Keine Spur von Politikverdrossenheit

Rathaus platzt förmlich aus den Nähten / Rund 50 Jugendliche debattieren beim Schülerparlament

Salzburger Landeskorrespondenz, 23.05.2018
 

(LK)  Da ein Lachen, dort ein Händeschütteln. Manchmal auch eine Umarmung. Immer mehr junge Mädchen und Burschen kommen herein und begrüßen einander, der Sitzungssaal im Salzburger Rathaus füllt sich. Und platzt fast schon aus den Nähten: Schülerparlament ist heute angesagt. Und das ist kein Minderheitenprogramm.

Rund 50 Schulsprecher und Stellvertreter von AHS, BMHS und Berufsschulen sind der Einladung der Landesschülervertretung zum Schülerparlament (SIP) gefolgt. Sie wollen als Delegierte die Chance nützen, Demokratie aktiv mitzugestalten, Anträge einzubringen und gemeinsam im Plenum über die selber erarbeiteten Initiativen abstimmen. Bei einer Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern aller Landtagsparteien können außerdem aktuelle Themen erörtert werden.

"Das ist ein guter Rahmen, in dem wir Schüler Vorstufen der Politik erleben dürfen. Wir können auf diese Weise mitbestimmen, wie unsere Zukunft aussieht", beschreibt Amelie Schöchl, Schulsprecherin am Akademischen Gymnasium, ihre Motivation mitzumachen. Und Klara Brandis, stellvertretende Schulsprecherin am Sport- und Musik-RG, ergänzt: "Der Austausch ist cool. Es ist einfach interessant zu sehen, welche Probleme in anderen Schulen anstehen und was andere Schüler auf dem Herzen haben." Für Muabi Kayobe, Schulsprecher am BG Nonntal, geht es wiederum darum, die Salzburger Schulpolitik aktiv mitzugestalten. Daher hat er, wie auch seine beiden Kolleginnen, einen Antrag mit im Gepäck.

Elf Anträge auf der Tagesordnung

Das Stimmengewirr erlischt, als Maximilian Aichinger von der Landesschülervertretung als Vorsitzender die Sitzung eröffnet. Er ist gemeinsam mit Manuel Carli federführend für die Organisation zuständig. Der Borromäumsschüler, der mitten in der Matura steckt, ist schon ein Routinier, es ist sein sechstes Schülerparlament. Gekonnt führt er durch die Tagesordnung. Als erstes haben die Jugendlichen die Änderung der Geschäftsordnung des Salzburger Schülerparlaments zu beschließen. Anpassungen sind notwendig. Dann kommen die Anträge zu Themen, die unter den Nägeln brennen. Zehn sind es heute.

Politische Bildung als eigenes Unterrichtsfach

Redegewandt bringt Lorenz Knoll von der BHAK/BHAS Zell am See den ersten Antrag ein. Seine Vision: "Ein eigener Unterrichtsgegenstand Politische Bildung." Zustimmendes Klopfen auf die Tische lässt schon erahnen, dass seine Forderung auf große Begeisterung stößt. Einige Schüler ergreifen dazu das Wort, bringen Erweiterungs- und Abänderungsanträge ein. Nach rund 15minütiger Diskussion spricht sich die große Mehrheit der Schüler dafür aus. Die Abstimmung hat einwandfrei geklappt. Das politische Handwerkszeug haben die jungen Mädchen und Burschen schon ziemlich gut drauf.

Öffentlicher Verkehr brennt unter den Nägeln

Eine längere Diskussion entspannt sich beim zweiten Antrag, den Amelie Schöchl einbringt. Sie will eine Bundesländer übergreifende, personalisierte Schülerkarte für den öffentlichen Verkehr. An der Zahl der Wortmeldungen – es sind weit mehr als 20 – sieht man, wie sehr das Thema die jungen Menschen betrifft. Besonders viele, die aus anderen Bundesländern und auch aus Bayern in Salzburger Schulen pendeln, gehen zum Rednerpult. Sie haben derzeit hohe Kosten und einen großen organisatorischen Aufwand für die öffentlichen Fahrten zu stemmen. Eine ganze Stunde wird konzentriert und mit Enthusiasmus diskutiert, Ideen werden eingebracht und teilweise auch wieder verworfen. Letztendlich wird der Antrag, ergänzt mit weiteren Forderungen anderer junger Delegierter, mit großer Mehrheit angenommen.

Weitere Anträge auf der heutigen Tagesordnung betreffen unter anderem die Digitalisierung in den Schulen, die transparente Leistungsbeurteilung anhand eines Lernziels oder Kompetenzkatalogs, verpflichtende Ersthelfer an jeder Schule, "Digital Natives – Wie steht es um unsere Lehrerinnen und Lehrer?" und mehr praxisnahen Unterricht an den Schulen.

Man kann etwas verändern

"Mit den Schülerparlamenten kann man etwas verändern", weist Vorsitzender Maximilian Aichinger auf bereits sichtbare Erfolge hin. So wurde erst kürzlich im Nationalrat die gesetzliche Verankerung der Schülerparlamente auf Bundesebene beschlossen. In Salzburg gibt es auf Initiative der jungen Parlamentarier seit rund eineinhalb Jahren einen neuen Modus, wie mit den Ergebnissen des jeweiligen Schülerparlaments umgegangen wird. Die Landesschülervertretung nominiert die drei bis vier aussichtsreichen positiv abgestimmten Anträge. Diese werden bei einem Runden Tisch mit den Bildungs- und Jugendsprechern der Landtagsfraktionen diskutiert. Gemeinsam werden politische Umsetzungsmöglichkeiten gesucht.

Runder Tisch soll bleiben

"Die Anträge dürfen nicht in der Schublade verschwinden", davon ist auch Landtagspräsident Josef Schöchl überzeugt. Er sicherte heute den Jugendlichen zu, sich dafür einzusetzen, dass bereits im Rahmen der ersten Ausschusssitzung des neu konstituierten Landtags die priorisierten Anliegen aus dem Schülerparlament behandelt werden sollen. Außerdem hob er hervor, dass es gerade im Gedenk- und Erinnerungsjahr 2018 besonders wichtig sei, demokratiepolitische Prozesse zu erlernen und umzusetzen. "Die Schülerparlamente sind hierfür eine ausgezeichnete Gelegenheit." REP_180523_40 (sab/grs)

Rückfragen: Josef Hörmandinger, Büro Landtagspräsident Schöchl, Tel. +43 662 8042-2609, E-Mail: josef.hoermandinger@salzburg.gv.at.

Redaktion: Landes-Medienzentrum.

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