Tauender Permafrost vermutlich Auslöser von Felssturz

Landesgeologe ermittelt Ursache / Kammerschartenweg bleibt bis auf weiteres gesperrt

Salzburger Landeskorrespondenz, 05.09.2019
 

(LK)  Nach dem gestrigen Abgang einer Steinlawine oberhalb des Wasserfallboden-Stausees bei Kaprun, der ein Todesopfer und zwei Schwerverletzte gefordert hatte, ermittelten heute Vormittag Experten mögliche Ursachen. „Es wird vermutet, dass tauender Permafrost den Felssturz ausgelöst hat“, so Landesgeologe Rainer Braunstingl, der sich vor Ort ein genaues Bild von der Situation gemacht hat.

Die Abbrüche sind nass, es können noch weitere Nachbrüche folgen, als Auslöser wird aufbrechender Permafrost, auf jeden Fall aber Kluftwasser vermutet, so das Ergebnis der ersten Untersuchungen des Landesgeologen zum gestrigen Felssturz oberhalb des Wasserfallboden-Stausees bei Kaprun. Ein massiger Felssturz von 50 Meter Breite hatte dabei rund 500 Kubikmeter des Kalk-Glimmer-Schiefer-Gesteins in die Tiefe gerissen, ein Todesopfer und zwei Schwerverletzte gefordert.

Gebiet wird weiterhin beobachtet

„Der Kammerschartenweg, der hierbei auf einer Breite von rund 50 Meter verschüttet wurde und von Kaprun aufs Kitzsteinhorn führt, wird für die kommende Woche gesperrt bleiben“, so Braunstingl, der die Situation weiterhin beobachten und sich auch ein Bild darüber machen wird, welche Auswirkungen die prognostizierten Regenfälle der nächsten Tage haben werden.

Weitere 1.500 Kubikmeter absturzbereit

Es lauern weitere 1.500 Kubikmeter Gestein absturzbereit, sie sind entlang von offenen Klüften bereits abgespalten. „Auch diese Masse wird jedoch den Wasserfallboden-Stausee nicht erreichen, da die sogenannte Bärenrinne im unteren Bereich sehr breit wird und einen allfälligen Felssturz noch aufnehmen können wird. Auch der Weg direkt unterhalb der Bärenrinne ist untertunnelt und daher nicht gefährdet.

Klimawandel hat Auswirkungen auf Permafrost

Der Alpenraum reagiert besonders sensibel auf den Klimawandel. So ist laut den Experten in den vergangenen 30 Jahren die Temperatur in den Alpen um zirka drei Grad Celsius gestiegen und damit doppelt so stark wie im globalen Durchschnitt. „Durch diese Erwärmung zieht sich Permafrost in höhere Lagen zurück, bei uns in den Hohen Tauern von zirka 2.400 auf zirka 2.700 Meter, das heißt, er schmilzt ab und löst Steinschlag, Felsstürze und Rutschungen aus“, erläutert der Landesgeologe. LK_190905_11 (ram/grs)

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