Dokudrama „Salzburg 1938“ soll Schüler aufrütteln

Neuer Bildungsfilm zur Landesgeschichte feiert morgen Premiere

Salzburger Landeskorrespondenz, 16.10.2018
 

(LK) Anschluss, Hitlerjugend, Bücherverbrennung und Pogromnacht: Der neue Schulfilm „Salzburg 1938“ beschreibt in Form eines Dokudramas die Geschichte von Konrad Hochstätter und Hans Rosenberger, zwei Freunden aus der Stadt Salzburg, im Jahr des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich. In Auftrag gegeben und finanziert wurde der Film, der morgen Abend in St. Virgil Premiere feiert, vom Land Salzburg, Regie führte Markus Weisheitinger-Herrmann.

Anliegen des rund 30-minütigen Films ist es, die Ereignisse der damaligen Zeit in Salzburg aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen darzustellen. Konrad Hochstätter und seine Familie stehen sinnbildlich für die Zerrissenheit, Schuld und das Schicksal der österreichischen Gesellschaft zur Zeit des Nationalsozialismus. Zusammenhänge werden mit historischen Fotos und Dokumenten erklärt und dargestellt. Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen verdeutlichen die Umstände dieser Zeit.

Hinter die Kulissen geblickt – Interview mit den Filmemachern

„Salzburg 1938“ entstand in Zusammenarbeit von Robert Luckmann, verantwortlich für die Bildungsmedien beim Land Salzburg im Ressort von Landesrätin Maria Hutter, und Regisseur Markus Weisheitinger-Herrmann, FS 1-Geschäftsführer. Das Landes-Medienzentrum (LMZ) sprach mit den beiden über die Entstehung des Schulfilms.

LMZ: Sie beide haben gemeinsam schon mehrere Schulfilme zur Landesgeschichte verwirklicht. Wie kann man sich die Entstehung vorstellen?

Luckmann: Wir erarbeiten gemeinsam ein Thema, das für das jeweilige Jahr, in dem der Schulfilm erscheint, passend ist. Heuer haben wir 80 Jahre in die Geschichte zurückgeblickt und die Bücherverbrennung und Pogromnacht in Salzburg 1938 in den Fokus gerückt.    

Weisheitinger-Herrmann:  Nach der Themenfindung gehe ich ans Recherchieren, suche mir Fachleute, die mich unterstützen. Für den diesjährigen Film habe ich Zeitzeugeninterviews ausgewertet und geführt. Ich habe die Hilfe der Experten des Stadtarchivs in Anspruch genommen und dort auch das Fotoarchiv durchforstet. Nach gründlicher Recherche überlege ich mir, wie ich die verschiedenen historischen Aspekte in Filmrollen umsetzen kann und ich entwerfe eine Geschichte, wie sie gewesen sein hätte können. Und dann geht es ans Drehen.       

LMZ: Wie lange dauert es von der Idee bis zum fertigen Film?

Weisheitinger-Herrmann: Ein ganzes Jahr lang.

LMZ: Im vergangenen August wurde gedreht. Wie lief es?

Weisheitinger-Herrmann: Wir haben fünf Tage am Stück gedreht, mit professionellen und Laienschauspielern und rund 50 Komparsen. Skurril dabei waren die Reaktionen der Passanten, als wir beispielsweise eine Szene drehten, in der der Mob in der Reichskristallnacht durch die Salzburger Steingasse zog. Viele glaubten nicht an einen Filmdreh und reagierten mit Entsetzen auf das, was sie sahen.

Luckmann: Die Szene mit der Bücherverbrennung haben wir daher nicht auf dem Originalort Residenzplatz gedreht, sondern vorsorglich auf den Brandplatz der Feuerwehrschule verlegt, wo wir ein sehr „professionelles“ Feuer hatten. Es war faszinierend und erschütternd zugleich, wie die dortige Szene – obwohl nur gespielt - „unter die Haut ging“ und mitgerissen hat. Eine Mahnung, wachsam zu sein …

LMZ: Für welche Schulstufe ist der Film gedacht?

Luckmann: Grundsätzlich für die Sekundarstufe I, also die Unterstufe des Gymnasiums und die Neue Mittelschule, aber auch in der Oberstufe kann „Salzburg 1938“ eingesetzt werden.

LMZ: Was können Schulfilme wie dieser bewirken?

Weisheitinger-Herrmann:  Daten- und Faktenwissen über die Landesgeschichte lassen sich über das Medium Film nicht vermitteln. Aber Filme wie dieser helfen, Daten einordnen zu können und sie wecken ein emotionales Interesse am Thema, wodurch Lernen erst möglich wird. Denn ist das Interesse geweckt, will man den Dingen auch nachgehen. LK_181016_40 (sab/ram)

Medienrückfragen: Franz Wieser, Pressesprecher Land Salzburg, Landes-Medienzentrum, Tel.: +43 662 8042-2365, Redaktionshandy: +43 664 3943735.

Redaktion: Landes-Medienzentrum.