Weitere Murenabgänge und kleinräumige Überflutungen erwartet

Mehr als 800 Einsatzkräfte im Pinzgau, Pongau und Lungau / Insgesamt vorsorglich 54 Häuser evakuiert / Zivilschutzwarnung für vier Gemeinden / Zentrum von Zell am See nicht erreichbar

Salzburger Landeskorrespondenz, 17.11.2019
 

(LK)  In den südlichen Teilen des Landes haben heftige Regenfälle zu Murenabgängen und zu einer regional angespannten Hochwassersituation geführt. Für die Gemeinden Muhr im Lungau, Bad Hofgastein, Großarl und Hüttschlag wurde Zivilschutzwarnung ausgegeben: Die Bevölkerung wird auf Grund der Wetterlage aufgefordert, in den Häusern zu bleiben. Im Pinzgau, Pongau und Lungau wurden vorsorglich 54 Häuser evakuiert.

Das Ortszentrum von Zell am See ist bis auf weiteres weder für den Individualverkehr noch öffentlich erreichbar. Es gibt keine Ein- oder Ausfahrtsmöglichkeiten in den Ortskern. In den Bezirken Zell am See und St. Johann im Pongau wurden Einsatzstäbe eingerichtet, von dort werden alle Arbeiten koordiniert und mit den Einsatzkräften abgewickelt. Die Experten des Hydrografischen Dienstes rechnen damit, dass sich zumindest die Hochwassersituation in den Nachtstunden entspannen wird. Weiterhin kritisch bleibt die Murensituation aufgrund von Starkregen in den betroffenen Regionen.

Muren in siedlungsnahen Bereichen

Besonders zugespitzt hat sich heute Nachmittag die Lage im Pongau. In den Gemeinden Großarl, Hüttschlag und Bad Hofgastein sind einige Muren in siedlungsnahen Bereichen abgegangen, und die Hochwasserlage hat sich verschärft. Im Pongau sind aktuell insgesamt 13 Feuerwehren bei 55 Einsätzen mit mehr als 200 Mann vor Ort.

Einsatzschwerpunkte im Pinzgauer Zentralraum

Im Pinzgau stellt der Zentralraum mit Zell am See, Bruck und Fusch den Einsatzschwerpunkt dar. Das Ortszentrum von Zell am See ist derzeit nicht erreichbar. Auch dort sind die Einsatzkräfte vor allem durch Murenabgänge und lokale Überflutungen stark gefordert. Im Pinzgau sind die Gemeinden Viehofen, Saalbach, Lend-Embach, Rauris, Taxenbach, Fusch, Zell am See, Piesendorf, Niedernsill, Uttendorf, Königsleiten und Stuhlfelden betroffen. Derzeit nicht erreichbar sind neben dem Zentrum der Bezirkshauptstadt Embach, Teile von Thumersbach, das hintere Raurisertal, der Ortsteil Brandenau in den Gemeinden Bruck und Taxenbach. 23 Gebäude wurden evakuiert.

Lawinen- und Murengefahr in Muhr

Im Lungau mussten insgesamt 24 Häuser, in Ramingstein acht, in Zederhaus eines und in Muhr im Lungau 15 evakuiert werden. Zivilschutzwarnung wurde für die Gemeinde Muhr ausgelöst, denn dort herrscht erhöhte Muren- und Lawinengefahr.

Regen lässt nach, Böden extrem gesättigt

Durch die langanhaltenden intensiven Niederschläge eines Italientiefs sind im Oberpinzgau, Mitterpinzgau und Pongau seit Freitag erhebliche Regenmengen (bis zu 150 Millimeter) gefallen. Bis zum Abend wird laut Prognosen der ZAMG mit weiterem ergiebigen Niederschlag gerechnet, in der Nacht soll der Regen nachlassen. Auf Grund der Sättigung der Böden wird mit weiteren Murenabgängen gerechnet.

Saalach und Salzach haben Meldegrenzen erreicht

Im Ober- und Mitterpinzgau ist es bereits zu erhöhten Pegelständen der Flüsse gekommen, diese werden auch teilweise weiter ansteigen. Das teilte der Hydrographische Dienst des Landes mit. Im Saalach-Einzugsgebiet wurden in Weißbach und Saalfelden die Warngrenzen erreicht. Die Salzach hat am Pegel Wallnerau die Meldegrenze erreicht. Im Bereich Großarltal und Gasteinertal steigen die Pegelstände weiterhin auf Grund von anhaltenden Niederschlägen an.

Prognose: Hochwassersituation entspannt sich

„Insgesamt wird die Hochwassersituation aus aktueller Sicht an den großen Fließgewässern als für die Jahreszeit ungewöhnlich, aber nicht kritisch eingestuft. Die Wasserführung an der Saalach und Großarlerache entspricht einem kleineren Hochwasser“, erläutert Johannes Wiesenegger, Leiter des Hydrographischen Dienstes. Es wird damit gerechnet, dass sich die Hochwassersituation in den Nachtstunden entspannen wird.

Straßensperren

  • Die B311 Pinzgauer Straße ist wegen Murenabgang zwischen Schwarzach und Lend (km 16,4) bis auf weiteres gesperrt (Umfahrung nur großräumig über Deutsches Eck möglich).
  • Die L216 Dientner Straße ist wegen Murenabgang zwischen Lend und Dienten (km 1 bis 5) bis auf weiteres gesperrt (Umfahrung über B164 Hochkönig Straße, Dientner Sattel, möglich).
  • Die L109 Großarler Straße ist wegen mehreren Überflutungen (beginnend ab km 10,5 Langstegbrücke) bis auf weiteres gesperrt.
  • Die L231 Göriacher Straße ist wegen umgestürzter Bäume nur bis zum Ortsteil Laser (km 1,2) befahrbar. Vom Ortsteil Laser bis km 4,2 ist die L231 Göriacher Straße bis auf weiteres für jeden Verkehr gesperrt (Umfahrung über Gemeindestraße möglich).
  • Die B95 Turracher Straße ist wegen Murenabgang zwischen Tamsweg und Madling (km 93,2) bis auf weiteres gesperrt (Umfahrung über B96 Murtal Straße möglich).

LK_191117_12_Stand 18.00 Uhr (ram/fw/grs)

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