Wilhelm Klepsch zum "80er"

Ehrenzeichen des Landes für den Salzburger Unternehmer und Senoplast-Gründer / Gespräch mit dem Jubilar: Ich bin und war immer Erfinder

Salzburger Landeskorrespondenz, 20.07.2018
 

(HP) Anlässlich seines 80sten Geburtstages am 20. Juli wird Wilhelm Klepsch heute von Landeshauptmann Wilfried Haslauer mit dem Ehrenzeichen des Landes ausgezeichnet. Das Landes-Medienzentrum hat mit dem Salzburger Unternehmer und Gründer von Senoplast ein Gespräch geführt.

Wilhelm Klepsch: Mein Großvater war bereits vom Erfindergeist beseelt. Er hatte in Baden bei Wien eine Firma, die Spezialpapiere herstellte. Im Jahr 1929, der Zeit der großen Wirtschaftskrise, hatte er jedoch Pleite gemacht. Das war ihm so peinlich, dass er sich entschlossen hat, woanders hinzugehen. So ging meine Familie in die Tschechoslowakei, wo ich geboren wurde. Dort gründete er eine neue Firma. Als Österreicher bzw. Sudetendeutsche mussten wir jedoch das Land verlassen und so kamen wir über Wien nach Linz und dann schlussendlich in den Pinzgau.

Wir waren Flüchtlinge und hatten nichts

Wir waren Flüchtlinge. Nach dem Krieg hatten wir, wie die meisten Anderen auch, nichts. So mussten wir etwa beim "Begnadlbauer" in Bruck/Fusch im Stadl schlafen. Für die Firma Brandstätter wurde dringend ein Nachfolger gesucht, da der Sohn im Krieg gefallen war. Das war die Chance meines Vaters. Dazu kam auch die Unterstützung von Louise Piëch, die meiner Familie ebenfalls beim Start geholfen hat, indem sie eine Halle vermietete. So kam es, dass mein Vater die Zell-Metall gründete.

Jugend in Wien und Kaprun – Studium in Leoben

Ich verbrachte meine Jugend in Wien bei meiner Mutter, besuchte dort die Mittelschule und machte die Matura. Meine Eltern hatten sich getrennt - und so verbrachte ich die Ferien bei meinem Vater im Pinzgau. Die Idee zur Firma Senoplast - von seno (alt) und plast (Kunststoff) - hatte ich bereits mit 18 Jahren, jedoch habe ich sie erst später aktiviert.

Nach der Matura begann ich ein Studium an der Montan-Universität Leoben und schrieb dort die allererste Diplomarbeit zum Thema Kunststoff. Wie man sich vorstellen kann, hatten die dortigen Professoren anfänglich Bedenken, denn deren Werkstoffe waren hauptsächlich Metalle. Kunststoff war damals Ende der 1950er Jahre, Anfang 1960 noch ein sehr neues Material. Schließlich fand ich jedoch noch einen Betreuungsprofessor.

Kunststoffstangen fürs Slalom – Skifahrer hatten damals keine Freude

Während der Studienzeit in Leoben hatte ich auch die Idee, statt der Holzstangen Kunststoffstangen fürs Slalomfahren einzusetzen. Bei den steirischen Skimeisterschaften wurde diese dann erstmals in die Tat umgesetzt. Doch die Skisportler waren damals davon nur mäßig begeistert - sie meinten, sie bekämen davon immer beim Vorbeifahren einen Schlag ins Genick.

Ganz klein angefangen – zum echten Pinzgauer geworden

Nach dem Studium in der Steiermark bin ich dann zu meinem Vater in den Pinzgau, habe dort ursprünglich bei der Zell-Metall gearbeitet und später dort meine erste Firma mit fünf Leuten gegründet. In Kaprun hat dann alles begonnen: dort wurde ich zum echten Pinzgauer.

Umfahrung Kaprun in einer halben Stunde

Ich war auch immer politisch interessiert und später in der Gemeindevertretung und als Vizebürgermeister in Kaprun tätig. Die Gemeinde war damals sehr stark durch den Durchzugsverkehr belastet. Ich ließ daher auf eigene Kosten – ich erinnere mich genau es waren 10.000 Schilling – eine Umfahrungsvariante ausarbeiten. Die Planung haben wir dann der Politik vorgelegt, alle waren sofort damit einverstanden in nur einer halben Stunde wurde dem Vorhaben zugestimmt. In Begleitung des Landeshauptmannes Hans Lechner war sein Finanzlandesrat Wilfried Haslauer sen., der spätere Landeshauptmann.

Ofenauer- und Hieflertunnel isoliert

Wahrscheinlich war es generell mein Glück, dass ich vielen Mitbewerbern immer ein Stück voraus war und meine Ideen auch umgesetzt habe. So habe ich beispielsweise den Ofenauer- und den Hieflertunnel in Pionierarbeit mit Kunststoff isoliert. Dazu musste sogar ein Spezial-Gerüst konstruiert werden. Mit sieben Leuten haben wir Tag und Nacht Folien in den Tunneln befestigt, dazu mussten wir auch über Kopf schweißen.

Immer eine Nasenlänge voraus

Andere Firmen waren immer viel größer, dennoch war ich mit meinen Innovationen den Wettbewerbern eine Nasenlänge voraus.

Ich habe Zeit meines Lebens rund 80 Firmen, etwa in Neuseeland, China etc. gegründet, die Hälfte davon etwa wieder geschlossen, keine einzige davon ist jemals pleite gegangen.

Zeit im Kloster prägte mich – wollte Missionar werden

Sehr geprägt hat mich jene Zeit, die ich im Zisterzienserkloster bei Wien verbrachte. Ich war damals 17 Jahre alt und ich wollte unbedingt in die Welt hinaus und missionieren. Ich wollte aktiv Gutes tun. Dies war jedoch nicht so einfach möglich, gerade in meinem jungen Alter erlaubte mir der Prior dies nicht. Er meinte, ich müsste erst noch einige Jahre im Kloster bleiben, bevor ich in die Welt hinausgeschickt werden könne. Dies wurde mir dann schlussendlich doch zu eng und ich verließ das.

Respekt vor allen Menschen – wir sind alle gleich

Was ich bei den Zisterziensern jedenfalls fürs Leben gelernt habe, war Respekt: Respekt vor jedem Menschen zu haben und dass alle Menschen gleich sind.

Dieses Credo habe ich auch als Firmenchef immer gelebt – vom kleinen Hilfsarbeiter bis zum leitenden Angestellten – war es mir immer wichtig, alle gleich zu behandeln. Mit meinen Betriebsräten habe ich auch immer an einem Strang gezogen - denn nur so ist der Erfolg einer Firma garantiert.

Noch eine Erfindung, die Menschheit von Nutzen ist

Ich war es immer und bin es heute mit meinen 80 Jahren noch: Erfinder. Erst vor kurzem habe ich die Firma ITK (Innovationstechnologie Klepsch) gegründet. Gemeinsam mit der Montan-Universität Leoben arbeite ich an der Bekämpfung von Krankenhauskeimen. Denn, bevor ich gehe, will ich noch unbedingt etwas erfinden, das von Nutzen für die Menschheit ist. LK_180720_11 (ram/kg)

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