Europa einfach machen

Interview mit der Landespreisträgerin für Zukunftsforschung Ulrike Guérot

Salzburger Landeskorrespondenz, 13.11.2019
 

(LK)  Die Politikwissenschafterin und Publizistin Ulrike Guérot erhält heute den Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung. „Sie formuliert ihre Vorstellung einer europäischen Integration mit Leidenschaft und verlässt dabei den scheinbar bequemen Weg, um uns zum Nachdenken über neue Ideen zu bringen“, gratulierten Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn und Landesrätin Andrea Klambauer. 

Ulrike Guérot ist seit 2016 Professorin an der Donau-Uni Krems und leitet dort das Departement für Europapolitik und Demokratieforschung. Ihre beiden Bücher „Warum Europa eine Republik werden muss! Eine politische Utopie“ und „Der neue Bürgerkrieg – das offene Europa und seine Feinde“ gelten als Meilensteine in der neueren Debatte über die Zukunft der Europäischen Union. Stefan Mayer vom Landes-Medienzentrum (LMZ) hat mit ihr über ihre Thesen gesprochen.

LMZ: Ist Europa jetzt kompliziert oder einfach?

Guérot: Europa ist einfach, aber die EU ist kompliziert. Wir haben in der EU eine Demokratie gebaut, die nicht unseren nationalstaatlichen Demokratien entspricht. Daher braucht die EU mehr Legitimität, so wie sie etwa in Österreich und Deutschland selbstverständlich ist.

LMZ: Woher kommt der Gegenwind, wenn wir die EU weiterdenken?

Guérot: Wer mit einem Finger auf Populisten zeigt, die vermeintlich Europa zerstören, soll auch auf die drei Finger schauen, die zurückzeigen. Boris Johnson hat schon Recht, wenn er sagt „Ich habe keine Kontrolle“. Das gilt es ernst zu nehmen. Der Binnenmarkt, auf dem die EU gründet, schert sich nicht um das Gemeinwohl.

LMZ: Auf welchem Kontinent Europa wollen Sie in zehn, zwanzig Jahren leben?

Guérot: (lacht) Was soll ich da jetzt sagen? Als europäische Kosmopolitin habe ich Freunde in jeder Ecke von Europa. Ich habe verstanden, dass Europa so klitzeklein ist, dass ich fast mit der U-Bahn durchfahren kann. Wir sollten begreifen, wie klein unser Kontinent im Vergleich zur Welt und dessen enormen Kulturreichtum nutzen. LK_191113_60 (sm/mel)

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Redaktion: Stefan Mayer/Landes-Medienzentrum