Als Salzburg die Zeit zurückdrehte

Anno 1920 galt in ganz Österreich die Sommerzeit. Nur in einem Bundesland nicht

Salzburger Landeskorrespondenz, 13.07.2018
 

(LK)  Was die Zeitumstellung mit der Kriegswirtschaft verbindet und warum die Salzburger kurz ihrer Zeit voraus waren, obwohl sie die Uhren zurückstellten, bringt dieser Salzburger Grenzfall aus der gleichnamigen Serie ans Licht.

Wer glaubt, dass Diskussionen über Sinn oder Unsinn einer Sommerzeitregelung ein Phänomen der jüngsten Vergangenheit ist, der irrt. Das oft leidenschaftlich vorgebrachte Für und Wider zur Zeitumstellung ist so alt wie sie selber.

Licht sparen für den Sieg

Dreht man das Rad der Zeit zurück ins Jahr 1920, stößt man auf ein kurioses Ausscheren eines Bundeslandes aus dem staatlich verordneten Vordrehen der Uhren zur hellen Jahreszeit. Mitten im Ersten Weltkrieg führte Österreich-Ungarn und damit auch Salzburg die Sommerzeit ein. Was heute als Argument makaber anmutet: Sie sollte die energieintensiven Materialschlachten des Ersten Weltkriegs unterstützen, indem an langen Sommerabenden weniger Beleuchtung nötig war.

Sommerzeit als Kriegsrelikt

Nach Kriegsende wurde die Umstellung 1919 kurzerhand abgesagt, aber im Folgejahr in ganz Österreich wieder eingeführt. Anfangs auch in Salzburg. Doch hatte man die Rechnung ohne den Nachbarn gemacht. Mit Verweis, dass auch in Bayern im Frühling nicht an den Uhren gedreht würde, stimmten die Mitglieder der provisorischen Landesversammlung mehrheitlich für eine Rücknahme der Umstellung: "Nachdem wir den Krieg hinter uns haben, brauchen wir keine Sommerzeit mehr. Es wird darum ersucht, dass von Seiten des Landesrates unbedingt dahin gewirkt wird, dass diese Verfügung, die allen republikanischen Anschauungen widerspricht und nur zum Zwecke des Krieges und der Menschenabschlachtung gestellt war, außer Kraft gesetzt wird", stand im Antrag des christlich-sozialen Abgeordneten Johann Hasenauer "und Genossen". Sein Parteikollege Johann Eiböck sah eine ungünstige Zweiteilung der Zeit, da sich die Bauern weiterhin nach der Sonne, die Industriebetriebe aber nach der verordneten Sommerzeit richten würden.

Die Ausnahme von der Ausnahme

Keinen Monat nach der bundesweiten Einführung beschloss daher das Land, die Uhren wieder um eine Stunde zurückzudrehen. Fast alle, denn die Staatsbahnen in Salzburg fuhren pragmatisch weiterhin nach Sommerzeit. Erstaunlich: Zwar wurde befürchtet, dass der Salzburger Sonderweg rechtlich aussichtslos wäre, doch der Bund ließ die Salzburger gewähren.

Die Sommerzeitregelung fand in Österreich nach 1920 bis zu den Jahren des Zweiten Weltkriegs ohnedies ihr zwischenzeitliches Ende und wurde erst 1980 wieder durchgehend eingeführt. Salzburg hatte mit seiner "Extrawurst" also den Trend bereits vorweggenommen.

Kurioses über Grenzen hinweg

Die Salzburger Grenzfälle versammeln Kuriositäten rund um die Grenzen Salzburgs und bilden eine aufschlussreiche Lektüre zu Geschichte, Landeskunde und Politik des Bundeslandes. Der Autor Stefan Mayer beschäftigt sich seit 2002 mit grenzfälligen Besonderheiten in und um Salzburg. Er gestaltet die monatliche Serie "Grenzfälle", von der bereits vier Bücher erschienen sind. Band 4 kann per E-Mail an landesmedienzentrum@salzburg.gv.at und telefonisch unter +43 662 8042-2417 um 6,90 Euro bestellt werden. Digitale Versionen aller vier Bände stehen unter www.salzburg.gv.at/grenzfaelle zum kostenlosen Herunterladen zur Verfügung. Einzelne Grenzfall-Artikel können jederzeit abgerufen werden. LK_180713_60 (sm/grs)

Medienrückfragen: Franz Wieser, Pressesprecher Land Salzburg, Landes-Medienzentrum, Tel.: +43 662 8042-2365, Redaktionshandy: +43 664 3943735.

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