Experten in Sachen Lawinengefahr

Salzburgs Lawinenwarnkommissionen arbeiten für die Sicherheit von Menschen und Siedlungen

Salzburger Landeskorrespondenz, 06.01.2019
 

(LK)  Die Mitglieder der Lawinenwarnkommissionen im ganzen Land sind derzeit stark gefordert und arbeiten unermüdlich – das alles ehrenamtlich. Sie sind es, die aufgrund der Wetter- und Schneesituation die Sicherheit für Loipen, Wander- und vor allem Verkehrswege beurteilen. Ihre professionelle Einschätzung der Lage und schließlich Empfehlung ist ausschlaggebend dafür, ob eine Straße gesperrt wird oder nicht, eine große Verantwortung.

„Durch die große Erfahrung und hervorragende Arbeit der 700 Expertinnen und Experten in den 90 Lawinenwarnkommissionen wird die Sicherheit massiv erhöht und laufend beurteilt. Ich danke allen Kommissionsmitgliedern für das große Engagement zum Wohle der Menschen“, betont Landeshauptmann Haslauer.

Sicherheit als oberstes Gebot

Eine Gefährdung für Menschen und Siedlungen auszuschließen, dies ist das oberste Gebot der Arbeit dieser Experten. Wer sind diese Leute, die über die Freigabe einer Skipiste oder die Sperre eines Verkehrsweges entscheiden? Wie wird man Mitglied einer Lawinenwarnkommission? Welche Entscheidungsbefugnisse haben diese Personen?

     Interview mit Norbert Altenhofer

Das Landes-Medienzentrum (LMZ) hat darüber mit Norbert Altenhofer, seit 30 Jahren Leiter des Salzburger Lawinenwarndienstes, gesprochen.

LMZ: Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um in einer Lawinenwarnkommission zu arbeiten?

Altenhofer: „Grundsätzlich kann jede oder jeder Mitglied werden, die oder der eine gewisse Bergerfahrung beziehungsweie –eignung sowie Affinität zur Natur mitbringt. Wir hier in Salzburg haben das Glück, dass viele Leute bereits ein fundiertes Vorwissen mitbringen, weil sie beispielsweise bei der Bergrettung sind, einem alpinen Verein angehören oder ausgebildeter Wanderführer sind.“

LMZ: Welche Pflichten hat man als Mitglied?

Altenhofer: „Rechtlich gesehen sind die Mitglieder Sachverständige, das heißt, sie haben sich die erforderliche Sachkenntnis für ihre Tätigkeit anzueignen und dieses Wissen auch immer auf dem neuesten Stand zu halten. Und sie arbeiten im Spannungsfeld einer zivil- und strafrechtlichen Haftung.“

LMZ: Welche Unterstützung kommt dabei vom Land Salzburg?

Altenhofer: „Wir tun alles, um den Mitgliedern das optimale Rüstzeug und beste Grundlagen für ihre Tätigkeit mitzugeben. Dazu gehören eine gediegene Aus- und Weiterbildung mit namhaften Fachleuten, regelmäßige, intensive Schulungen und auch im Anlassfall - bei schwierigen Entscheidungen -  die Unterstützung von weiteren Experten.“

LMZ:  Wie oft sind die Kommissionen im Einsatz?

Altenhofer: „Das hängt ganz davon ab, wie sich die Situation im Zuständigkeitsbereich darstellt. An Tagen wie diesen arbeiten die Mitglieder der Lawinenwarnkommissionen mehr oder weniger rund um die Uhr.“

LMZ: Und diese treffen dann die Entscheidung?

Altenhofer: Nein, ganz wichtig: die Kommission entscheidet nicht, sondern sie gibt eine Empfehlung ab. Die Entscheidung, ob eine Straße gesperrt oder eine Skipiste geöffnet bleibt, trifft der Sicherungspflichtige, also beispielsweise der Bürgermeister, der Bergbahnenchef, ein Tourismusverantwortlicher oder der Genossenschaftsobmann. Sinnvollerweise halten sich diese an die Empfehlungen ihrer Experten.

Sicherheit und Expertenwissen seit mehr als 50 Jahren

Lawinenwarnkommissionen gibt es übrigens in Salzburg bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert: Am 28. April 1965 entschloss sich der Salzburger Landtag nach zahlreichen Lawinenunglücken dazu, diese flächendeckend und landesweit einzurichten.

Moderne Technik als Helfer

Bei Hubschrauberflügen, die – wenn es die Witterung erlaubt - bei Einsätzen nicht mehr wegzudenken sind, mit modernen Kommunikationsmöglichkeiten sowie einem dichten Netz von 91 Mess-Stationen, die vollautomatisch Daten von Schneehöhe, Lufttemperatur, Windrichtung und -geschwindigkeit sowie Sonneneinstrahlung übertragen, können sich heute die Lawinenexperten ein genaues Bild von der Situation an exponierten Stellen machen. INT_190106_21 (kg/mel)

Weitere Informationen

Medienrückfragen: Franz Wieser, Pressesprecher Land Salzburg, Landes-Medienzentrum, Tel.: +43 662 8042-2365, Redaktionshandy: +43 664 3943735

Redaktion: Landes-Medienzentrum