Brückenbauer und Vermittler des Menschlichen

Marko Feingold, langjähriger Vorsteher der Israelitischen Kultusgemeinde, im Alter von 106 Jahren verstorben

Salzburger Landeskorrespondenz, 20.09.2019
 

(LK) „Er war ein Brückenbauer und Vermittler, der trotz schlimmster persönlicher Erfahrungen immer das Menschliche, das Verbindende und die Freude am Leben in den Vordergrund gerückt hat“, betonte Landeshauptmann Wilfried Haslauer anlässlich des Ablebens von Marko Feingold, dem bis zu seinem Tod ältesten Salzburger.

Feingold war, so Haslauer, eine stadtbekannte, mutige, phantasievolle und sehr beeindruckende Persönlichkeit mit viel Lebensfreude. Über Jahrzehnte gab er seine Erlebnisse, Erfahrungen und seine Lebenshaltung als Zeitzeuge bei Vorträgen vor Schülern, Studenten, Pfarrgemeinden und Vereinen weiter. Der Diskurs mit jungen Menschen war ihm ein besonderes Herzensanliegen, sah er doch in der Jugend viel Hoffnung und Zuversicht.  „Mit Marko Feingold verliert Salzburg eine ungemein sympathische und positive Persönlichkeit, die bis zuletzt am gesellschaftlichen Leben in Salzburg regen Anteil genommen hat“, so der Landeshauptmann.

Vier KZ durch eine Reihe von Wundern überlebt

Feingold wurde am 28. Mai 1913 in Neusohl (heute Banská Bystrica in der Slowakei) geboren und ist in Wien-Leopoldstadt aufgewachsen. 1939 verhaftete ihn die Gestapo in Prag, bis zu seiner Befreiung durch die US-Armee im April 1945 überlebte Feingold Aufenthalte in den Konzentrationslagern Auschwitz, Neuengamme bei Hamburg, Dachau und Buchenwald, was ihm nach eigenen Angaben nur durch eine Reihe von Wundern gelang. Weil ihm auf der Fahrt nach Wien bei der Demarkationslinie an der Enns der Eintritt in die sowjetische Besatzungszone verweigert wurde, ließ er sich in Salzburg nieder und half jüdischen Flüchtlingen, die überwiegend aus Osteuropa kamen, bei der Flucht über die Alpen nach Palästina. Von 1948 bis 1977 betrieb er ein Modengeschäft in Salzburg und war seit 1978 Vorsteher der Israelitischen Kultusgemeinde in Salzburg. Marko Feingold ist unter anderem Träger des Goldenen Verdienstzeichens und des Goldenen Ehrenzeichens des Landes Salzburg. LK_190920_62 (sm/sab)

Medienrückfragen: Christian Pucher, Büro Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Tel.: +43 662 8042-2325, Mobil: +43 664 88719098, E-Mail: christian.pucher@salzburg.gv.at

Redaktion: Landes-Medienzentrum