Aufräumen, bevor der Föhn kommt

Thumersbach-Mitterberg wird mit Hochdruck gesichert / Massive Schäden in Hüttschlag / Lungau derzeit „entspannt“ / Föhn wird nächste Herausforderung

Salzburger Landeskorrespondenz, 21.11.2019
 

(LK)  An der Problemstelle Thumersbach-Mitterberg in Zell am See arbeitet man mit Hochdruck daran, das Gebiet zu sichern und die sechs gefährdeten Häuser wieder besiedeln zu können. Schwer getroffen hat es nun auch Hüttschlag. Einsatzkräfte sind mit Bagger und schwerem Gerät beim Beseitigen der Schäden. Aufräumen ist auch im derzeit „entspannten“ Lungau angesagt. Bad Hofgastein bleibt mit 22 Häusern „Evakuierungs-Hotspot“. Und in den nächsten Tagen könnte Föhn zur neuen Herausforderung werden.

Jedenfalls: Für alle betroffenen Regionen gilt, „dass große Hangrisse vor allem über bewohntem Gebiet genau beobachtet werden“, erklärt Gerald Valentin vom Landesgeologischen Dienst, „und zwar solange, bis man sieht, dass der Hang zum Stillstand gekommen ist.“

Pinzgau: Arbeiten in Thumersbach-Mitterberg mit Hochdruck

An der Problemstelle Thumersbach-Mitterberg in Zell am See arbeitet man mit Hochdruck an der Räumung des Schotterfangs, das sind gefächerte abgestützte Mulden, in die Murenmaterial hineinrutscht. Daher bleiben die sechs Häuser evakuiert. „Wir können die Menschen erst dann wieder nachhause lassen, wenn der Schotterfang wieder ausgeräumt ist“, ersucht Bezirkshauptmann und Einsatzleiter Bernhard Gratz um Verständnis. Möglicherweise müssen die betroffenen Personen noch eine Nacht auf ihre Rückkehr warten. Warnposten der Feuerwehr stehen am oberen Bereich der Straße, sie werden im Laufe des Tages vom Bundesheer abgelöst. Auch die Evakuierung der drei Häuser in Rauris bleibt aufrecht. Ein gefährlicher Hangabriss wird in Mittersill im Felbertal beobachtet. Derzeit sind hier noch keine Evakuierungen notwendig.

Schmittentunnel-Sanierung verschoben

Die B311 Pinzgau Straße bei Trattenbach in Taxenbach ist wieder frei, bleibt aber auf Pongauer Seite zwischen Schwarzach und Lend voraussichtlich bis heute, 17 Uhr, noch gesperrt. Noch bis morgen gesperrt bleiben die B164 Hochkönig Bundestraße zwischen Maria Alm und Hinterthal und die L247 Thumersbacher Straße im Ortsteil Thumersbach. Noch länger nicht befahrbar ist die L266 Embacher Straße zwischen Maria Elend und Ager. Embach ist jedoch von Lend aus erreichbar. Und im Schmittentunnel müssen die Sanierungsarbeiten verschoben werden. „Derzeit wäre das aufgrund der Unwetterlage nicht zu verantworten", so Bezirkshauptmann Gratz.

Pongau: Massive Schäden in Hüttschlag

Im Pongau hat sich in Hüttschlag ein neuer „Hotspot“ entwickelt. „Massive Schäden“ meldet Katastrophenschutzreferent Norbert Paßrucker. Einsatzkräfte sind mit Bagger und schwerem Gerät unterwegs. Zufahrten, Straßen und zugemurte Häuser freischaufeln, Bäche räumen und wieder in ihren ursprünglichen Lauf lenken, Wasserleitungen wiederherstellen und vieles mehr ist heute angesagt. „Bis zum Wochenende sollte der Normalzustand wiederhergestellt sein“, so Paßrucker.

22 Häuser in Bad Hofgastein bleiben evakuiert

Die Pongauer Bevölkerung ist auch noch von den meisten Evakuierungen betroffen: In Bad Hofgastein sind es 22 Häuser, in Großarl drei und in Bad Gastein zwei. Im Süden Großarls droht eine massive Hangrutschung. Ein Geometer wird die Hangbewegung messen. „Erst wenn wir die entsprechenden Ergebnisse kennen, können die drei Häuser wiederbesiedelt werden. Gestern konnten sechs Evakuierungen aufgehoben werden."

Bad Gastein über Badbruck erreichbar

Neben der Pinzgau Straße bleibt bis Freitag auch die B167 Gasteiner Straße zwischen Bad Hofgastein und Badgastein im Bereich Badberg gesperrt. Die Umfahrung über Badbruck ist offen, Bad Gastein daher erreichbar.

Aufräumarbeiten im Lungau

Entspannt hat sich die Lage im Lungau: „Alle Straßen sind offen, nur mehr ein Haus in Ramingstein ist derzeit evakuiert“, so Katastrophenschutzreferent Philipp Santner. Ansonsten sind Aufräumarbeiten angesagt. Im Lasengraben in Zederhaus werden Geröllmassen ausgeräumt und Retentionsbecken und Schutzdämme errichtet, im Noisgraben in Muhr ebenfalls ein Schutzdamm und in Ramingstein und Tamsweg werden Bäche ausgeräumt und wieder in ihre ursprünglichen Bahnen rückgeleitet.

Und jetzt kommt der Föhn

In den nächsten Tagen bleibt es zwar trocken, doch als nächste Herausforderung kommt der Föhn. „Am Samstag kann es sogar zu Föhnstürmen mit Geschwindigkeiten von 70 bis 90 km/h kommen, in einzelnen Abschnitten sogar bis zu 100 km/h“, so Bernhard Niedermoser Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Betroffen sind die „klassischen Föhntäler“ Fusch, Rauris, Hüttschlag und Gastein, aber auch der Oberpinzgau. Durch den warmen Wind wird es auch verstärkt zur Schneeschmelze kommen. Das heißt, dass die Böden wieder vermehrt Wasser aufnehmen müssen, dadurch wieder die Sättigung erreichen können und es in Folge zu weiteren Hangrutschungen kommen kann. Ob das passieren wird, hängt davon ab, wieviel Schnee durch den Föhn verdunstet und wieviel Nässe in die Böden gelangt. LK_191121_52 (grs/ram)

Mehr zum Thema

 

Medienrückfragen: Franz Wieser, Pressesprecher Land Salzburg, Landes-Medienzentrum, Tel.: +43 662 8042-2365, Redaktionshandy: +43 664 3943735

Redaktion: Landes-Medienzentrum