Neue High-Tech-Abwasserleitung am Grunde des Fuschlsees

Zweite Seedruckleitung garantiert professionelle Entsorgung / 4,2 Kilometer werden in mehr als 60 Metern Tiefe ├╝berwunden

Salzburger Landeskorrespondenz, 15.10.2019
 

(LK) Was so aussieht wie ein überdimensional großer, schwarzer Wurm, der sich auf der Oberfläche des Fuschlsees ausbreitet, ist in Wirklichkeit eine wichtige Maßnahme für die Reinheit des Gewässers: Um die Abwasserentsorgung des Reinhalteverbandes (RHV) Fuschlsee-Thalgau für die Zukunft noch sicherer zu machen, wird derzeit eine neue, zweite Seedruckleitung verlegt.

 

„Die Abwasserreinigung im Land Salzburg ist vorbildlich und liegt europaweit im Spitzenfeld. Besonders an der hervorragenden Wasserqualität in den Salzburger Seen kann man klar erkennen, auf welch hohem Niveau dies hier Salzburg passiert“, betont Landesrat Josef Schwaiger. Rund 97,5 Prozent der Salzburger Bevölkerung – ein Spitzenwert in Österreich - sind an eine öffentliche Kanalisation und in weiterer Folge an eine kommunale Kläranlage angeschlossen. „Mit der neuen Seedruckleitung wird die Sicherheit der Abwasserentsorgung noch weiter erhöht“, so Schwaiger.

180 bis 200 Laufmeter pro Tag

Baubeginn für die 4,2 Kilometer lange Leitung war Mitte September. Der „Wurm“ wächst jeden Tag zwischen 180 und 200 Meter und überzieht derzeit schon mehr als den halben See. Mitte bis Ende November sollen die Arbeiten abgeschlossen und das Druckrohr auf den Seegrund abgesenkt sein. „Die bestehende Leitung für das Abwasser der Gemeinde Fuschl ist 45 Jahre alt. Mit der neuen, zweiten Seedruckleitung erhöhen wir die Betriebssicherheit und minimieren das Risiko der Verunreinigung des Sees“, erklärt Johann Grubinger, Obmann des (RHV) Fuschlsee-Thalgau, das Projekt. Der Unterwasserkanal ist in 66,7 Metern Tiefe quer durch den See bis zum Strandbad Hof verlegt. In weiterer Folge mündet er in den Sammler, der entlang der Fuschler Ache bis zur Kläranlage im Thalgauer Ortsteil Leithen führt.

Sechs Gemeinden – ein Reinhalteverband

Die Gesamtkosten für das Projekt betragen rund 800.000 Euro. Bund und Land fördern den Bau. Dem 1974 gegründeten RHV Fuschlsee-Thalgau gehören die Gemeinden Eugendorf, Fuschl am See, Hof bei Salzburg, Koppl, Plainfeld und Thalgau mit insgesamt fast 19.000 Einwohnergleichwerten an.

Viele Einzelteile ergeben 4,2 Kilometer

Die Arbeiten sind durchdacht und spektakulär: 18 Meter lange Formstücke aus Polyethylen werden an Land zusammengeschweißt, mit Betonfertigteilbauteilen beschwert und anschließend in den See geschoben. Viele Einzelteile ergeben so das 4,2 Kilometer lange Ganze. Die Beschwerungsgewichte (insgesamt 1.500 Stück zu je 86 Kilogramm) sind so ausgelegt, dass die mit Luft gefüllte Druckleitung zur Hälfte über der Wasseroberfläche schwimmt. Wenn die Leitung fertiggestellt ist, wird diese auf die Trasse parallel zur bestehenden Seedruckleitung befördert und mit Wasser langsam gefüllt. Dadurch wird ein kontrolliertes Absenken der Seedruckleitung auf die gewünschte Trasse sichergestellt.

Neue Leitung und neues Retentionsbecken

Der neue Kanal durch den See geht zurück auf eine Empfehlung in einer Studie der Universität für Bodenkultur, die im Jahr 2015 die Abwasserentsorgung von Seeleitungen überprüft hat. Für den RHV Fuschlsee-Thalgau wurde der Neubau eines Retentionsbeckens und die Verlegung einer zweiten Seedruck-oder alternativ einer Landleitung empfohlen. Die Variantenuntersuchung hat ergeben, dass die Verlegung der zweiten Seeleitung im Tiefenwasser des Fuschlsees die ökologisch, technisch und wirtschaftlich sinnvollste Lösung darstellt. Das zusätzliche Retentionsbecken inklusive Sandfang, Druck- und Mengenüberwachung auf Fuschler Gemeindegebiet wurde bereits vor rund zwei Jahren errichtet.

Abwasserentsorgung im Land unter einem Dach

Mit der Gründung der Reinhalteverbände in den 1970er Jahren schlossen sich Gemeinden zusammen, um die Abwasserreinigung gemeinsam und effizient zu betreiben. Diese Zusammenarbeit erfolgt auch mit den benachbarten Bundesländern Oberösterreich, der Steiermark und Kärnten sowie grenzüberschreitend mit Bayern. Derzeit sind 100 Gemeinden in 25 Abwasserverbänden organisiert. Die restlichen 19 Orte haben eigene Abwasserreinigungsanlagen. Interessenvertretung der kommunalen Kläranlagen ist der Dachverband Salzburger Abwasser. Zusätzlich gibt es rund 1.760 Einzelkläranlagen für Objekte in Streulage, wo der Anschluss an einen öffentlichen Kanal wirtschaftlich nicht mehr vertretbar ist.

Seit 50 Jahren saubere Seen

Die geordnete Abwasserentsorgung rund um die großen Seen erfolgt entweder mit Ringleitungen und Pumpwerken oder eben mit Seedruckleitungen, die das gesammelte Abwasser zu einer Reinigungsanlage leiten. Außer im Fuschlsee (1975, Länge von 4.200 Meter) wurden solche Leitungen auch noch im Grabensee 1.620 Meter,) im Wallersee (zwei Leitungen 1973 und 2001, je rund 3.750 Meter) sowie im Wolfgangsee (1985, neun Leitungen mit insgesamt 18,9 Kilometern Länge) verlegt. Der Reinhalteverband Trumerseen hat die Seeleitung im Jahr 2018 durch eine neue Langleitung ersetzt und betreibt nun keine Abwasserdruckleitung mehr. LK_191015_20 (kg/mel)

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Redaktion: Landes-Medienzentrum