„Ein Berg kann immer überraschen“

Hangrutschungen und Felsstürze / Interview mit Geologe Ludwig Fegerl / Neuer Ereigniskataster hilft auch bei Prognosen

Salzburger Landeskorrespondenz, 08.03.2019
 

(LK) Hangrutschungen wie aktuell in der Nacht zum Freitag in St. Johann oder weitere Felsstürze im Pinzgau und Pongau diese Woche haben gezeigt, dass Salzburgs Berge in Bewegung sind. Ist der Klimawandel Auslöser dafür? Nehmen Schlammlawinen und Bergstürze zu? Wie sieht die aktuelle Situation in Salzburg aus? Das Landes-Medienzentrum hat über dieses Thema mit Geologe Ludwig Fegerl vom Land Salzburg gesprochen.

LMZ: Sind Ereignisse wie die Felsstürze und Muren diese Woche auf den Klimawandel zurückzuführen?

Fegerl: Hangrutschungen und Felsstürze kommen jahreszeitlich bedingt im Spätwinter und Frühling häufiger vor. Das ist eine ganz normale Situation. Denn einerseits gibt es noch keine Vegetation, die Wasser binden kann, und anderseits fördert der weichende Bodenfrost und viel Schmelzwasser Erosionsprozesse.

LMZ: Hat der trockene Sommer im vergangenen Jahr und der heurige schneereiche Winter Auswirkungen auf Hangrutschungen?

Fegerl: In steilen Lagen, wo es sehr viele Niederschläge gegeben hat, ist sicherlich verstärkt mit Erosion und Rutschungen zu rechnen, in flachen Gebieten hingegen nicht. Generell müssen wir uns nach dem letzten Sommer über den Nachschub für das Grundwasser und unsere Quellen freuen. Was den Böden zu Gute kommt, ist, dass die Schneeschmelze derzeit sehr langsam abläuft.

LMZ: Gibt es besonders gefährliche Stellen im Bundesland?

Fegerl: Natürlich gibt es diese und viele Betroffene haben sich auch aufgrund ihrer Erfahrungen durch eigenständige Schutzmaßnahmen damit arrangiert. Insbesondere die vielfältigen Maßnahmen der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) haben hier massiv zur Sicherheit im Bundesland beigetragen. Einige besonders kritische Bereiche werden technisch überwacht, um gegebenenfalls frühzeitig reagieren zu können.

LMZ: Demnächst soll es einen sogenannten Ereigniskataster geben, der vom SAGIS (Salzburger Geographisches Informationssystem)-Team des Landes entwickelt wurde. Was ist das genau?

Fegerl: Mit SAGIS Mobil können, analog zu SAGIS online, Geodaten des Landes kostenlos und mobil am Smartphone oder Tablet von allen genutzt werden. Nun haben wir mit dem SAGIS Team mit dem sogenannten Ereigniskataster eine Plattform entwickelt, auf der Straßenerhalter, Gemeinden und Organisationen Naturereignisse selbst eintragen und damit dokumentieren können. Nur sehr selten treten Ereignisse erstmalig auf, gerade die Kenntnis der Historie ist für die Einschätzung von Gefahren und Risiken ganz essenziell. Das hilft uns in unserer täglichen Arbeit, um noch treffsicherer und zielgerechteter Schutzmaßnahmen veranlassen zu können.

LMZ: Liegt eine Gefährdung durch eine Rutschung oder einen Felssturz vor, wer informiert sie?

Fegerl: In der Regel werden wir von den Katastrophenschutzreferenten der Bezirke oder dem zuständigen Bürgermeister angerufen. So schnell als möglich klären wir dann vor Ort die Situation und bieten Lösungsvorschläge. 

LMZ: Was ist das Wichtigste an Ihrem Job?

Fegerl: Sich die Sache im Gelände genau anzuschauen, eine gewissenhafte Beurteilung und Prognose vorzunehmen und diese klar zu kommunizieren. Da hilft Erfahrung. Langweilig wird das nie, denn ein Berg kann immer wieder überraschen.

LMZ: Was zählt zu den Aufgaben eines geologischen Amtssachverständigen?

Fegerl: Wir stehen Behörden, Gemeinden, Wegehaltern und anderen Dienststellen in vielen Rechtsmaterien beratend zur Seite. Wir werden unter anderem auch für die Beantwortung von Fachfragen von den Verkehrsträgern (Landesstraßen, Güterwege, Forststraßen, ÖBB, ASFINAG), dem Landeshochbau und vor allem bei der Beurteilung von Naturgefahren hinzugezogen. In Salzburg haben wir gerade was Naturgefahren betrifft, ein gut funktionierendes, bewährtes und schlagkräftiges System in dem alle - Behörden, Sachverständige, Firmen - gut ‚zusammenspielen‘. Gerade auch unseren Straßenmeistereien kommt bei der Betreuung der Landesstraßen hier eine immens wichtige Rolle zu, denn sie sind die ersten die an Ort und Stelle sind und oft auch die ersten, die Probleme beheben und die Verkehrsverbindungen offen halten. INT_190307_10 (ram/mel)

Medienrückfragen: Franz Wieser, Pressesprecher Land Salzburg, Landes-Medienzentrum, Tel.: +43 662 8042-2365, Redaktionshandy: +43 664 3943735

Redaktion: Landes-Medienzentrum