Hintergründiges im „Tännengau“

Ortsbezeichnungen haben manchmal eine andere Herkunft als ihr Name vermuten lässt

Salzburger Landeskorrespondenz, 13.08.2018
 

(LK)  Warum man sich mit falsch betonten Ortsnamen lächerlich machen kann, warum Hallein früher anders hieß und warum eine sprachliche Neuschöpfung Anlaufschwierigkeiten hatte, dem geht dieser Grenzfall in Salzburgs jüngstem Bezirk nach.

Tannen gibt es zwischen Salzburg und dem Pass Lueg so manche, nicht mehr aber Tennen, also Dreschplätze. Von letzteren hat der politische Bezirk Hallein den Namen Tennengau erhalten. Die Bezeichnung taucht erst 1874 auf, damals noch mit „ä“ geschrieben - 1907 vom damaligen Landeshauptmann-Stellvertreter August Prinzinger als „sachlich wie sprachlich unmögliche Form“ abgelehnt. Dessen ungeachtet wurde Alt-Landeshauptmann Albert Schumacher zwei Jahre später als „Ritter von Tännengau“ in den erblichen Ritterstand erhoben.

Romanen betonten das Ende

Sprachforscher Ingo Reiffenstein ist im zweiten Band des Historisch-Etymologischen Lexikons der Salzburger Ortsnamen der Herkunft der Ortsbezeichnungen im Tennengau akribisch auf den Grund gegangen. So erfährt man, dass die Betonung auf der letzten Silbe ein Zeichen für einen romanischen Ortsnamen ist, wie etwa der Gollinger Ortsteil Torren oder Vigaun, bei denen ortsunkundige und Navi-Stimmen Gefahr laufen, mit ihrer Aussprache bei Einheimischen für Gelächter zu sorgen.

Kahler Göll und trockene Taugl

Eben hinter dem Torrener Berg – richtig ausgesprochen auf der zweiten Silbe – beginnt das bei Naturfreaks und Wanderern beliebte Bluntautal, dessen Name Reiffenstein aus dem Mittelhochdeutschen für „verfinstern“ herleitet. Was angesichts der eingepferchten Lage zwischen Hagengebirge und Hohem Göll nachvollziehbar erscheint. Der 2.522 Meter hohe Göll verdankt diesen Namen seiner unbewachsenen Gipfelregion, die slawische Bewohner mit ihrem Wort „galu“ für „kahl“ bezeichneten. Verborgen ist die Taugl, nämlich vollständig, wenn sie bei Trockenheit im Unterlauf versiegt. Kein Wunder also, dass das althochdeutsche „tougal“ für „verborgen“ und „geheim“ hier die Namenspatenschaft übernahm.

Hallein hieß früher Mühlbach

Bis 1249 gibt es schriftliche Belege, dass Hallein früher Mühlbach hieß. Die dortige Saline war danach namensgebend, aus dem deutschen Wort entwickelte sich schließlich Hallein, das jedoch nichts mit dem Wortstamm „sal“ für Salz, sondern „hall“ für Saline zu tun hat. Und wer meint, Hallein am Ende betonen zu müssen, liegt zumindest sprachhistorisch gesehen daneben. Die Stadtteile Gamp (von „campus“ für Feld) und Rif (von „ripa“ für Ufer) sind waschechte Römernamen.

Struppiges Krispl, Kuchl mit Kapuze und Rußbach mit weißer Weste

Die Gemeinde Krispl darf die Bezeichnung für das „struppige Unterholz“ als namensgebend für sich reklamieren. Kuchl hat dem aus der Talebene aufragenden Georgenberg, lateinisch „cucullus“ Kapuze, seinen Namen zu verdanken. Rußbach, erst seit 1903 als Gemeinde aus Abtenau herausgelöst, bezieht seinen Namen nicht vom schmutzigen Ruß, sondern von der althochdeutschen Bezeichnung für die Ulme, veraltet noch als Rüster bekannt – die Touristiker können aufatmen.

Öfen mit Wasserspülung und Liebesspiel auf dem Berg

Dass in den Lammer- und Salzachöfen ebenso wie in der Ofenau nicht gebacken wird, sondern dort das Wasser aufgrund der engen Klamm brodelt, ist jedem spätestens nach einem Besuch dort klar. Der Spielberg in Krispl, benannt nach dem Liebesspiel der Birk- und Auerhähne, eignet sich nichtsdestotrotz dank seiner grasbewachsenen Hänge für Familien zum verspielten Wandern.

Kurioses über Grenzen hinweg

Die Salzburger Grenzfälle versammeln Kuriositäten rund um die Grenzen Salzburgs und bilden eine aufschlussreiche Lektüre über Geschichte, Landeskunde und Politik des Bundeslandes. Der Autor Stefan Mayer beschäftigt sich seit 2002 mit grenzfälligen Besonderheiten in und um Salzburg. Er gestaltet die monatliche Serie "Grenzfälle", von der bereits vier Bücher erschienen sind. Band 4 kann per E-Mail an landesmedienzentrum@salzburg.gv.at bzw. telefonisch unter +43 662 8042-2417 um 6,90 Euro bestellt werden. Digitale Versionen aller vier Bände stehen unter www.salzburg.gv.at/grenzfaelle zum kostenlosen Herunterladen zur Verfügung. Einzelne Grenzfall-Artikel können jederzeit abgerufen werden. LK_180812_60 (sm/mel)

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