Salzburger Modell der integrierten psychiatrischen Versorgung wird ab Jänner umgesetzt

Stöckl/Schellhorn: Patienten haben nun die Möglichkeit, auch zuhause behandelt zu werden / Österreichweit einzigartiges Modell

Salzburger Landeskorrespondenz, 27.12.2017
 

(LK) Das Land Salzburg und die Salzburger Gebietskrankenkasse gehen bei der psychiatrischen Versorgung neue Wege: Mit einem "Salzburger Modell" zur integrierten Versorgung, das von einer Gruppe von Expertinnen und Experten ausgearbeitet wurde, wird nun im Bundesland Salzburg ein Pilotprojekt zur sektorenübergreifenden integrierten Versorgung von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen umgesetzt. Damit nimmt Salzburg österreichweit eine Vorreiterrolle ein. Die Finanzierung dieses Pilotprojektes wird durch das Land Salzburg und die Salzburger Gebietskrankenkasse sichergestellt.

     Zwei Stützpunkte eingerichtet

"Wir werden ab Jahresbeginn 2018 an zwei Standorten ein integratives Behandlungsnetzwerk etablieren. Dort werden spezielle Teams eine wohnortnahe Betreuung für die Patientinnen und Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen anbieten. Im Zentralraum wird dieser Stützpunkt in der Christian-Doppler-Klinik in der Landeshauptstadt eingerichtet, für die südlichen Bezirke unseres Landes im Kardinal Schwarzenberg Klinikum in Schwarzach. Multiprofessionelle Teams aus Fachärztinnen und -ärzten, Psychotherapeutinnen und -therapeuten, klinischen Psychologinnen und Psychologen, Pflegekräften und Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern gehen gezielt und maßgeschneidert auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten ein, einschließlich nachgehender Betreuung der Patientinnen und Patienten in ihrem Lebensumfeld. Mit diesem neuen Versorgungsmodell können stationäre Aufnahmen reduziert, die Aufenthaltsdauer verkürzt und Behandlungsabbrüche vermieden werden. Dadurch wird die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten wesentlich erhöht", sagte dazu heute Gesundheits- und Spitalsreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl.

Schwerpunktzielgruppe sind Menschen mit schweren, insbesondere chronischen psychischen Erkrankungen, die eine komplexe Behandlung benötigen, die stationäre Behandlungen häufig in Anspruch nehmen und für das bestehende psychosoziale Angebot wenig bis gar nicht erreichbar sind. Im Vollausbau des "Salzburger Modells" sollen pro Team 100 Patientinnen und Patienten versorgt werden. Die Umsetzung erfolgt stufenweise, wobei nach drei Jahren der Endausbau erreicht werden soll. Die Kosten für das Projekt zur psychiatrischen Versorgung belaufen sich im kommenden Jahr auf 400.000 Euro, im Vollausbau im Jahr 2020 sind 800.000 Euro eingeplant.

     Möglichkeit, zuhause behandelt zu werden

"Es war mir ein großes Anliegen, mit dem 'Salzburger Modell' einen neuen Weg zu gehen. Das 'Salzburger Modell' der flexiblen Behandlung von psychisch schwer erkrankten Menschen ist österreichweit einzigartig und gilt im internationalen Vergleich als Vorzeigeprojekt. Patientinnen und Patienten bekommen nun die Möglichkeit, auch zuhause behandelt zu werden. Aufgrund ihrer Erkrankungen sind sie häufig nicht in der Lage, sich selber aktiv um Termine oder Behandlungen zu kümmern. Wir möchten verhindern, dass sie zuhause allein gelassen werden. Sie bekommen jetzt eine intensive Unterstützung - durch ein immer gleichbesetztes multiprofessionelles Team. Mit diesem Angebot können wir 100 Personen ein stabileres Leben mit der Krankheit ermöglichen", so Soziallandesrat Heinrich Schellhorn.

"Psychisch schwer kranke Menschen müssen häufig kurze Zeit nach der Entlassung aus dem Spital wieder in die Klinik aufgenommen werden, weil eine Stabilisierung draußen nicht gelungen ist. Dieses Phänomen wird mit dem Begriff 'Drehtür-Patienten' beschrieben. Ziel unserer integrierten psychiatrischen Versorgung ist es deshalb, die Betroffenen zuhause so gut zu betreuen, dass sie nicht laufend zurück ins Spital müssen. Die Betroffenen sollen die Möglichkeit haben, ihr Leben außerhalb der Klinik in einem häuslichen Umfeld führen zu können. Wir sind stolz, dass wir in Salzburg damit Vorreiter in Österreich sind", erklärt SGKK-Obmann Andreas Huss.

"Mit der Eröffnung des psychosozialen Versorgungs- und Beratungszentrums für Kinder und Jugendliche in der Stadt Salzburg bzw. der Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher in den südlichen Bezirken, dem Ausbau der psychiatrischen Versorgung im Kardinal Schwarzenberg-Klinikum, dem begonnen Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Christian-Doppler-Klinik und der jetzigen Umsetzung des 'Salzburger Modells' der integrierten Versorgung haben wir im laufenden Jahr wichtige Meilensteine zur Verbesserung der psychiatrischen Versorgung der Menschen im gesamten Land gesetzt", so Stöckl. 171227_30 (jus/kg)

Weitere Informationen: Harald Haidenberger, Büro LH-Stv. Christian Stöckl, Tel.: +43 662 8042-3311, E-Mail: harald.haidenberger@salzburg.gv.at; Johanna Jenner, Büro Landesrat Heinrich Schellhorn, Tel.: +43 662 8042-4841, E-Mail: johanna.jenner@salzburg.gv.at.

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