Kokoschkas Druckgrafik im Kontext der Zeit

Umfangreiche Werkschau im Museum der Moderne / Haslauer bei Ausstellungseröffnung

Salzburger Landeskorrespondenz, 12.11.2018
 

(HP)  Mit mehr als fünfhundert Arbeiten bildet Oskar Kokoschkas druckgrafisches Werk eine zentrale Gruppe in der Sammlung des Museum der Moderne Salzburg. Dieser wird nach langer Zeit wieder eine umfassende Schau gewidmet. „Das OEuvre dieses bedeutenden österreichischen Expressionisten wird hier erstmals in seinem zeithistorischen Zusammenhang gezeigt“, so Landeshauptmann Wilfried Haslauer bei der Eröffnung. Die Ausstellung ist bis 17. Februar im Haus auf dem Mönchsberg zu sehen.

Druckgrafiken - Lithografien und Radierungen - nehmen im Werk Kokoschkas (1886–1980) einen wichtigen Stellenwert ein. Bereits während seines Kunststudiums im Wien der Jahrhundertwende entstanden erste Exemplare, die im Lauf der Jahre, insbesondere in der Spätphase seines künstlerischen Schaffens, zu einem beachtlichen Bestand anwachsen sollten.

210 Blätter aus allen Schaffensperioden

Ausgehend von seinen umstrittenen frühen Arbeiten spannt die Ausstellung im Museum der Moderne in acht Kapiteln mit rund 210 Blättern einen Bogen über die Porträts aus der Dresdner Zeit bis hin zu seinem Spätwerk, das ihn als Bewunderer der griechischen Kunst und Kultur ausweist. Die einzelnen Werkgruppen werden in ihrem historischen Zusammenhang präsentiert. Das Zeitgeschehen, mit dem sich Kokoschka in einzelnen Werkphasen kritisch auseinandergesetzt hat, bildet dabei wichtige Referenzpunkte.

Maler, Grafiker und Schriftsteller

Auftakt sind Kokoschkas Arbeiten für die Wiener Werkstätte, die während seiner Ausbildung an der Kunstgewerbeschule entstanden sind. Parallel dazu betätigte er sich auch als Schriftsteller und schrieb das Drama „Mörder, Hoffnung der Frauen“, dessen Uraufführung 1909 zu einem Skandal führte. Die männliche Verunsicherung angesichts der weiblichen Emanzipationsbestrebungen im Wien der Jahrhundertwende spiegelt sich auch in zahlreichen Arbeiten wider, in denen er seine konfliktreiche Beziehung zu Alma Mahler künstlerisch verarbeitet. Nach der Trennung von ihr meldete sich Kokoschka freiwillig zum Kriegsdienst. Aufgrund seiner Erlebnisse und Verwundungen wurde der Künstler zum Pazifisten.

Gründer der „Schule des Sehens“

Vor den Nationalsozialisten, die sein Werk als „entartet“ diffamierten, musste er nach England fliehen. Nach Kriegsende kehrte er nicht mehr nach Österreich zurück, sondern ließ sich in der Schweiz nieder. Mit lithografischen Zyklen zu Themen aus der klassischen Mythologie huldigte der Künstler in seinem Spätwerk dem antiken Erbe, dessen Bedeutung er nicht nur in ästhetischen, sondern auch in ethischen Kategorien maß. Seine Bedeutung für Salzburg liegt vor allem in seiner langjährigen Tätigkeit als Gründer und Leiter der „Schule des Sehens“, die er 1953 gemeinsam mit Friedrich Welz ins Leben rief. LK_181112_20 (kg/sm)

Medienrückfragen: Christian Pucher, Büro Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Tel.: +43 662 8042-2325, Mobil: +43 664 88719098, E-Mail: christian.pucher@salzburg.gv.at

Redaktion: Landes-Medienzentrum