffer zu werfen. Seine umfangreiche Literatursammlung lässt uns intensiv in dieses wichtige Thema eintauchen", unterstrich Berthold, zuständig für Generationen und Öffentliche Bibliotheken in Salzburg.

"Aus Erfahrungen in unseren Projekten wissen wir, wie herausfordernd das Leben mit Demenz für Betroffene, aber auch für ihre Angehörigen ist. Daher liegt uns seit Jahren die Aufklärung über diese Krankheit und die Schaffung demenzfreundlicher Lebensräume sehr am Herzen. In unserem Projekt demenzfreundliches Zillertal, wurde die Idee der 1-Meter Bücher Demenz geboren, die wir als Caritas an den Bibliothekarsverband Salzburg weitergetragen haben. Wir freuen uns sehr, dass daraus dieses hervorragende Projekt des Demenzkoffers auf Bibliotheksreise entstanden ist", so Caritas-Direktor Johannes Dines.

Robert Luckmann (Stabstelle Öffentliche Bibliotheken Land Salzburg) führte bei der Veranstaltung in der Bibliothek Hof-Koppl mit Werner Geiger ein sehr persönliches Gespräch über dessen an Morbus Alzheimer erkrankten Vater. Wie haben sich die zum Krankheitsbild gehörenden Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen, Störungen des Denk- und Urteilsvermögens sowie Veränderungen der Persönlichkeit bemerkbar gemacht und wie ist die Familie damit umgegangen. Werner Geiger ist der Bruder von Arno Geiger, der über den gemeinsamen Vater das berühmte und sehr berührende Buch "Der alte König in seinem Exil" geschrieben hat. Luckmann bestätigte bei dem Gespräch aus eigener Erfahrung, wie tröstlich und hilfreich Bücher dieser Art für Angehörige von an Demenz Erkrankten sein können.

Bewusstseinsbildung zum Thema Demenz

Begleitend zum Demenzkoffer gibt es Veranstaltungen des Salzburger Bildungswerks, die mithelfen, Angst zu verringern, Mut zu machen und Perspektiven zu eröffnen. In jeder teilnehmenden Öffentlichen Bibliothek gibt es zudem fünf Standardwerke zum Thema, die vom Land Salzburg kostenlos zur Verfügung gestellt werden. In eigens organisierten Seminaren können sich die Bibliothekarinnen und Bibliothekare zum Thema "Demenz" weiterbilden.

"Öffentliche Bibliotheken und ihre Kooperationspartner leisten mit dem Projekt einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung rund um das Thema 'Demenz'. Einerseits erhalten Angehörige von Menschen mit Demenzerkrankungen einen Zugang zu unterstützender Literatur. Andererseits tragen die öffentlichen Veranstaltungen dazu bei, dieses Thema aus dem 'Tabu-Eck' in die Mitte unserer Gesellschaft zu holen", so Berthold.

"Öffentliche Bibliotheken verstehen sich als Dienstleister für alle Menschen einer Gemeinde. Wir Bibliothekare und Bibliothekarinnen wollen das Thema Demenz ein Stück aus dem Tabu-Eck holen, diese Erkrankung für Interessierte greifbarer und verständlicher machen und somit das Leben von Betroffenen und deren Angehörigen ein kleines Bisschen erleichtern", ist Monika Aistleitner, Leiterin Bibliothekarsverband Salzburg, überzeugt.

Herausforderung für Angehörige

Die Krankheit Demenz ist eine große Herausforderung für Betroffene und Angehörige. Der zunehmende Verlust der geistigen Fähigkeiten stellt die ganze Familie vor neue Aufgaben. Aktuell sind 130.000 Frauen und Männer in Österreich an einer der unterschiedlichen Formen von Demenz erkrankt. Von dieser chronischen, fortschreitenden Gehirnerkrankung sind überwiegend Personen ab dem 65. Lebensjahr betroffen.

Zusammenarbeit für mehr Verständnis

Kooperationspartner der Aktion sind die Öffentlichen Bibliotheken, der Bibliothekarsverband Salzburg, das Salzburger Bildungswerk, die Caritas Salzburg, das Referat für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und das Land Salzburg. 171012_10 (ram/sm)

Weitere Informationen: Philipp Penetzdorfer, Büro Landesrätin Martina Berthold, Tel.: +43 662 8042-4888, E-Mail: philipp.penetzdorfer@salzburg.gv.at.

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