Geballte Power für die Lehre

Große Vielfalt und beste Karrierechancen / Breite Salzburger Allianz

Salzburger Landeskorrespondenz, 13.01.2020
 

(LK) Salzburg soll zum lehrlingsfreundlichsten Bundesland Österreichs werden. Dieses Ziel hat sich eine breite Allianz von Politik, Sozialpartnern, Arbeitsmarktservice und Bildungsdirektion zum Ziel gesetzt. „Die Karrierechancen mit einer erfolgreich abgeschlossenen Lehre sind großartig und diese eröffnet alle Möglichkeiten, sowohl im In- als auch im Ausland. Gute und qualifizierte Fachkräfte sind gefragter denn je und haben exzellente Jobaussichten“, so Landeshauptmann Wilfried Haslauer.

 

„Die Vielfalt an Ausbildungsmöglichkeiten ist unglaublich groß, alleine in Salzburg gibt es mehr als 200 Lehrberufe. Diese Vielfalt, gepaart mit der Möglichkeit der ‚Lehre mit Matura‘ machen die Lehre beziehungsweise den Meister zunehmend attraktiv“, ist Haslauer von der hohen Qualität der dualen Ausbildung überzeugt. 

Gesamtzahl der Lehrlinge steigt

Die duale Ausbildung hat von 2016 bis Mitte 2019 wieder zugelegt. 2019 nahm in Salzburg laut jüngster Statistik die Gesamtzahl der Lehrlinge in Salzburg mit 8.454 Auszubildenden (2018: 8.422) leicht zu. 2019 drehte sich das Plus bei den Lehranfängern, das 2016 bis 2018 erzielt wurde, jedoch wieder um.

Gemeinsames Maßnahmenpaket

Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern aller Allianzpartner hat nach einer Analyse der Ausgangslage die Herausforderungen und Potentiale konkretisiert. Darauf aufbauend wurden entsprechende Maßnahmen entwickelt, wobei man sich auf jene Aktivitäten konzentrierte, die gemeinsam im Land Salzburg umgesetzt werden können.

Haslauer: Neue Koordinationsstelle

Es wurde bereits eine Koordinationsstelle eingerichtet, die dem engen Informationsaustausch zwischen den Allianzpartnern dient, die Vernetzung von Lehrlingen und Lehrstellenanbietern verbessern und aktuelle, zielgruppengerechte Informationen verbreiten soll. „Es geht vor allem darum, die vielfältigen Wege der Berufsmöglichkeiten aufzuzeigen und das Image der Lehre noch weiter zu verbessern. Dafür stehen 150.000 Euro aus dem Arbeitsmarktbudget zur Verfügung“, erläutert Landeshauptmann Haslauer. Vom Land wurden darüber hinaus bereits zahlreiche Initiativen im MINT-Bereich gestartet, die Bildungsberatung und Berufsorientierung in den allgemeinbildenden Pflichtschulen wird forciert und die Kooperation zwischen Wirtschaft, Bildungsdirektion und Pädagogischer Hochschule intensiviert. Beispiele dafür sind das Gütesiegel Bildungs- und Berufsorientierungsfreundliche Schule (GBOS) oder die Dualen Akademien.

Hutter: Berufsschulen als Vorreiter und Impulsgeber

„Eine wichtige Rolle bei unserem Vorhaben, Salzburg zum lehrlingsfreundlichsten Bundesland zu machen, spielen die Berufsschulen. Hier wollen wir die bestmögliche Infrastruktur zur Verfügung stellen. Das Investitionsbudget wurde in diesem Bereich deshalb, allein für das Jahr 2020, auf mehr als 4,1 Millionen Euro aufgestockt“, so Bildungslandesrätin Maria Hutter. Während der vergangenen Jahre wurden die meisten Berufsschulen und die dazugehörigen Internate bereits modernisiert und sowohl technisch, als auch pädagogisch auf den letzten Stand gebracht. Dabei werden die Gebäude auch energieeffizient saniert und nachhaltig klimafit gemacht. „Um einen bestmöglichen Lehr- und Lernerfolg zu gewährleisten, haben wir die Klassengröße auf 18 Schüler reduziert, flächendeckend Computer-Lernplätze eingeführt und für jeden Lehrer einen eigenen Arbeitsplatz eingerichtet. Damit sind wir Vorreiter und Impulsgeber, denn das bietet in Salzburg kein anderer Schultyp“, freut sich Landesrätin Hutter.

