Salzburgs Mülltonnen offenbarten ihren Inhalt

Ergebnisse der Restabfall-Analyse sind da / Große regionale Unterschiede / Jeder wirft 27 Kilogramm Lebensmittel weg

Salzburger Landeskorrespondenz, 17.12.2019
 

(LK) Rund 276.000 Tonnen Abfälle aus Haushalten, Gastronomie und kleinen Betrieben fallen im Bundesland Salzburg jährlich an. Das sind rund 500 Kilogramm pro Einwohner und Jahr. Mehr als 300 davon werden bereits gesondert gesammelt und großteils verwertet. „Die getrennte Entsorgung und das Recycling funktionieren in Salzburgs Gemeinden bereits recht gut. Trotzdem gilt es, hier noch besser zu werden und vor allem Müll zu vermeiden“, betont Umweltreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn.

 

 

Ein Drittel der Gesamt-Müllmenge, genau 93.000 Tonnen, sind Restabfall. „Durch eine landesweite Analyse können detaillierte Rückschlüsse gezogen werden, wie wir trennen und wo weitere Verbesserungen möglich sind“, so Schellhorn über die Ergebnisse der umfangreichen Müllstudie. „Und durch die Aufschlüsselung nach Regionen, Städten und Tourismusgebieten können wir nun die Gemeinden und Entsorger noch gezielter beraten.

Ein Sechstel des Restmülls sind Lebensmittel

Insgesamt wurden über das gesamte Landesgebiet verteilt 319 Proben analysiert. 16 Prozent des Restabfalls sind vermeidbare Lebensmittelabfälle. Das entspricht etwa 15.000 Tonnen oder 27 Kilogramm pro Einwohner und Jahr. „Geht man davon aus, dass pro Kopf und Jahr 750 Kilogramm Nahrungsmittel benötigt werden, könnten mit diesen vermeidbaren Lebensmittelabfällen im Restabfall etwa 20.000 Personen für ein Jahr lang ernährt werden“, zeigt Schellhorn auf. Das soll sich ändern: „Lebensmitteln müssen wieder mehr Wert bekommen. Da heißt es dringend anzusetzen und gemeinsam mit der Landwirtschaft, den Produzenten, dem Handel und den Konsumenten das Bewusstsein schärfen und Lösungen entwickeln“, betont der Umweltreferent.

51.000 Tonnen könnten wiederverwertet werden

Mehr als die Hälfe, nämlich 56 Prozent, des jährlich anfallenden Restabfalls könnten wiederverwertet werden. Dies entspricht rund 94 Kilogramm pro Einwohner und Jahr beziehungsweise insgesamt mehr als 50.800 Tonnen jährlich.

Platzfresser falsch entsorgtes Plastik

Kunststoff ist vergleichsweise leicht, braucht aber viel Platz. Meist sind es PET-Getränkeflaschen, die 1,6 Prozent beziehungsweise 1.490 Tonnen im Restmüll der Salzburger landen. Umgerechnet auf das Durchschnittsgewicht sind jährlich etwa 50 Millionen Flaschen, die nicht im gelben Sack oder in der gelben Tonne, sondern in der grauen Tonne entsorgt werden. „Nicht nur, dass Verpackungsmüll und Plastikflaschen falsch im Restmüll entsorgt werden, nehmen sie dort auch noch Platz weg“, so Schellhorn.

3,3 Millionen Batterien falsch entsorgt

Die Analyse schlüsselt auch auf, ob und in welchem Umfang sich gefährliche Bestandteile wie zum Beispiel Farben, Lacke, Batterien im Restmüll befinden. „Es sind zwar ‚nur‘ 1,3 Prozent am Gesamtrestmüll, doch sind diese Problemstoffe auch gefährlich. Jede falsch entsorgte Batterie kann potenziell beispielsweise Brände auslösen“, warnt Umweltreferent Schellhorn. Eine Abschätzung zeigt, dass 70 Tonnen Batterien im Restabfall etwa 3,3 Millionen Stück pro Jahr entsprechen. Und: Bei den über den Restabfall entsorgten Elektro-Altgeräten handelt es sich zum größten Teil um Kleingeräte, „diese könnten wiederverwertet werden“, betont Schellhorn und weist auf den neu eingeführten Reparatur-Bonus Salzburg hin.

