Im Einsatz, wenn es rutscht

Landesgeologen beurteilen Gefahren, sperren Straßen und gehen berufsmäßig häufig in die Luft

Salzburger Landeskorrespondenz, 20.11.2019
 

(LK)  Ihr Fachwissen ist in diesen Tagen besonders gefragt: Rainer Braunstingl, Gerald Valentin und Ludwig Fegerl kennen die Problemhänge im ganzen Land in- und auswendig. Denn als Landesgeologen schätzen sie ein, wo Gefahr droht und wie rutschende Wiesen und Gesteinsmassen unter Kontrolle gebracht werden können.

Gerade hat Braunstingl eine Beurteilungsrunde im Lungau abgeschlossen. „Murabwärts von Tamsweg haben wir einige Muren und Rutschungen oberhalb der Turracher Straße begutachtet und konnten drei Häuser, die seit Sonntag evakuiert waren, wieder freigeben“, erklärt Braunstingl, der als Leiter des Landesgeologischen Diensts den Lungau seit mehr als 30 Jahren weit mehr als nur oberflächlich kennt. „Vor allen die Gräben und das Flussbett der Mur sind durch vom Schnee umgestürzte Bäume verklaust. Das Wasser staut sich und lässt wiederum die Hänge ins Rutschen geraten.“

Noch keine Entwarnung für den Pongau

In Spähposition im Helikopter oder auf hochalpinen Kletterwegen - der Arbeitsplatz für seinen Kollegen Gerald Valentin ist bisweilen extrem. „Für den Pongau kann noch keine Entwarnung gegeben werden. In einzelnen Bereichen herrscht immer noch akute Gefahr. Es ist nicht auszuschließen, dass weitere Rutschungen stattfinden. Deshalb habe ich noch heute im Bad Gasteiner Ortsteil Remsach und in Bad Hofgastein am Faschingberg weitere Evakuierungen empfohlen“, so der staatlich geprüfte Berg- und Skiführer, zu dessen beruflichen „Heimatbezirken“ der Pongau, der Lungau und Teile des Tennengaus zählen.

Aufräumarbeiten absichern

Jüngster im Dreier-Team ist Ludwig Fegerl. Sein Spezialgebiet: der Pinzgau. „In Rauris versuchen wir gerade Tiere bei einem Bauernhof vor einer gefährlichen Rutschung zu bewahren. In der Nähe ist bei einem weiteren Gehöft die Trinkwasser-Versorgung zerstört worden. Hier geht es darum, wie man gefahrlos eine Ersatzquelle erschließen kann. Ganz wichtig ist es, jetzt die Landesstraßen wieder sicher freizuräumen. Dabei gilt es, die dafür notwendigen Sicherungsmaßnahmen festzulegen“, so der dritte der Geologen des Landes.

Unter Beobachtung: Die Problemkinder in Fels und Hängen

Und: „Natürlich kennen wir die ‚Problemkinder‘ der anderen Gebiete sehr genau, um uns gegenseitig vertreten zu können. Schließlich muss es rasch gehen, wenn Gefahr durch herunterdonnernde Felsen oder zerstörerische Muren droht“, so Rainer Braunstingl.

Millimeter können entscheidend sein

Doch nicht nur als Krisenfeuerwehr sind die Landesgeologen für Einsatzkräfte und Behörden wichtig, sondern auch als kundige Beobachter von Veränderungen im Gestein. Dafür werden spezielle Messinstrumente an den Problemzonen eingesetzt, auch eine Langzeitüberwachung mit Kameras hilft, in Bewegung geratenes Gestein im Auge zu behalten. Hier kommt auch Vermesser Thomas Leikauf ins Spiel. Er ermittelt selbst kleinste Verschiebungen in Fels und Boden. „Das können oft nur wenige Millimeter sein, die oberflächlich gar nicht entdeckt werden können. Aber sie sind entscheidend, ob Gefahr in Verzug ist“, so der Vermessungstechniker, für den Felsanker, Radarmessgeräte oder Kluftspione zur Grundausstattung gehören. REP_191120_60 (sm/ram)

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