Stadtverkehr soll entflechtet werden

Öffi-Steuerungsgruppe von Stadt, Land und Umlandgemeinden präsentiert erste Maßnahmen

Salzburger Landeskorrespondenz, 19.11.2019
 

(LK) Der Stadtverkehr soll entflechtet, die Takte nach und nach an die Ziel-Fahrpläne angepasst und aufeinander abgestimmt werden. „Die Steuerungsgruppe liefert nun erste Ergebnisse, auf deren Basis Liniennetzpläne erstellt werden sollen. Mit den gewonnenen Daten werden wir jetzt intensiv weiterarbeiten. Bis Mai des kommenden Jahres wollen wir fertige Ziel-Fahrpläne“, beschreiben Vizebürgermeisterin Barbara Unterkofler und Landesrat Stefan Schnöll das Tempo, das die Politik von Stadt und Land nachdrücklich vorgibt.

Gemeinsam mit der für Verkehr in der Landeshauptstadt ressortzuständigen Vizebürgermeisterin Barbara Unterkofler präsentierte Schnöll nach einer Sitzung der politischen Steuerungsgruppe für den öffentlichen Verkehr von Stadt, Land und Umlandgemeinden erste Ergebnisse der Arbeitsgruppe. „Wir wollen gemeinsam weiterkommen. Ziel ist es, die Öffis in Stadt und Land voranzubringen und die Leute zum Umsteigen zu bewegen. Erste Maßnahmen wurden sofort beauftragt, das große Ganze soll bis Mai entscheidungsreif auf dem Tisch liegen“, skizzierten Schnöll und Unterkofler den weiteren Fahrplan.

Durchgängige Takt-Fahrzeiten in allen Landesteilen

„Das Öffi-Angebot muss kundenfreundlich, zum Individualverkehr konkurrenzfähig und attraktiv sein, damit es auch genutzt wird“, ist Verkehrslandesrat Schnöll überzeugt: „Wir haben daher gemeinsam mit den Experten grobe Leitlinien formuliert, die künftig erfüllt werden müssen. Wir wollen einen durchgängigen und nachvollziehbaren Takt und damit auf einander abgestimmte Fahrpläne.“ Die Linien sollen möglichst direkt und für Hin- und Rückfahrt gleich geführt werden. Außerdem soll eine Angebotsqualität erreicht werden, die zum Umsteigen bewegt. Schnöll: „Für uns heißt das als Ziel formuliert: einen 7,5 Minuten-Takt in der Stadt, alle 15 Minuten ein Öffi im verdichteten Raum rund um die Stadt, einen 30-Minuten-Takt von und zu den regionalen Zentren und eine Mindestabdeckung im ländlichen Raum mit einem Bus oder Zug pro Stunde.“

Ziel: Öffis an die Bedürfnisse der Salzburger anpassen

In einem nächsten Schritt werden nach der vielseitigen Datenerhebung alle Infos miteinander verknüpft. „Das Übereinanderlegen von Pendlerstromanalsyse und Mobildaten-Auswertung gibt uns einen Überblick über die Arbeitswege aber auch die Freizeitwege der Salzburger. Mit diesen Infos werden wir nun die regionalen Zentren definieren und die Fahrpläne an den Bedürfnissen orientieren“, so Schnöll. Gleiches gilt für die Stadt: „Die Öffis müssen sich an der Nachfrage orientieren. Die Pendlerstromanalyse zeigt, dass 50 Prozent der Pendler in der Stadt Binnenpendler sind, die Stadtgrenze also gar nicht überqueren. Unser Ziel ist es, die Salzburger möglichst direkt von A nach B zu bringen und somit sowohl den Komfort zu erhöhen als auch die Reisezeit zu verkürzen.“, so Unterkofler.