Städter und Tourismusgemeinden produzieren mehr

Was die Untersuchung auch klar zutage gefördert hat: Im städtischen Bereich fällt deutlich mehr Restmüll an, nämlich 226 Kilogramm pro Einwohner und Jahr, als in Landgemeinden. Dort ist der Fremdenverkehr der entscheidende Müllfaktor. In Gemeinden mit ausgeprägtem Tourismus liegt der Wert bei 190 Kilogramm pro Einwohner und Jahr, in den anderen bei lediglich 115 Kilogramm. „Diese Zahlen zeigen uns, dass Abfallaufkommen und Tourismus eng zusammenhängen. Hier müssen wir es schaffen, die Urlaubsgäste stärker zu sensibilisieren und zu motivieren sowie dafür ein passendes Angebot schaffen“, so Schellhorn.

Ziel: Abfall vermeiden und erfolgreicher Trennen

„Die Mülltrennung muss noch weiter ausgebaut und gestärkt werden“, fordert Schellhorn, „immerhin reden wir hier von sehr wertvollen Ressourcen, die wir leichtfertig verschwenden. Deshalb sind wir gerade dabei, ein Maßnahmen-Programm zu erarbeiten, um Abfälle zu vermeiden und das Recycling effizienter zu machen. Zugleich gilt es, Mehrweg-Verpackungen zu stärken und Wegwerf-Verpackungen wie PET-Flaschen zu minimieren. Es wird Kampagnen geben, um das Bewusstsein zu schärfen. Genauso wie mehr Förderungen rund um Reparaturen und Wiederverwendung von Produkten. Darüber hinaus wollen wir gemeindeübergreifende Kooperationen weiter stärken“, zeigt Schellhorn den weiteren Weg auf.

Streng anonym

Sowohl die Vorbereitung der Restmüllanalysen als auch deren Durchführung ist mit wissenschaftlicher Begleitung und nach wissenschaftlich fundierten Vorgaben erfolgt. „Wo die Proben gezogen wurden, wurde anhand von Adresslisten streng nach dem Zufallsprinzip ermittelt. Diese wurden codiert, anonymisiert und nach Abschluss der Analysen wieder gelöscht“, erläutert Wilfried Mayr, im Land für abfallwirtschaftliche Planung und Entwicklung zuständig.

Daten und Fakten zum Restmüll

  • Jährlicher Restabfall pro Jahr in Salzburg (Haushalte und vergleichbare Einrichtungen): 93.000 Tonnen
  • Davon sind 16 Prozent Lebensmittel, 14 Prozent Bioabfall, 8 Prozent Papier und Karton, 13 Prozent Plastik, 12,5 Prozent Glas, Metall und Textilien, 1,2 Prozent Elektroaltgeräte, Batterien und gefährliche Stoffe sowie 35,3 Prozent Hygieneartikel, Asche, Kleintierstreu, Fliesen und so weiter.
  • 20.000 Personen könnten mit über den Restmüll entsorgten Lebensmitteln ein Jahr lang versorgt werden.
  • Regionale Unterschiede: Stadt (225,58 Kilogramm pro Kopf und Jahr), ausgeprägte Tourismusgemeinden (190,22), Landgemeinden mit wenig Tourismus (115,30).
  • Verwertbare Anteile im Restabfall: 56 Prozent, entspricht zirka 94 Kilogramm pro Einwohner und Jahr beziehungsweise mehr als 51.000 Tonnen jährlich.
  • 319 Proben mit einem Gesamtgewicht von 6.960 kg analysiert. LK_191217_61 (sm/mel)

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Redaktion: Landes-Medienzentrum