Mair: Orientierung und Vielfalt

„Unsere elf Berufsschulen sind bekannt für ihre qualitätsvolle Ausbildung. Ob der direkte Weg von der PTS oder AHS oder BMHS oder direkt von der NMS in die Berufsschule oder die Wahl, im Anschluss an eine Matura eine Lehrausbildung zu absolvieren, heute ist alles möglich. Der Talente- und auch der Karriere-Check ebenso wie die Angebote der dualen Akademien bieten Eltern und Jugendlichen Orientierung und Möglichkeiten“, ergänzt Bildungsdirektor Rudolf Mair.

Sombekke: Angepasste Lehrmodelle

Manche Jugendliche brauchen mehr Zeit und manche neue, angepasste Lehrmodelle wie etwa die verlängerte Lehre. Dadurch steht mehr Zeit zu Verfügung, die Lehre regulär abzuschließen oder die Teilqualifizierung zu erlangen, welche die Lehrlinge befähigt, Teile des Berufsbildes qualifiziert auszuführen. „Diese Art der Ausbildung hat sich im Bundesland Salzburg in Zusammenarbeit mit AMS, Sozialministeriumservice, Lehrbetrieben sowie den Berufsschulen positiv entwickelt. Wir unterstützen diese Lehrmodelle mit unserem Netzwerk der beruflichen Assistenz (NEBA) durch das Jugendcoaching und die Berufsausbildungsassistenz“, erläutert Annette Sombekke, die Leiterin der Landesstelle Salzburg des Sozialministeriumservice.

Beyer: Erwachsenenlehre wird gefördert

Je nach Anrechnung kann die Lehre für Erwachsene in der verkürzten Lehrzeit erfolgen. Lehrlinge, die älter als 18 Jahre sind, bekommen den Hilfsarbeiterlohn und das AMS zahlt eine Förderung an den Betrieb. „Die Absolvierung einer Lehre ist somit auch für über 18-Jährige leistbar und durchaus sinnvoll, eine Win-Win-Situation für Arbeitsuchende und Betriebe gleichermaßen. Durch zahlreiche intensive Beratungsgespräche im vergangenen Jahr konnte die Zahl der Erwachsenenlehre um rund 30 Prozent gesteigert werden: Von November 2018 bis November 2019 haben sich 205 Erwachsene dazu entschlossen“, berichtet AMS-Landesgeschäftsführerin Jacqueline Beyer.

Rosenstatter: Erfolgsmodell „Lehre mit Matura“

Mit dem Rückenwind der breiten und vielfältig aufgestellten Salzburger Allianz für die Lehre sieht WKS-Präsident Manfred Rosenstatter große Chancen, der für die Wirtschaft so wichtigen dualen Ausbildung weiteren Schwung zu verleihen. So soll das in Salzburg von den Sozialpartnern WKS und AK getragene Projekt „Lehre mit Matura“ seine führende Position in Österreich weiter ausbauen. In keinem anderen Bundesland absolvieren mehr Teilnehmer (in Salzburg 16 Prozent im Verhältnis zur jeweiligen Gesamtlehrlingszahl des Bundeslandes) diese Ausbildung.

Neue und modernisierte Lehrberufe

In den vergangenen Jahren wurde eine Vielzahl von Lehrberufen entweder modernisiert oder neu eingeführt. 2019 kamen vier neue dazu (Fahrradmechatroniker, Nah- und Distributionslogistik, Sportgerätefachkraft, Bauwerkabdichtungstechnik) und wurden drei novelliert (Spengler, Dachdecker, Mechatroniker). Bei weiteren vier Berufen wird den Lehrlingen durch eine längere Ausbildungsdauer eine vertiefende Berufsbildung mit weiterer Spezialisierung ermöglicht (Bäckerei, Betonbau, Hochbau, Tiefbau).

