Starkregen und Muren: Der Einsatz in Zahlen

Erste Bilanz nach knapp einer Woche: Schäden in Millionenhöhe, großer Zusammenhalt und Welle der Hilfsbereitschaft

Salzburger Landeskorrespondenz, 22.11.2019
 
(LK)  Die größten Gefahren durch Rutschungen und Murenabgänge scheinen vorbei zu sein, die meisten Verkehrswege sind wieder offen, die Aufräumarbeiten dauern unvermindert an. Für das Wochenende ist ein weiterer Föhnsturm vorhergesagt. Eine erste Einsatzbilanz der Starkregenfolgen.

„Behörden und Einsatzorganisationen sind bei diesem außerordentlichen Ereignis sehr umsichtig vorgegangen. Wir sind trotz aller Schäden an Gebäuden, Straßen und Wegen erleichtert, dass es bisher noch zu wenig Unfällen oder gar Todesfällen gekommen ist“, sprachen Landeshauptmann Wilfried Haslauer und Landesrat Josef Schwaiger ihren Dank an alle Beteiligten aus. Bezirkshauptmannschaften, Sachverständige, Feuerwehr, Bundesheer, Rotes Kreuz sowie Berg- und Wasserrettung erbrachten Höchstleistungen.

Noch 35 Gebäude evakuiert

Die Pongauer Bevölkerung ist von den meisten Evakuierungen betroffen: In Bad Hofgastein sind es 22 Häuser, in Bad Gastein fünf und in Großarl drei. Im Pinzgau sind im Ortsteil Thumersbach in der Gemeinde Zell am See nach wie vor sechs Häuser auf Grund einer weiter drohenden Mure nicht bewohnbar.

13 Schulen mussten schließen, sechs hatten Notbetrieb

Betroffen waren auch Salzburgs Schulen. Am 18. November konnte in 13 Bildungseinrichtungen kein Unterricht stattfinden, da die Lehrer und Schüler aufgrund blockierter Verkehrswege die Schulen nicht erreichen konnten, in sechs Schulen wurde ein Notbetrieb eingerichtet.

Zehnköpfiges Team koordiniert Einsätze im Pinzgau

Ein zehnköpfiger Einsatzstab mit Experten von WLV, Geologie und Vertretern der Einsatzorganisationen ist seit Samstag in der Bezirkshauptmannschaft Zell am See tätig. Weit mehr als 100 schwere Baufahrzeuge wie Lkw, Bagger, Schubraupen und Muldenkipper standen und stehen allein in diesem Bezirk in ihrem Auftrag im Einsatz.

Pongau: Alle verfügbaren Geräte und Fahrzeuge im Einsatz

Im Pongau organisierte ein Team aus vier Experten die Einsatzmaßnahmen. „So gut wie jedes verfügbare Gerät und Fahrzeug mit Mannschaft kamen in den vergangenen Tagen zum Einsatz und werden auch sicher in der kommenden Woche noch mit Aufräumarbeiten beschäftigt sein“, berichtet Katastrophenschutzreferent Norbert Paßrucker von der Bezirkshauptmannschaft St. Johann im Pongau.

Einsatzstab auch im Lungau

Im Lungau beschäftigen die Folgen des Starkregens einen Einsatzstab mit vier Personen, verstärkt um drei Experten der Wildbach- und Lawinenverbauung, einem Landesgeologen und zwei Sachverständige für Güterwege. Sie haben 20 Großgeräte für Sofortmaßnahmen zur unmittelbaren Abwendung von Schäden und Gefahren beauftragt.

30.000 Lkw-Fuhren aus Sperren entfernt

In den ersten Tagen nach dem Starkregen wurden etwa 300.000 Kubikmeter Geröll, Schlamm und Holz aus den Sperren entfernt. Das entspricht 30.000 Lkw-Fuhren, die auf vorsorglich ausgewiesenen Flächen abgeladen werden. 50 in Salzburg verfügbare Spezialisten der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) sind in den drei betroffenen Gebirgsbezirken im Einsatz, beheben Schäden, sichern das Gelände und dokumentieren die Ereignisse, um die Aufarbeitung und künftige Maßnahmen professionell planen zu können. „In dieser Größenordnung und Ausdehnung ist dieses Ereignis zuvor noch nie dagewesen“, fasst WLV-Chef Leonhard Krimpelstätter zusammen.

Polizei: 700 Einsatzstunden im Pongau und Pinzgau

Im Pongau fielen durch den Starkregen rund 400 Einsatzstunden an, 300 waren es im Pinzgau. Hauptaufgaben: Verkehrsregelung und Absperrungen.

Rotes Kreuz betreut rund um die Uhr

179 Kräfte des Roten Kreuzes – von Rettungsdienst über Katastrophenhilfsdienst bis hin zur Krisenintervention – waren bisher im Einsatz. 319 Personen wurden durch das Rote Kreuz Salzburg betreut oder versorgt. 315 Kräfte sowie 35 Rettungsfahrzeuge wurden zusätzlich in Bereitschaft versetzt.

841 Feuerwehreinsätze

Höchste Einsatzbereitschaft wurde den 60 Freiwilligen Feuerwehren abverlangt. 2.209 Frauen und Männer halfen bei 841 Einsätzen. Im Vordergrund: überflutete Keller auspumpen, umgestürzte Bäume entfernen, verklauste Verkehrswege und Bäche freimachen, Murenabgänge beseitigen, abgedeckte Dächer provisorisch abdichten und eingeschlossene Personen aus Häusern retten.

Soldaten halfen mehr als 3.300 Stunden mit

Das Bundesheer hilft seit 18. November in einem Assistenzeinsatz, der noch bis 1. Dezember läuft. Im Moment eingesetzt: bis zu 75 Soldaten aus dem Gebirgskampfzentrum Saalfelden sowie vom Führungsunterstützungsbataillon St. Johann. 3.300 Mannstunden wurden bisher geleistet.

Millionenschäden innergebirg

Eine erste Grobschätzung geht mindestens von Schäden in der Höhe von sechs Millionen Euro aus, zwei Millionen davon wurden unmittelbar für Sofortmaßnahmen eingesetzt, um akut drohende Gefahren zu entschärfen. Die Kosten für die Wiederherstellung des Landesstraßennetzes schätzt die Landesbaudirektion auf mehrere Hunderttausend Euro. Dazu kommt eine noch nicht geschätzte Summe für Schäden an privaten Wegen und an Privathäusern. LK_191122_61 (sm/grs)

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