Ein Südtiroler auf dem Landeshauptmannsessel

Oskar Meyer war von 1919 bis 1922 erster Salzburger Landeschef in der Ersten Republik

Salzburger Landeskorrespondenz, 05.04.2019
 

(LK)  Morgen sind es exakt 100 Jahre, dass im Bundesland Salzburg die ersten Landtagswahlen nach dem Ende der Monarchie stattfanden. Der gebürtige Südtiroler Oskar Meyer wurde zweieinhalb Wochen später im neu konstituierten Landtag am 23. April 1919 zum ersten Landeshauptmann der Ersten Republik gewählt.

Mit nur zwei Landeshauptleuten, beide Christlichsoziale, kam Salzburg bis zum Ständestaat beziehungsweise zum „Anschluss“ an das Deutsche Reich aus. Meyer regierte vergleichsweise kurz bis 1922, sein Nachfolger Franz Rehrl bis 1938. Der 6. April 1919 war auch für die bislang nicht wahlberechtigte Hälfte der Bevölkerung ein besonderer Tag: 65.132 Frauen dürften erstmals wählen. Immerhin gehörten mit Aloisia Franek und Maria Simmerle dem neu gewählten Landtag zwei Frauen an.

Der Flüsse gerade bog

Der 1858 in Gries bei Bozen geborene Oskar Meyer studierte in Graz und war anfangs in seiner Heimat für Regulierungsmaßnahmen an der Etsch und im Straßenbau tätig. 1886 wechselte er in den Dienst des Baudepartements der Salzburger Landesregierung und war 25 Jahre lang Bauleiter für die Saalach- und Salzachregulierung.

Vater der Landesverfassung

1919 wurde er einstimmig zum Landeshauptmann gewählt, einer ab diesem Zeitpunkt mit mehr Rechten und Gestaltungsmöglichkeiten als früher ausgestattete Position. Zu seinen Verdiensten zählen die Erstellung einer demokratischen und erstmals republikanischen Landesverfassung sowie die Wahrung der Eigenständigkeit Salzburgs im neuen Bundesstaat. Gleichzeitig herrschte nach dem Ersten Weltkrieg bittere Not im Land, ihm gelang es, die Versorgung der Bevölkerung mit den wichtigsten Bedarfsgütern zu organisieren.

Die ersten Salzburger Festspiele 1920 fallen ebenfalls in seine Zeit als Landeshauptmann. Er kehrte nach seiner politischen Funktion von 1923 bis 1925 als Leiter in den Straßenbaudienst zurück und starb 1943 in Salzburg.

Aug in Aug mit den Landeshauptleuten an ihrem Wirkungsort

Übrigens: Einen Blick auf Oskar Meyer kann man heute Nachmittag ab 13 Uhr beim Tag der offenen Tür im Chiemseehof werfen. Im nur dann öffentlich zugänglichen Regierungssitzungszimmer hängen Porträts aller bisherigen Landeshauptleute seit 1919 in Öl verewigt. Spekulation bleibt freilich, ob der erste Landeshauptmann ein früher Smartphone-Pionier war, wie es die künstlerische Darstellung von Anton Faistauer nahelegen würde. LK_190405_60 (sm/kg)

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