„Von da an ging es wieder bergauf“

Sabine musste und wollte mit 13 weg von Zuhause / Die Kinder- und Jugendhilfe des Landes Salzburg war Starthilfe für ein neues Leben

Salzburger Landeskorrespondenz, 06.12.2018
 

(LK)  Die Gründe, warum die Kinder- und Jugendhilfe des Landes Salzburg aktiv wird, sind so vielfältig wie das Leben. Bei Sabine F. war keine Gewalt im Spiel, kein Missbrauch, aber das Schicksal war hart. Der kranke Vater, überforderte Brüder und die Mutter, die das alles nicht mehr aushält. Sabine musste schneller erwachsen werden, als ihr lieb war. Als sie mit 13 in die betreute Wohngemeinschaft zog, war das ein Neuanfang.

„Ich bin stolz darauf, was ich aus meinem Leben gemacht habe“, sagt Sabine F. (28) selbstbewusst. Ihr Weg zur Mitarbeiterin des Landes, Ehefrau und werdenden Mutter war kurviger, steiler und härter als bei vielen anderen, aber sie hat es geschafft – mit Unterstützung von Sozialarbeitern und Experten der Kinder- und Jugendhilfe.

Umzug in die WG als Erleichterung

Offen erzählt Sabine darüber, wie sie mit 13 von zu Hause weg musste. „Mein Vater war schwer krank, ein Pflegefall, meine Mutter überfordert, hat uns alleine gelassen, als ich und einer meiner Brüder noch minderjährig waren“, sagt sie. Da war sie 13, also noch ein Kind und doch gezwungenermaßen sehr erwachsen. Als es gar nicht mehr ging, auch nicht mit der Hilfe der Tante, zog die gebürtige Pongauerin in eine betreute Wohngemeinschaft in der Stadt Salzburg. „Das Jugendamt hat das damals eingefädelt, ich habe mich bewusst für die Form der WG entschieden. Ab da an ging es bergauf, obwohl die Zeiten auch in der WG nicht immer leicht waren. Aber: Ich durfte wieder ohne so viel Verantwortung meinem Alter entsprechend leben.“

Die Chance ergriffen

Sabine musste sich in der Wohngemeinschaft erst zurechtfinden. „Auf einmal gab es wieder Regeln, das war mir natürlich nicht immer recht, wir haben auch mal Blödsinn gemacht. Aber ich habe mir gedacht, das ist deine Chance, die darfst du nicht vermasseln, nicht auf die schiefe Bahn geraten“, erinnert sie sich. Vier Jahre blieb sie in der WG, dann zog sie kurz vor ihrem 18. Geburtstag in eine eigene Wohnung. „Auch dort bekam ich Unterstützung. Eine Betreuerin hat mir noch ein weiteres Jahr geholfen. Nicht ihre Pflicht, aber sie war sehr engagiert. Ich wusste ja nicht einmal, dass ich Versicherungen abschließen muss und so weiter“, sagt Sabine F. Möglich wurde die Nachbetreuung, weil das Jugendamt auf ihren eigenen Wunsch hin die Maßnahme der Minderjährigkeit verlängert hat. Der Neustart in ein eigenes Leben ist jedenfalls gelungen, auch die Lehre beim Land Salzburg ein Erfolg.

„Man ist für sein Leben verantwortlich“

Die „Starthilfe“ der Kinder- und Jugendhilfe aus einer schwierigen Familiensituation bezeichnet Sabine F. als Rettung. Sie unterstreicht aber auch: „Jeder muss selber was aus seinem Leben machen, von alleine geht nichts, oder dass man sich nur auf andere verlässt. Unser Sozialsystem ist ein relativ engmaschiges Sicherheitsnetz, aber abstürzen kann man trotzdem, wenn man nicht selber sein Leben in die Hand nimmt.“

Daten und Fakten zur Kinder- und Jugendhilfe des Landes Salzburg

  • In Salzburg gibt es 46 Einrichtungen: sozialpädagogische Wohngemeinschaften, betreutes Wohnen, das SOS Kinderdorf in Seekirchen, eine Mutter-Kind-Wohngemeinschaft, intensiv betreute Wohngemeinschaften, Krisenstellen für Kleinkinder, Kinder und Jugendliche sowie Notschlafstellen für Jugendliche.
  • In einer sozialpädagogischen Wohngemeinschaft wohnen acht Kinder oder Jugendliche und werden von einem Team von sozialpädagogischen Fachkräften rund um die Uhr betreut und versorgt.
  • 2017 lebten 489 Kinder und Jugendliche in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, 275 bei Pflegeeltern.
  • Einrichtungen gibt es sowohl in der Stadt als auch im Land Salzburg.
  • Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in den Bezirkshauptmannschaften und am Magistrat der Stadt Salzburg finden die passende Hilfe und beraten.
  • Weitere Infos: Kinder- und Jugendhilfe des Landes. REP_181206_70 (mel/grs)

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Redaktion: Melanie Hutter/Landes-Medienzentrum