Des Erzbischofs Legionäre

Salzburger mussten als Soldaten im Ausland den Kopf hinhalten

Salzburger Landeskorrespondenz, 28.11.2019
 

(LK)  Warum das geistliche Fürstentum eine eigene, wenn auch kleine Armee unterhielt, welcher geistliche Landesherr den Segen aus Rom für das Töten im Kampf anforderte, warum die Wiener auch Salzburger Soldaten ihre Befreiung zu verdanken haben, wo erzbischöfliche Regimenter den Franzosen Einhalt geboten und wem ein Salzburger Spitzenmilitär zuletzt auf dem Balkan Befehle erteilte, spürt dieser kriegerische Salzburger Grenzfall mit versöhnlichem Ausgang nach.

Salzburger blieben dank geschickter Politik ihrer Herrschenden über viele Jahrhunderte von kriegerischen Aus­einandersetzungen im eigenen Land verschont. Dieses Fernhalten von äu­ßeren Bedrohungen hatte aber auch ei­nen Preis: Erzbischöfe waren aufgrund ihres Fürstenstatus Mitglied im Reichs­deputationstag. Für Salzburg bedeute­te das, an bewaffneten Konflikten im Reich mit Soldaten und Material teil­nehmen zu müssen.

Nachträgliche Lizenz zum Töten

Kämpfende Truppen eines geistlichen Fürstentums hatten auch am Übergang zur Neuzeit eine schiefe Optik. Matthäus Lang, der 1504 an der Seite von Kaiser Maximilian an der blutigen Schlacht von Wenzenbach bei Regensburg teilgenommen hatte, besorgte sich als Erzbischof eigens eine päpstliche Erlaubnis – danach allerdings.

Schutz vor den Osmanen

Schon die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453 hatte die Salzburger Herrscher bewogen, zehn Prozent des eigenen Volks zu bewaffnen und mit Söldnern aufzustocken. Der Dreißigjährige Krieg, aus dem sich Salzburg heraushalten konnte, führte unter Paris Lodron zu einem Ausbau der Befestigungen und zu einem ständig bereiten Heer, das in der alten „Thürnitz“ im Bereich des heutigen Hanuschplatzes in der Landeshauptstadt stationiert war. Einsätze außerhalb des Landes blieben nicht aus.

Salzburger Blutvergießen auf dem Balkan

Hunderte Salzburger kämpften gegen das Osma­nische Reich und waren 1683 auch an der Befrei­ung Wiens beteiligt. „Auf den Schlachtfeldern von Mohács, Belgrad, an der Zenta und am Balkan lie­ßen Salzburger Reichskontingente in den folgen­den eineinhalb Jahrzehnten unter kaiserlichen Feldherren für das Weiterbestehen des Abend­landes ihr Leben“, erklärt Militärhistoriker Kurt Mitterer.

Im Clinch mit den Franzosen

Salzburg mangelte es lange Zeit an Führungskräften, seine Soldaten kämpften daher notgedrungen unter fremdem Befehl. Ab 1701 sollte der Ruperti-Ritterorden dem abhelfen, indem junge Salzburger Adelige für Militärkarrieren vorbereitet wurden. Schon wenige Jahre später verteidigten im Spanischen Erbfolgekrieg Salzburger Soldaten etwa die Stadt Freiburg im Breisgau nahezu in Regimentsstärke gegen die Franzosen. Rund 1.500 Mann waren in ständigem Kriegseinsatz. 1799 belagerten und bombardierten französische Revolutionstruppen die Festung Philippsburg bei Karlsruhe. Unter den Verteidigern waren wiederum viele Salzburger Truppen, deren kärgliche Reste zwei Jahre später in das Fürsterzbistum, das knapp vor seiner Auflösung stand, zurückkehrten.

Unfreiwillige Seitenwechsel

Die napoleonischen Wirren stellten danach das Militärwesen auf den Kopf. Salzburger mussten 1809 für die Habsburgermonarchie kämpfen und ab 1812 für die Bayern in den Krieg ziehen. Bis ins heutige Litauen gelangten Salzburger Soldaten bei Napoleons Russlandfeldzug und trafen dort auf Landsleute, die ab 1731 aufgrund ihres Glaubens aus Salzburg ausgewiesen worden waren.

Im Einsatz für den Frieden

Die militärische Tradition der Salzburger Soldaten im Auslandseinsatz wird auch in der Gegenwart fortgesetzt – freilich unter geänderten Vorzeichen. Im Vordergrund steht die Mitarbeit des Bundesheeres bei der Friedenssicherung. „Für uns selbstverständliche Errungenschaften wie Sicherheit und Demokratie werden keine 500 Kilometer von der österreichischen Staatsgrenze täglich auf die Probe gestellt. Es ist eine herausfordernde und ehrenvolle Aufgabe zugleich, im Verbund mit weiteren europäischen Soldaten ein geregeltes Miteinander der Bevölkerung abzusichern“, berichtet der Salzburger Militärkommandant Anton Waldner, der bis 2018 ein Jahr lang als Kommandant der multinationalen Truppe der EU 800 Soldatinnen und Soldaten aus 19 Ländern in Bosnien befehligte.

Kurioses über Grenzen hinweg

Die Salzburger Grenzfälle versammeln Kuriositäten rund um die Grenzen Salzburgs und bilden eine aufschlussreiche Lektüre zu Geschichte, Landeskunde und Politik des Landes. Autor Stefan Mayer beschäftigt sich seit 2002 mit grenzfälligen Besonderheiten in und um Salzburg, die bereits vier Bücher füllen. Band 4 kann per E-Mail an landesmedienzentrum@salzburg.gv.at und unter +43 662 8042-2417 um 6,90 Euro bestellt werden. Band 5 erscheint Mitte Dezember und kann bereits vorbestellt werden. Digitale Versionen aller vier Bände stehen unter www.salzburg.gv.at/grenzfaelle kostenlos zur Verfügung. LK_191128_61 (sm/ram)

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