13,2 Millionen Euro Schnee-Schäden in den Wäldern

Schwierige Aufräumarbeiten / In diesem Winter mehr Fälle als in den vergangenen 24 Jahren / Lokalaugenschein in Thalgau

Salzburger Landeskorrespondenz, 02.07.2019
 

(LK) Der Thalgauberg in Thalgau. Motorsägen kreischen, die Forstexperten sind gerade am Aufräumen. Ein Beispiel von vielen, denn der extreme Winter hat Salzburgs Wäldern schwer zugesetzt. Die Schneemassen ließen die Bäume knicken wie Zündhölzer, im ganzen Land wird seit Wochen aufgeräumt. Landesrat Josef Schwaiger kann aus Sicht des Katastrophenschutzfonds eine erste Bilanz ziehen: „Wir erwarten zirka 1.500 Anträge und gehen von 13,2 Millionen Euro Schadenssumme aus. Zum Vergleich: Von 1994 bis 2018 wurden 1.169 Fälle von Schneedruck gemeldet.“

Diese Zahlen lassen erahnen, was in den Wäldern aktuell los ist, wie viel Arbeit – teils gefährliche - dort noch schlummert, um alle Schäden zu beseitigen. „Zahlen sind das eine, aber wir dürfen auch nicht vergessen was es bedeutet, wenn ein Wald, den man seit Jahrzehnten hegt und pflegt, zerstört wird. Es ist sehr mühevoll. Zum Beispiel in einem Lawinenkegel aufzuräumen, wo sich ein Mix aus Bäumen, Ästen und Erde sowie Felsbrocken meterhoch türmt, und die Fläche wieder nutzbar zu machen“, unterstreicht Josef Schwaiger und er fügt hinzu: „Das erfordert viel Arbeit, aber auch Zusammenhalt unter den Geschädigten, wo oft ganze Familien und auch die Nachbarn helfen. Alleine ist man Auge in Auge mit so massiven Schäden oft verloren.“

Waldschäden in vielen Gemeinden

Thalgau, wo Landesrat Josef Schwaiger am Mittwoch die Aufräumarbeiten im Forst besuchte, ist nur eine der vielen von Winterschäden 2019 stark betroffenen Gemeinden. 68 Fälle wurden aus dieser Gemeinde im Flachgau gemeldet, insgesamt werden zirka 1.500 aus dem ganzen Land erwartet. „Die Arbeiten gehen gut voran, wie man hier sieht. Hier gilt den Gemeinden ein großer Dank, die erste Anlaufstelle in Katastrophenfällen sind. In diesen Situationen ist es wichtig, dass die Betroffenen spüren, dass sie nicht alleine sind, dass auch Land, Bund und Einsatzorganisationen für sie da sind“, so Schwaiger.

Auf den Almen ist fast alles Handarbeit

Experten haben berechnet und die Erfahrung zeigt, dass besonders Almen unter Schneeschäden sehr leiden. Hier sind die Aufräumarbeiten schwierig, die Topographie lässt den Einsatz von großen Maschinen oft nicht zu. „200 bis 300 Stunden Handarbeit sind nötig, um eine von einer Lawine zerstörte Alm- oder Weidefläche in der Größe zwischen 1,5 und zwei Hektar frei zu räumen. „Bagger können oft nicht zu diesen Regionen vordringen, daher habe ich größten Respekt vor den Betroffenen, die hier intensiv und fleißig arbeiteten, um die Almen wieder frei zu bekommen“, betont Schwaiger.

Wettlauf gegen den Borkenkäfer

Schadholz ist eine wahre Brutstätte für den Borkenkäfer, daher sieht Landesrat Josef Schwaiger die Aufräumarbeiten wie eine Art Wettlauf gegen diesen Schädling. „Der kalte Mai hat geholfen, aber das Problem wurde leider nur ein wenig verzögert. Gibt es Schadholz, muss schnell reagiert und müssen die Kräfte gebündelt werden, um die Fortpflanzung dieses Schädlings einzudämmen“, erklärt Schwaiger. Eine gute Nachricht gibt es hier: Je höher man hinaufkommt, dasto mehr zeitversetzt entwickelt sich der Borkenkäfer. Ein wichtiges, größeres Zeitfenster für die vielen Waldbesitzer und Forstarbeiter.

Daten und Fakten

  • Seit 1994 wurden dem Katastrophenfonds 7.547 Waldschadensfälle gemeldet. Das bedeutet eine Schadenssumme von 55,3 Millionen Euro.
  • Heuer werden 1.500 Anträge in Bezug auf Winterschäden erwartet. Das ergibt eine erwartete Schadenshöhe von zirka 13,2 Millionen Euro, die Beihilfe wird auf rund vier Millionen Euro geschätzt.
  • Bisherige Anträge seit Jänner 2019: 1.237 Schneedruckschäden, 144 Lawinenschäden, 90 in Sachen Erdrutsch und Vermurungen.
  • Besonders betroffene Gemeinden nach Anträgen: Abtenau (84), Annaberg-Lungötz (48), St. Koloman (65), Henndorf (34), Köstendorf (26), Neumarkt am Wallersee (55), Obertrum (25), Straßwalchen (44), Thalgau (68), Hüttau (58), Eugendorf (29), St. Johann (71), Bischofshofen (38), Großarl (39), St. Veit (30), Wagrain (45), Rauris (28), Unken (28). LK_190702_70 (mel/kg)

 

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Redaktion: Melanie Hutter/Landes-Medienzentrum