"Vermittler zwischen den Welten"

Der Wolfsbauftragte des Landes Salzburg im Interview / Hubert Stock ├╝ber seine Aufgaben und Ziele

Salzburger Landeskorrespondenz, 23.05.2018
 

(HP)  Hubert Stock aus Werfen-Tenneck ist Schafbauer, Berufsjäger und Historiker. Landesrat Josef Schwaiger hat den 55-Jährigen als Bindeglied zwischen Politik, Verwaltung, betroffenen Landwirten und dem vom Land Salzburg einberufenen Gremium aus den verschiedenen Interessengruppen installiert. Das Landes-Medienzentrum (LMZ) sprach mit dem engagierten Pongauer auf seinem Hof über die Rückkehr des Wolfes, einen alternativlosen Almsommer, mögliche Frühwarnsysteme und wie er tiefe Gräben nach den häufigen Wolfsattacken heuer überwinden möchte.

LMZ: Wo sehen Sie Ihre Aufgaben als Wolfsbeauftragter?

Hubert Stock: Das Wichtigste ist die Koordination der beiden Pole, die da entstanden sind. Auch Landesrat Josef Schwaiger hat gesagt: "Es gibt nur mehr Schwarz und Weiß, nichts mehr dazwischen." Da möchte ich vermitteln, denn keine Seite hat zu 100 Prozent Recht. Wir müssen miteinander vernünftige Lösungen finden, die für beide Seiten tragbar sind.

LMZ: Klingt nach schwierigen Kompromissen …

Stock: Weder die Wolfsbefürworter werden zu 100 Prozent ihre Interessen durchsetzen können, denn wenn es einen Problemwolf gibt, wird er entnommen werden müssen. Und auch die Bäuerinnen und Bauern werden nicht zu 100 Prozent Recht bekommen, weil es naiv ist zu glauben, der Wolf kommt nicht, wir halten den Alpenraum frei von Wölfen. Er wird kommen, denn rund um uns herum in den Nachbarländern gibt es schon zahlreiche Rudel. Völlig utopisch zu glauben, dass sie nicht zu uns kommen. Daher müssen wir vorbereitet sein.

LMZ: Was fehlt, um gut vorbereitet zu sein?

Stock: Derzeit noch eine Stelle, wohin man sich als betroffener Landwirt wenden kann. Die Bauernkammern haben genug Arbeit, die können nicht alles machen. Aber da sind wir dran, so eine Stelle zu installieren. Auch mit den Entschädigungen und so weiter werden wir uns im Gremium der verschiedenen Interessenvertretungen beschäftigen müssen. Und wir müssen genaue Kriterien festlegen, wann ist ein Wolf ein Problemwolf und wie ist die Vorgehensweise. Ich hätte auch gerne eine Art Frühwarnsystem.

LMZ: Wie soll das aussehen?

Stock: Da müssen wir bundesweit denken. Wenn sich die Wanderroute eines Wolfes abzeichnet, könnten uns die Steirer oder Tiroler warnen – und umgekehrt. Dann können wir die Schutzmaßnahmen erhöhen.

LMZ: Aber wie kann man die Herdentiere schützen?

Stock: Das kann niemand pauschal sagen. Jeder Einzelfall muss individuell beraten werden, je nach Hof und Betrieb. Auch die Landwirte selber reagieren unterschiedlich, die einen sehr emotional, die anderen gelassen. Auch ich selber hätte mehr tun können. Aber nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch in der Praxis umsetzbar.

LMZ: Warum ist das nicht möglich?

Stock: Man kann alles technisch machen, aber der Bauer muss auch die Kosten tragen, der Zeitaufwand steigt. Wir haben 70 Prozent Nebenerwerbslandwirte, das heißt, die Frage lautet: Kann der Betrieb Schutzmaßnahmen finanziell und zeitlich umsetzen. Logistisch ist es teilweise ein enormer Aufwand. Ich befürchte einfach, dass es womöglich ein letztes "i-Tüpfelchen" wäre, das so manchen Landwirt aufgeben lässt.

LMZ: Wie haben Sie als Betroffener eigentlich reagiert? Ihre Schafherde wurde heuer ja von einem Wolf attackiert, wie ein DNA-Test bestätigt hat.

Stock: Zuerst sehr emotional, dann rational. Eine Nacht waren die Schafe im Stall, aber das ist keine Dauerlösung. Ich habe damit gerechnet, dass der Wolf wieder weiter zieht.

LMZ: Jetzt kommt die Zeit, wenn auf die Almen aufgetrieben wird. Verstehen Sie in dieser Hinsicht die Sorgen der Almbauern?

Stock: Ich verstehe jeden, der zögert. Aber wir sind alternativlos. Was soll man mit den Tieren machen? Man sagt so leicht, dass man wegen des Wolfes nicht auftreibt, aber wenn am Heimbetrieb die Weiden zu klein sind, was soll man machen? Eine Lösung aus dem Ärmel schütteln, das wird nicht gehen. Lösungen, die bei uns in den Bergen möglich sind, müssen wir genau abwägen. Auch bei einer Behirtung braucht man eine entsprechende Ausbildung, das dauert. Man könnte in den Landwirtschaftsschulen ein dementsprechendes Modul schaffen. Das ist aber immer eine Finanzierungsfrage.

LMZ: Prinzipiell wird das Geld eine wichtige Rolle spielen, oder?

Stock: Ja. Wenn die Gesellschaft will, dass der Wolf kommt, dann wird uns das was kosten. Die Bauern können das sicher nicht allein bewältigen. Ich spreche da von Millionenbeträgen, aber das ist eine Grundsatzentscheidung.

LMZ: Die bereits gefallen ist, denn der Wolf ist ja schon wieder da …

Stock: Ganz genau. Die Frage, wollen wir ihn oder nicht, stellt sich ja eigentlich schon gar nicht mehr. Er ist da. Wir werden die Italiener, Schweizer, Slowenen und so weiter nicht zwingen können, ihre Rudel auszurotten. Darauf müssen wir uns einstellen. INT_180523_71 (mel/fw)

Aktuelle Informationen zum Thema "Wolf" auf www.salzburg.gv.at/wolf.

Rückfragen: Franz Wieser, Pressesprecher Land Salzburg, Landes-Medienzentrum, Tel.: +43 662 8042-2365, Redaktionshandy: +43 664 3943735.

Redaktion: Melanie Hutter/Landes-Medienzentrum.

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