Mit Öffis Zeit sparen

Parallel wurde nun von der Steuerungsgruppe noch eine Auswertung der Reisezeiten und ein Vergleich zwischen dem Individualverkehr und den Öffis in Auftrag gegeben, der bis zum Ende des Jahres vertieft werden soll: „Die Öffis sind immer besonders dann eine gute Alternative, wenn man sich auch noch Zeit erspart“, ist sich Stefan Schnöll sicher und auch mit Vizebürgermeisterin Unterkofler einig, die ergänzt: „Wenn wir die Reisezeiten verglichen haben, können wir besonders in der Stadt schauen, wo der öffentliche Verkehr im Pendlerverkehr Zeit verliert und wo wir zum Beispiel mit Öffi-Beschleunigungsmaßnahmen noch Verbesserungen erreichen können.“

Stadtverkehr entflechten

„Besonders die Altstadt ist regelmäßig mit O-Bussen überladen. Wir bekommen dazu auch viel Feedback von Stadtbewohnern, die sich über zu viele und teils leere Busse beklagen. Jeder, der regelmäßig beim Hanuschplatz ein- oder aussteigt, weiß, dass sich die Busse oft gegenseitig im Weg stehen. Das wollen wir ändern. Dazu werden wir zum einen die Linienführung überarbeiten, um die O-Busse möglichst effizient am tatsächlichen Bedarf auszurichten. Zum anderen brauchen wir aufeinander abgestimmte Takte, zwischen Regional- und Stadtbussen enger abgestimmte Fahrpläne und womöglich auch größere Fahrzeuge, um in Spitzenzeiten auf den Hauptlinien mehr Menschen befördern zu können“, ist Vizebürgermeisterin Barbara Unterkofler überzeugt.

Tangentiallinien zur Verbindung von regionalen Zentren

Ein Ergebnis aus der großen Pendlerstromanalyse und den Handydaten ist die ungenügende direkte Verbindung von regionalen Zentren und Umlandgemeinden. Von Grödig nach Wals oder umgekehrt kommt man beispielsweise nur über einen Umweg über die Stadt Salzburg. „Wir müssen die Umlandgemeinden miteinander verbinden und attraktive Verbindungen schaffen. Umwege über die Stadt will keiner in Kauf nehmen, das macht die Linie dann unattraktiv. Die Pendlerströme und Handydaten belegen, dass es genügend Potenzial gibt, das aber nicht ausgeschöpft werden kann“, so Schnöll.

Sofort-Maßnahmen und kurzfristige Umsetzung

Als erste konkrete Maßnahmen wurde Folgendes vereinbart:

  • 30-Minuten-Takt auf allen regionalen Buslinien in die Stadt Salzburg

  • MEX-Regionalbuslinie 140 von Mondsee über Thalgau bis zum Ginzkeyplatz (ab Dezember 2019)

  • 15-Minuten-Takt zwischen Salzburg und Eugendorf (ab Dezember 2019)

  • Planung einer neuen Anbindung von Wals in Richtung Europark und Salzburg Süd

  • Einheitliche Taktfamilie in Stadt und Land, wo es möglich ist.

„Erste schon auf der Hand liegende Maßnahmen haben wir schon kurzfristig bestellt und für einen wirklichen 30-Minuten-Takt auf allen regionalen Buslinien liegt uns bereits eine Auswertung vor. Auf deren Grundlage legt der Salzburger Verkehrsverbund bis Februar bestellungsreife Konzepte vor“, so Schnöll.

Nächste Schritte

Für die weiteren Schritte wurde folgender Zeitplan fixiert:

  • Vertiefung der Kurzfristmaßnahmen bis Februar 2020, Präsentation dieser und der Liniennetzpläne Ende Februar 2020

  • Abschluss der Wirkungsanalyse der Varianten (Verkehrsmodell), Präsentation des Variantenvergleichs und Entscheidung für ein künftiges Grundkonzept für den öffentlichen Verkehr: Mai 2020 LK_191119_61 (rb/sm)

    Medienrückfragen: Christoph Bayrhammer, Büro Landesrat Stefan Schnöll, Tel.: +43 662 8042-4941, Mobil: +43 664 6190071, E-Mail: christoph.bayrhammer@salzburg.gv.at

    Redaktion: Landes-Medienzentrum