Das Blinklingmoos darf wieder ein richtiges Moor sein

Renaturierung in Strobl / Die „Tricks“ der Ökobaustelle

Salzburger Landeskorrespondenz, 19.09.2019
 

(LK) Die Sünden der Vergangenheit beseitigen. Das ist oft viel Arbeit, im Fall des Blinklingmooses in Strobl besonders. Jetzt im Herbst und in einer zweiten Etappe 2020 wird das Moor renaturiert: Kosten insgesamt: 700.000 Euro. „Ein wichtiges und wunderbares Projekt, das uns dieses 20 Hektar große und einmalige Hochmoor wieder in seiner ursprünglichen Form zurückbringen wird. Mehr noch: Es wird wieder wachsen“, unterstrich Naturschutzlandesrätin Maria Hutter beim Beginn der Arbeiten.

Die Superlativen gehen beim Blinklingmoos nicht aus. Es ist eines der am besten erhaltenen Hochmoore Salzburgs, sogar von nationaler Bedeutung, darin sind sich die Experten einig. Hier wurde nie großflächig Torf abgebaut, aber: „Zum Erhalt ist hier viel zu tun. Wir starten das so genannte Wiedernässungsprojekt, um die typische Moorvegetation wieder zurückzubringen. Teilweise wachsen hier Bäume, die hier nur eine Chance haben, weil es durch Menschenhand eben zu trocken ist. Sie gehören hier eigentlich nicht her“, so Landesrätin Maria Hutter, die sich heute selbst ein Bild von der Renaturierung machte.

Bäume werden entfernt, Entwässerungsgräben verschlossen

„Wir haben hier eines der aufwändigsten Moorprojekte Österreichs. Wir leiten die Regeneration ein, damit der Torf nicht weiter zersetzt wird, im Gegenteil - das Moor sogar wieder wachsen kann“, erklärt Bernhard Riehl, der die „Mission Blinklingmoos“ für die Naturschutzabteilung des Landes leitet. In mehreren Schritten darf die Nässe wieder zurückkehren, denn der Moorwasserspiegel war drastisch gesunken. Und das wird gemacht:

  • Bäume, vor allem Fichten, werden entfernt.
  • Noch jetzt im September werden alte Entwässerungsgräben verschlossen. Das Regenwasser bleibt also wieder im Moor, der Wasserspiegel wird angehoben.
  • Die größeren Gräben werden dabei mit Spundbohlen aus Recycling-Kunststoff „versiegelt“, sie wirken wie ein großer Stöpsel und haben sich auch bei anderen Projekten in Europa bewährt.
  • Kleinere Gräben werden mit Torf und/oder Holzbohlen abgedichtet. Alles wird mit Torf und Vegetation abgedeckt, von den Maßnahmen ist innerhalb kürzester Zeit nichts mehr zu sehen.
  • 2020 folgt dann die zweite Etappe. Hier wird der Damm der alten Ischlerbahntrasse durch Schotter-Sickerriegel durchlässig gemacht. So werden der kleine Moorteil südlich der Trasse und der große Nordteil wieder zusammenwachsen.

„Bautricks“ schonen das Moor

Um während der Bauzeit die empfindliche Vegetation zu schützen, greifen die Naturschützer tief in die „Trickkiste“. „Die entfernten Bäume werden ausgeflogen. Dafür wiederum nötiges Material per Helikopter gebracht. Das spart im hochsensiblen Moor viele Fahrten im sensiblen Bereich. Bagger, die teils zum Einsatz kommen müssen, werden mit extrabreiten Ketten ausgestattet, um den Boden dort zu schonen. Es werden auch „Spezialmatratzen“ verwendet, um den Druck der Geräte zu verteilen.

Erlebnis Blinklingmoos

„Ich bin überzeugt, dass das Moor nach der Ökobaustelle ein wertvoller Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten sein wird. Und das macht dieses wunderbare Gebiet auch für Besucher attraktiver, trägt damit zum Bewusstmachen bei, wie wichtig Naturschutz ist“, ist Landesrätin Maria Hutter überzeugt. Und auch das Klima wird entlastet. „Die Torfzersetzung wird gestoppt und damit die Freisetzung von CO2. Im Gegenteil, die abgestorbenen Pflanzen werden hier wie in einem typischen Moor nicht mehr zersetzt, sondern neuer Torf gebildet und damit CO2 gebunden“, erklärt Projektleiter Bernhard Riehl.

Daten und Fakten zur Ökobaustelle

  • Fläche: 20 Hektar
  • Bauzeit: zweimal acht Wochen, Fertigstellung Herbst 2020
  • Verwendet werden 53 Spundwände aus Recycling-Kunststoff (1.050 Laufmeter), 80 Spundwände aus Holz (290 Laufmeter), 25 Grabenverschlüsse ohne Spundwand. LK_190919_70 (mel/sm)

Medienrückfragen: Christian Blaschke, Büro Landesrätin Maria Hutter, Tel.: +43 662 8042-4921, Mobil: +43 664 5917126, E-Mail: christian.blaschke@salzburg.gv.at

Redaktion: Melanie Hutter/Landes-Medienzentrum