Duale Akademie: Vier weitere Berufschancen

Neue Angebote wie die „Duale Akademie“ ermöglichen auch Maturanten, ihre schulische Karriere mit einer maßgeschneiderten Berufsausbildung in Form einer auf eineinhalb beziehungsweise zweieinhalb Jahre verkürzten Lehrzeit und bei attraktiver Bezahlung. Heuer im Herbst wird das Bildungs-Portfolio um vier weitere Berufe verbreitert. 70 Prozent der Ausbildungszeit finden im Betrieb statt, 20 Prozent in den DA-Kompetenzzentren der Berufsschulen und zehn Prozent bei weiteren Bildungsanbietern wie dem WIFI. Die Ausbildung wird mit einer Lehrabschlussprüfung im Fachgebiet und einem Zertifikat über die erworbenen Zukunftskompetenzen abgeschlossen („DA Professional“). WKS-Präsident Manfred Rosenstatter: „Die duale Ausbildung ist der Königsweg der Ausbildung in der Wirtschaft. Am Anfang vieler Karrieren steht eine Lehrlingsausbildung. Lehre und Meister genießen wieder weit mehr Ansehen als noch vor einigen Jahren. Diesen Schwung können wir gemeinsam nutzen, um den Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen!“. Weitere Informationen: www.dualeakademie.at

Eder: Türöffner für eine erfolgreiche Zukunft

Im Beratungsalltag der Arbeiterkammer Salzburg spielen Lehrlinge eine wichtige Rolle, egal ob es sich um arbeitsrechtliche Fragen, Rechte und Pflichten oder Bildungs- und Berufsmöglichkeiten handelt. Die AK-Lehrlingsakademie am BFI-Salzburg unterstützt junge Leute bei der Ausbildung im Betrieb, macht sie fit für den Arbeitsalltag und vermittelt weitere nützliche Skills für die Zukunft. Beim Projekt „Du kannst was!“ können Fachkräfte ohne formalen Abschluss, jedoch mit viel beruflicher Erfahrung, im Zweiten Bildungsweg den Lehrabschluss nachholen. 180 Personen haben dies seit 2012 gemacht, womit Salzburg österreichweit Vorreiter ist. Eine weitere sozialpartnerschaftliche Erfolgsgeschichte ist die „Lehre mit Matura“ mit mehr als 1.300 erfolgreichen Abschlüssen seit 2008 – so viele wie in keinem anderen Bundesland. „Als Arbeiterkammer möchten wir den jungen Menschen dabei helfen, die Lehre erfolgreich zu meistern. Eine abgeschlossene Lehre ist der Türöffner für eine erfolgreiche Zukunft“, so AK-Präsident Peter Eder.

Schulte: Starthilfe von Unternehmen

„Die Industrie setzt neben dem Industrietechnikerprogramm bei der Lehre auf Vorhilfe statt Nachhilfe, da sich gezeigt hat, dass viele der Berufseinsteiger noch nicht so gefestigte Teilkompetenzen mitbringen. Heuer geben diese Starthilfe einige Unternehmen beispielsweise speziell für Mathematik noch bevor die Berufsschule anfängt. Besonders begrüßen wir daher auch das im Regierungsprogramm festgeschriebene Bekenntnis zur Bildungspflicht statt Schulpflicht“, sagt Irene Schulte, Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung Salzburg.

Höllrigl: Modularisierung der Berufsausbildung und Anreizmodelle

„Gerade die Aufwertung der Lehre sowie die Schaffung neuer Lehrberufe und Berufsbilder im Umwelt- und Klimaschutzbereich sind aus Sicht der Landwirtschaftskammer Salzburg essentiell“, betont Rainer Höllrigl, Geschäftsführer der Lehrlings- und Fachausbildungsstelle der Landwirtschaftskammer Salzburg. Es wurden vielfältige und interessante Maßnahmenvorschläge entwickelt, die auch für junge Menschen in land- und forstwirtschaftlichen Berufen von großer Wichtigkeit sind. Zudem brauche es eine Modularisierung der Berufsausbildung über alle Wirtschaftsbereiche hinweg, mehr Unterstützung bei der Ausbildungswahl, eine Qualitätssicherung in der dualen Ausbildung sowie mehr Anreizmodelle zur Förderung der Lehrlingsausbildung in Betrieben. LK_200113_20 (kg/ram)

 

Medienrückfragen: Christian Pucher, Büro Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Tel.: +43 662 8042-2325, Mobil: +43 664 88719098, E-Mail: christian.pucher@salzburg.gv.at  

Redaktion: Landes-Medienzentrum