Landflucht kann gestoppt werden

Vorzeigebeispiele für attraktives Leben und Arbeiten im ländlichen Raum

Salzburger Landeskorrespondenz, 02.10.2018
 

(LK)  Die Horrormeldungen kommen seit Jahren aus allen Gegenden Europas: Geschäfte schließen, verlassene Wohngebäude prägen das Ortsbild, Ärzte und Infrastruktureinrichtungen fehlen. Doch Landflucht kann man aufhalten, da sind sich die Experten einig. Bei der Konferenz Europäischer Regionen und Städte wurde heute über künftige Herausforderungen und Lösungsansätze diskutiert.

 

„Die Leidtragenden befinden sich beim Thema Landflucht auf beiden Seiten. Neben leeren Dörfern am Land, leiden auch die Städte unter dem übermäßigen Zuzug. Verstaute Straßen, überhöhte Mietpreise und sinkende Luftqualität sind nur die Spitze des Eisbergs. Durch eine Attraktivierung des ländlichen Raums können wir besonders jungen Familien eine Perspektive in den Regionen ermöglichen. Das Wichtigste dabei: Arbeitsplätze sichern und Betriebe mit Hilfe des Breitbandausbaus ansiedeln“, so Franz Schausberger, Vorsitzender des Instituts der Regionen Europas (IRE) und Organisator der Konferenz.

Beismann: Qualität vor Quantität

„Die Prognosen für den ländlichen Raum sehen sehr unterschiedlich aus. Wir sollten uns nicht darauf konzentrieren, möglichst viele Menschen auf das Land zu schaffen. Viel wichtiger ist es, brauchbare Anreize für den Umzug in die Regionen zu schaffen. Dazu gehört neben Bildung, Mobilität und Gesundheit auch eine funktionierende Verwaltung. Um die kreativen Köpfe von der Stadt auf das Land zu locken, sollte man ungenutzte Dorfstrukturen auf moderne Art und Weise nutzen, anstatt neue zu errichten“, so Michael Beismann, Wissenschafter der Universität Innsbruck.

Meyer: Selbstbewusstsein wichtiger als Geld

Bertold Meyer, Bürgermeister der ostdeutschen Gemeinde Bollewick in Mecklenburg-Vorpommern, musste nach der Wende bei null anfangen. „Die Voraussetzungen, die wir nach der Deutschen Einheit 1990 vorgefunden haben, waren alles andere als ideal. Wir galten sogar als Altersheim Deutschlands. In die blanke Not getrieben, mussten wir ungewöhnliche Wege gehen. So haben wir eine verfallene Scheune innerhalb fünf Jahren in ein florierendes Kulturzentrum umgebaut. Durch den Ausbruch aus der Abwärtsspirale interessierten sich immer mehr Menschen für unseren kleinen Ort und schöpften neuen Mut, der bis heute anhält. Das Wichtigste ist nicht Geld, sondern Selbstbewusstsein“, so Meyer. LK_181002_140 (lk/sm)

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