Aktuelle Stunde zum Thema Zukunft der Pflege

Landtag diskutiert morgen, Mittwoch, in der Plenarsitzung über das Thema "Die Zukunft der Pflege – Chancen und Herausforderungen"

Salzburger Landeskorrespondenz, 19.12.2017
 

(LK) "Die Zukunft der Pflege – Chancen und Herausforderungen" lautet das von der ÖVP eingebrachte Thema der aktuellen Stunde bei der Plenarsitzung des Salzburger Landtags morgen, Mittwoch, 20. Dezember.

 

Die im Landtag vertretenen Fraktionen ÖVP, SPÖ, Grüne, FPS und FWS (Freie Wähler Salzburg) übermittelten dazu folgende Statements:

Gutschi: Optimale Pflege und Betreuung älterer Mitmenschen auch künftig absichern

"Die Themen Pflege und Betreuung sind vor allem aufgrund der demographischen Entwicklung zentrale Zukunftsthemen und wie kaum ein anderer Politikbereich von einer enormen Dynamik und Entwicklung betroffen. Wir sind gefordert, jetzt die richtigen Schritte zu setzen, um das hervorragende System auch künftig abzusichern. Dazu zählen die Bereitstellung von genügend Ausbildungsplätzen, eine bessere Unterstützung für pflegende Angehörige und eine Offensive für den Pflegeberuf. Gesundheitsreferent Christian Stöckl hat in seinem Zuständigkeitsbereich erste wichtige Schritte gesetzt, wenn ich beispielsweise an zusätzliche Ausbildungsplätze für Pflegerinnen und Pfleger im Krankenanstalten-Bereich denke. Das brauchen wir auch im Bereich der Langzeitpflege, in Seniorenheimen und bei mobilen Diensten", forderte ÖVP-Klubobfrau Daniela Gutschi anlässlich der aktuellen Stunde im morgigen Landtag.

Steidl: 900 ausgebildete Pflegekräfte werden fehlen

"Wir wissen seit der Veröffentlichung einer groß angelegten Pflegepersonalprognose aus dem Jahr 2013, dass bis 2020 in Salzburg circa 900 ausgebildete Pflegekräfte fehlen werden. 600 davon im Gesundheits- bzw. Krankenhausbereich und 300 in den Pflegeeinrichtungen für Ältere. Leider kann ich bislang nach wie vor keine ernsthaften Bemühungen der Landesregierung und der dafür zuständigen Landesräte Christian Stöckl und Heinrich Schellhorn erkennen, wie ÖVP und Grüne diese Herausforderungen meistern wollen. Ich fordere die Landesregierung auf, endlich Lösungsvorschläge zu präsentieren", so SPÖ-Klubobmann Walter Steidl.

Humer-Vogl: Herausforderung Pflege vorausschauend angehen

"Die Pflege von älteren Menschen ist eine unserer größten gesellschaftlichen Herausforderungen und stellt mit derzeit 150 Millionen Euro den größten Budgetposten im Sozialbudget dar. In Salzburg wollen wir einen Weg des Miteinanders gehen und diese Herausforderung im Sinne der Menschen aktiv und vorausschauend angehen", betonte die Grüne Seniorinnen- und Seniorensprecherin LAbg. Kimbie Humer-Vogl. Das bedeutet vor allem, auf die individuellen Wünsche der Betroffenen einzugehen: Auf den Wunsch vieler älterer Menschen und ihrer Angehöriger, auch in ihren älteren Jahren so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können, hat das Land etwa mit einem starken Ausbau der mobilen Betreuung, der Tageszentren und der Kurzzeitpflege reagiert. "Wir Grünen setzen uns außerdem stark für das Hausgemeinschaftsmodell ein, bei dem Seniorinnen und Senioren in kleinen Wohneinheiten selbstständig leben können und genau die Betreuung und Pflege bekommen können, die sie brauchen", so Humer-Vogl. Erste Projekte wie das Haus St. Cyriak in Pfarrwerfen seien bereits vorbildlich realisiert worden.

