„Neue Horizonte“ in der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst

19 Kurse von 20. Juli bis 29. August 2020 auf der Festung Hohensalzburg und im Steinbruch Untersberg

Salzburger Landeskorrespondenz, 14.01.2020
 

(LK)  Das Kursprogramm der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst (ISBK) steht heuer unter dem Motto „Neue Horizonte“. Es geht um neue Möglichkeiten, als Künstlerin, Künstler, Kuratorin, Kurator, Autorin oder Autor die eigene Position in der Welt, in der wir leben, zu definieren. Wie lassen sich in Zeiten weltweiter Aufstände, eklatanter Auswirkungen des Klimawandels und ungleicher Verteilung von Ressourcen neue Horizonte erobern?

„Wir stehen in vielen zentralen Zukunftsfragen wie Klimapolitik und Ressourcenschonung vor einem entscheidenden Jahrzehnt. Jetzt müssen wir hinterfragen, Stellung beziehen und Veränderungen starten. In diesen Zeiten des Wandels sind Kulturschaffende besonders gefragt. Ich freue mich, dass die Sommerakademie als wichtige Impulsgeberin mit dem neuen Kursprogramm zu diesem Perspektivenwechsel anregt“, betont Kulturreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn.

19 Kurse von 20. Juli bis 29. August

Das Programm dauert heuer von 20. Juli bis 29. August. Es setzt sich mit grundsätzlichen Fragen der Kunst- und Textproduktion beziehungsweise der kuratorischen Produktion auseinander. 18 Kurse finden auf der Festung Hohensalzburg und einer im Steinbruch Untersberg in Fürstenbrunn statt. 

Reflexion, Inspiration und Diskussion

Wie viele andere Menschen haben auch Kulturschaffende heute in ihrem Alltag kaum mehr Zeit, ihre Arbeit zu überdenken und mit anderen zu diskutieren. Genau das ist es aber, was die Sommerakademie ermöglicht: „Unsere Studierenden nehmen sich ein paar Wochen Zeit, gemeinsam mit den Lehrenden und anderen Teilnehmenden ganz grundsätzliche Fragen ihrer Arbeit zu besprechen, zu diskutieren und neue Sichtweisen, neue Ideen und neue Theorien kennenzulernen. Synchron dazu entwickeln sie ihre künstlerische/textliche und kuratorische Arbeit weiter, setzen das Erlernte gleich auch konkret um und stellen es am Ende des Kurses der Öffentlichkeit zur Diskussion“, erläutert ISBK-Direktorin Hildegund Amanshauser.

„Was macht die Welt aus?“

„Was macht eine Welt aus?“, fragte die Philosophin Catherine Malabou ihre Studierenden. Ihre eigene Antwort auf diese Frage lautete: „Ein Horizont.“ Diese Anekdote – die Frage und die Antwort darauf – dient als Ausgangspunkt für den Kurs von Nadira Husain. Sie ist in gewisser Weise Grundlage für alle Kurse und auch für die Überlegungen, die hinter der aktuellen Programmierung stehen: „Was macht die Welt aus?“ Daraus folgt unweigerlich die Frage, in welcher Rolle man sich in der Welt sieht, aber auch, welche neuen Perspektiven sich eröffnen könnten in Zeiten globaler Revolten und in der Situation, die wir nicht nur in Österreich und Europa vorfinden.

Neue individuelle Zugänge

Vier Kunstschaffende erarbeiten neue individuelle Zugänge zur Malerei: Brenda Draney, Thea Gvetadze, Nadira Husain und Tobias Pils. Mit Video, Fotografie, digitalen Bildern und Archiven befassen sich Bani Abidi, die kürzlich im Gropius Bau in Berlin eine vielbeachtete Ausstellung hatte, Randa Mirza mit Lara Tabet aus dem Libanon und Eli Cortiñas, die sich vorwiegend mit Found Footage, also gefundenen Filmschnipseln und dem, was man aus diesen machen kann, beschäftigt. Ein vierwöchiger Kurs im Steinbruch am Untersberg mit Cäcilia Brown, Anna Hofbauer und Mikkel Holm Torp führt in die Technik der Steinbildhauerei ein und weit darüber hinaus. Caroline Achaintre, die von einer Studierenden einmal als Magierin bezeichnet wurde, wird sich mit verschiedenen Medien dem „Selbst“ und dem „Anderen“ nähern, wohingegen Sammy Baloji und Lotte Arndt in ihrem interdisziplinären Kurs „Vokabulare für Gegengeschichten“ entwickeln. Einen Skulptur- und Installationskurs leiten Noële Ody und Toni Schmale.

Traditionelle Techniken und Performance

Traditionelle Techniken, wie verschiedene Drucktechniken, können im Kurs von Vaclav Pozarek erlernt werden, auch Zeichenkurse von Massinissa Selmani oder dem dänischen Künstler Per Dybvig stehen in diesem Jahr auf dem Programm. Cameron Jamie wird sich in seinem Kurs dem D.I.Y. Künstlerbuch mithilfe von Kopiermaschinen widmen und der kurdische Künstler Ahmet Ögüt lehrt Lecture Performance.

Kuratieren und Schreiben über Kunst

Mit Nicolaus Schafhausen, dessen bahnbrechende Ausstellung Tell me about yesterday tomorrow im NS-Dokumentationszentrum München noch bis Sommer 2020 zu sehen ist, werden politische Fragen des Kuratierens diskutiert. Ein weiterer Kurs wird von Marina Fokidis geleitet, Louisa Elderton und Klaus Speidel, beide Kunstkritikerin bzw. -kritiker und Journalistin bzw. Journalist, lehren Schreiben über Kunst.

Globale/Planetare Akademie

Aufgrund der jahrelangen Beschäftigung mit dem Projekt Planetare Akademie (ehemals Globale Akademie) setzt sich die ISBK seit längerem das Ziel, einen innovativen Raum der Begegnung und Diskussion zu schaffen, der diesem Konzept gerecht wird. Dazu ISBK-Direktorin Amanshauser: „Die koloniale Vergangenheit Europas ist eine Tatsache, der postkoloniale Diskurs reagierte darauf und er spielt in unserem Veranstaltungsprogramm eine große Rolle. Wir können und müssen jedoch noch weitergehen und neue Räume schaffen, die sich jenseits der Dualität von kolonial und postkolonial definieren.“ Der Begriff „Raum“ wird dabei metaphorisch verstanden als ein Ort, an dem die Rollen von Kolonisatoren und Kolonisierten historisch aufgefasst werden und die postkolonialen Errungenschaften die Basis bilden, um neue Begegnungen und Diskussionen, Erkenntnisse und Handlungen zu ermöglichen. Damit befindet sich die ISBK letztendlich in der Tradition der Gründungsideen von Oskar Kokoschka und seinen humanistischen und pazifistischen Vorstellungen. LK_200114_20 (kg/ram)

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Redaktion: Landes-Medienzentrum