Heroes sind wichtige Brückenbauer in Salzburg

Junge Männer beraten junge Männer / Interview mit Gruppenleiter und Autor Jad Turjman

Salzburger Landeskorrespondenz, 24.10.2019
 

(LK)  Bei Heroes werden junge Männer mit Migrationshintergrund zu Rollenvorbildern für ein friedliches Miteinander ausgebildet. „Unsere Heroes setzen sich für das gleichberechtigte Zusammenleben ein. Sie werden bei dem Projekt selbst gestärkt und können ihre Erfahrungen in Schulen oder im Freundeskreis weitergeben“, so Landesrätin Andrea Klambauer anlässlich des Impulstages bei akzente Salzburg.

„Rollenbilder von Männern und Frauen sind in den verschiedenen Kulturen unterschiedlich geprägt. Und genau das wird neben Themen der Identität, Ehre Männlichkeit und Gewalt bei dem Projekt Heroes zur Sprache gebracht“, sagt Andrea Klambauer, die den Impulstag initiiert hat. Mit dabei sind heute Experten wie Zoe Lefkofridi, Politikwissenschafterin an der Uni Salzburg, Fabian Reicher von der Beratungsstelle Extremismus, und Mario Tellez Giron Carmona sowie Robert Miksch von akzente Salzburg.

15 Heroes in Salzburg

15 Heroes wurden seit Start des Projektes vor drei Jahren ausgebildet. Sie haben allesamt Migrationshintergrund, kommen aus Syrien, Afghanistan, Tschetschenien oder der Türkei und sind zwischen 16 und 23 Jahre alt. Das Landes-Medienzentrum (LMZ) hat mit Heroes-Gruppenleiter und Autor Jad Turjman gesprochen. Er kam 2015 selber als Flüchtling von Syrien nach Österreich und hat das Buch „Wenn der Jasmin auswandert“ in deutscher Sprache verfasst.

LMZ: Was ist das Ziel von Heroes?

Turjman: Es geht darum, dass wir Thematiken wie Rassismus und Diskriminierung nicht mehr aus der Opfer- oder Täterperspektive, sondern mit einer positiven Haltung anschauen und einfach auf die Dinge sachlich und entspannt zugehen. Und dass wir uns mit Fragen auseinandersetzen, warum es Menschen auf dieser Welt gibt, die für besser, klüger, schöner oder zuverlässiger gehalten werden. Das ganze Projekt ist männerorientiert, geht jedoch primär zu Gunsten der Frauen, die beispielsweise als selbstbestimmt und gleichberechtigt gesehen werden.

LMZ: Welche Rolle nehmen die Heroes ein?

Turjman: Ihre Rolle ist es, Brücken zu bauen. Die Erfahrung, die sie mit den Jugendlichen hier und dort gemacht haben, ist, dass beide Seiten eigentlich bereit sind, miteinander zu reden. Es wäre auch viel zu banal zu sagen, es gibt „die“ Einheimischen und „die“ Ausländer, denn beide Gruppen sind sehr komplex. Und genau hier setzen wir an, indem wir für einen sachlichen Dialog sorgen.

LMZ: Wie schaut eure Arbeit in der Praxis aus?

Turjman: Sie ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Erstens bilden wir Heroes aus, das sind vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund, die eine etwas liberalere Haltung haben. Sie kommen ein Jahr lang einmal pro Woche zu uns, wo wir dann über verschiedene Themen sprechen: Ehre, Sexualität, Gewalt, Bildung, Ethik und so weiter. Jedes Monat behandeln wir ein neues Thema. Im Anschluss gehen wir mit ihnen, die zu wichtigen Multiplikatoren geworden sind, gemeinsam in die Schulen, um Workshops abzuhalten.

LMZ: Ein Tipp von dir, wie man Vorurteilen am besten begegnet?

Turjman: Nicht mit Aggression und Wut, sondern mit Sachlichkeit und einer positiven Haltung. Und auch sich selber hinterfragen, was man beispielsweise von Traditionen oder dem Umfeld mitbekommen hat. Das ist natürlich nicht einfach, denn man muss seine eigene Komfortzone verlassen, und das ist ein mühsamer, oft vielleicht auch schmerzhafter Prozess.

Einen Heroes-Workshop „buchen“

Gebucht werden können die Heroes unter heroes@akzente.net. Sie kommen dann gemeinsam mit einem Gruppenleiter und reden Klartext. Auf Augenhöhe wird dann meist über Tabuthemen gesprochen - offen und authentisch. INT_191024_10 (ram/mel)

Medienrückfragen: Melanie Reinhardt, Büro Landesrätin Andrea Klambauer, Tel.: +43 662 8042-4910, Mobil: +43 664 5405895, E-Mail: melanie.reinhardt@salzburg.gv.at

Redaktion: Monika Rattey/Landes-Medienzentrum