Schnell: Pflegenotstand war seit Jahrzehnten vorhersehbar

"Der Pflegenotstand für ältere und kranke Menschen in Österreich war seit Jahrzehnten vorhersehbar. Es werden immer mehr sehr betagte Personen operiert und aufgrund des hohen Standards der Medizin nach aufwendigen Operationen nach Hause entlassen, wobei zu Hause der Pflegenotstand auf sie wartet. Aufwendige und hochwertige Operationen helfen nichts, wenn danach die entsprechende Pflege nicht gewährleistet werden kann. Multimorbide Patienten benötigen oft mehr als zehn Medikamente täglich, wobei die genaue Einnahme und Verabreichung der Dosis wichtig ist. Auch das ist bei vielen Menschen aufgrund ihrer natürlichen körperlichen Einschränkung nicht mehr selbstständig möglich. Eine hervorragende Medizin ist nur dann wirksam, wenn die darauffolgende Pflege gewährleistet werden kann", so FPS-Klubobmann Karl Schnell.

Naderer: Menschenrechtswidrige Umstände beseitigen

"Die Volksanwaltschaft und der ehemalige Rechnungshofdirektor Moser kritisierten in diesem Jahr mehrmals wörtlich 'menschrechtswidrige Missstände in Pflegeheimen'. Trotzdem passiert nichts! Daher sehe ich mehr Herausforderungen, als Chancen. Die Republik gibt jährlich knapp drei Milliarden Euro für die Pflege aus, jedoch gibt es keine Kontrolle und keine einheitlichen Mindeststandards. Weder beim Bau von Pflegeheimen, noch bei der Pflege selbst. Das Land Salzburg darf in Zukunft keine 'Seniorenheim-Silos' mit 50, ja sogar über 100 Bewohnern mehr fördern. Die Förderzusagen müssen sich hier nach Leopold Kohr 'small is beautiful' richten. Den Pflegerinnen muss wieder mehr Zeit für die persönliche Ansprache der Senioren zugestanden werden. Politiker sollten sich nicht so sehr für modernste Luxusgefängnisse einsetzen, sondern vielmehr für eine menschengerechte Pflege. Denn auch ins Altersheim könnten sie kommen!", so FWS-Klubobmann Helmut Naderer.

29 Berichte der Ausschüsse stehen auf der Tagesordnung

Die Plenarsitzung des Landtags beginnt morgen um 9.00 Uhr. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Angelobung eines Mitgliedes des Landtages. Sabine Klausner wird Othmar Schneglberger in der SPÖ-Fraktion ablösen. Weiters stehen ein Bericht der Landesregierung sowie Berichte des Rechnungshofes, des Landesrechnungshofes und der Volksanwaltschaft auf der Tagesordnung. Anschließend folgt die aktuelle Stunde. Danach werden in der Fragestunde 10 mündliche Anfragen und eine dringliche Anfrage beantwortet. Weiters stehen 29 Berichte der Ausschüsse, die Beantwortung 21 schriftlicher Anfragen sowie einer dringlichen Anfrage der Abgeordneten auf der Tagesordnung. Die Haussitzung wird um 14.00 Uhr für Ausschussberatungen unterbrochen.

Die Tagesordnungen der Haussitzung und der Ausschussberatungen stehen auf der Landes-Webseite unter www.salzburg.gv.at/landtag zur Verfügung. Die Ausschussberatungen werden in Wort und Bild in den Plenarsaal des Salzburger Landtags, der öffentlich zugänglich ist, übertragen. Die Sitzungen des Plenums des Salzburger Landtags sowie der Ausschüsse können live im Internet mitverfolgt werden. Auch auf Facebook und auf Twitter können sich Interessierte über die aktuellen Sitzungen, Themen und Schwerpunkte informieren. 171219_ 15 (ram/sm)

Weitere Informationen: Franz Wieser, Pressesprecher Land Salzburg, Landes-Medienzentrum, Tel.: +43 662 8042-2365, Redaktionshandy: +43 664 3943735.

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