„Autobahnraststation“ aus der Römerzeit wiederentdeckt

Salzburger Wissenschafter brachten nach 100 Jahren Licht ins Dunkel / Tarnantone in Neumarkt-Pfongau lokalisiert

Salzburger Landeskorrespondenz, 30.10.2019
 

(HP)  Wo genau liegt Tarnantone? Dahinter verbirgt sich die erste Station östlich von Iuvavum (Salzburg) auf dem römischen Hauptverkehrsweg nach Ovilava (Wels). Dieser „weiße Fleck“ auf der Landkarte des Imperium Romanum beschäftigte die Wissenschaft seit mehr als 100 Jahren. Nun endlich fanden Salzburger Archäologen mit Hilfe von modernsten geophysikalischen Messverfahren die Lösung, nämlich mitten auf der grünen Wiese südwestlich des Ortsteils Pfongau in Neumarkt am Wallersee.

Die Lage der Straßenstation ist durch die Tabula Peutingeriana belegt, eine mittelalterliche Kopie einer antiken Karte des römischen Imperiums. „Klar war, dass diese sich auf Neumarkter Gemeindegebiet befinden muss. Der genaue Verlauf der Römerstraße war aber bisher in dieser Region nicht bekannt. Durch archäologische, geophysikalische Prospektionen konnte Tarnantone nun lokalisiert werden“, erklärt Landesarchäologe Raimund Kastler.

Wie man in Salzburg vor 2.000 Jahren lebte

„Das langjährige Engagement des Ausgrabungsteams war erfolgreich. Es hat neue Erkenntnisse zur Römerzeit zutage gebracht und damit weiteres Wissen über die Entstehungsgeschichte von Salzburg. Mein Dank richtet sich daher an die Landesarchäologie und das Ausgrabungsteam für ihre Ausdauer, Landesgeschichte zu erforschen und zu bewahren“, betont Kulturreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn.

So weit die Ochsen laufen konnten

Für die Organisation und Regierung der Provinzen des römischen Reiches war die Straßeninfrastruktur ein wesentliches Mittel. In geregelten Abständen wurden Stationen für den Reiseverkehr angelegt. Die Distanzen dazwischen orientierten sich an der Tagesleistung eines Ochsengespanns (maximal 25 Kilometer), dem wichtigsten Transportelement der Antike. Diese erfüllten Funktionen ähnlich einer modernen Autobahnraststation, also Pferdewechsel, Reparaturen, Übernachtung, Hygiene und Verpflegung. Gelegentlich siedelten sich rundherum weitere Baulichkeiten und Gewerbe an, wodurch diese dann den Charakter einer Straßensiedlung erhielten.

Noch heute auf antiken Spuren unterwegs

Meilensteinfunde belegen, dass die heutige Wiener Straße B1 in weiten Teilen der bis in die Neuzeit genutzten Römerstraße entspricht. Zwischen Henndorf am Wallersee und Straßwalchen ist der Verlauf allerdings durch die Gründung Neumarkts im Jahr 1240 vollkommen verändert. 1992 wurde man erstmals auf die Fundstelle in Pfongau aufmerksam, interpretierte diese aber als Gutshof. Mit Förderung des Bundesdenkmalamtes wurden im Oktober des Vorjahres abermals geophysikalische Messungen durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass die Baureste an einer rund zehn Meter breiten linearen Trasse, wohl der antiken Straße, angelegt sind. „Mit der Identifikation von Tarnantone und der Möglichkeit zur weiteren Verfolgung des Straßenverlaufs kann der Salzburger Anteil der Römerstraße zwischen Iuvavum und Ovilava nun endlich vollständig erforscht werden“, so Landesarchäologe Kastler.

Wo die Oberschicht wohnte

Nicht weit von der Tarnantone entfernt, nämlich nur rund 1,2 Kilometer, befindet sich der römische Gutshof von Pfongau, der seit 2008 durch die Landesarchäologie am Salzburg Museum und die Universität Salzburg untersucht wird. Die Auswertung der Funde sowie Radiokarbonanalysen zeigen, dass die Villa rustica vom 1. bis in das 4. Jahrhundert genutzt wurde. Zudem wurden prähistorische Besiedlungsspuren sowohl aus der Bronze-, als auch der Eisenzeit festgestellt. Gehortete Metallobjekte, aber auch ein Schwert verweisen auf unruhige Zeiten im 3. Jahrhundert, die zum Niedergang des Anwesens beigetragen haben könnten. Einzelne Objekte wie ein bereits in den späten 1980er Jahren gefundenes Parfümgefäß in Form eines menschlichen Kopfes, kleine Fragmente eines Silberbechers, aber auch Bronzestatuetten zeugen vom Wohlstand der einstigen Besitzer, die sicher zur Oberschicht der Region gehörten. LK_191030_22 (kg/grs)

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Medienrückfragen: Raimund Kastler, Landesarchäologe am SalzburgMuseum, Tel.: +43 664 3046820, E-Mail: raimund.kastler@salzburg.gv.at

Redaktion: Landes-Medienzentrum