Salzburg und Wien - Kulturmetropolen Österreichs

Gemeinsame Makartausstellung; "Salzburger Eck" - Schausbergers offizieller Besuch in Wien
Salzburger Landeskorrespondenz, 07. December 1998
Medium: Landeskorrespondenz

LK Arbeitsmarkt und Kultur dominierten die Themen eines Gespräches zwischen dem Wiener Bürgermeister Dr. Michael Häupl und Salzburgs Landeshauptmann Dr. Franz Schausberger bei dessem offiziellen Besuch in der Bundeshauptstadt heute, Montag, 7. Dezember. Gemeinsam stellten beide Regierungschefs erfreut fest, die Frage der Arbeit für Jugendliche im Griff zu haben. Jugendarbeitslosigkeit gebe es in beiden Ländern praktisch nicht. Das für die Beschäftigung wertvolle NAP-Programm (Nationaler Aktionsplan) mit EU-Geldern ist für Häupl und Schausberger eine Absicherung auf der zweiten Arbeitsmarktebene. Zunächst, so beide übereinstimmend, müßten die Wirtschaftsstrukturprogramme greifen und die Betriebe die Beschäftigung sichern. Die öffentliche Hand müsse die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schaffen und, wo nötig, Hilfen leisten. Wien habe, laut Häupl, noch das Sonderproblem der Arbeitslosigkeit in den persönlichen Diensten, obwohl die Bundeshauptstadt auf das beste Tourismusjahr zurückblicken könne.

Kulturmetropolen Wien und Salzburg

"Wenn ein Salzburger und ein Wiener sich treffen, muß man selbstverständlich über Kultur und gemeinsame Projekte reden", faßte Schausberger seinen Besprechungswunsch mit dem Wiener Bürgermeister zusammen. Wien und Salzburg sind die Kulturmetropolen Österreichs. Kein Gegensatz entzweie sie, sondern das Bemühen eine, nämlich die Kulturmacht Österreichs bestens zu repräsentieren. Dabei gebe es viele Gemeinsamkeiten. Etwa den in Salzburg geborenen Maler Hans Makart, der nach seinem künstlerischen Durchbruch 1869 eine Berufung nach Wien erhielt, wo er 1878 auch Akademieprofessor wurde und 1884 verstarb und viele Werke hinterließ. Auf Vorschlag Häupls verständigte man sich darauf, im Jahr 2000 eine Ausstellung über Werke von Hans Makart zustandezubringen. Außerdem will die Gemeinde Wien in Zusammenarbeit mit den Innungen der Wirtschaftskammer einen Festzug nach dem künstlerischen Vorbild eines Makartwerkes organisieren, zur Faschingszeit und in den Kostümen des vorigen Jahrhunderts. Schausberger verwies auch ausdrücklich auf die wichtige Rolle, die die Wiener Philharmoniker alljährlich für die Salzburger Festspiele haben.

"Salzburger Eck" in Wien

Eine weiterhin "liebevolle" Betreuung des "Salzburger Eckes" in der Gumpendorferstraße in Wien wünschte sich Schausberger bei seinem offiziellen Besuch von Bürgermeister Häupl. Bekanntlich hat Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer im April 1982 dem Wiener Bürgermeister Leopold Gratz das "Salzburger Eck" in der Gumpendorferstraße vor dem alten Wiener Kaffeehaus Sperl übergeben. Schausberger und Häupl besichtigten heute diesen Platz, der mit einer Marmortafel an das Ereignis erinnert.

Im Auftrag des Landes hatte die Salzburger Landesdelegation in Wien den Platz Ecke Gumpendorferstraße - Lehargasse umbauen lassen und sechs Bäume als Gruß aus Salzburg gesetzt. Bei der damaligen Übergabe der "städtischen Kleingartenanlage" sprach Haslauer von einem Zeichen des Respektes Salzburgs gegenüber der gemeinsamen Bundeshauptstadt. Bürgermeister Gratz dankte für die symbolhafte Geste, die die Verbindung Salzburgs mit Wien zeige. Gleichzeitig legte der damalige stellvertretende SPÖ-Vorsitzende und Wiener Bürgermeister Gratz ein eindeutiges Bekenntnis zum österreichischen Föderalismus ab, heute die selbstverständliche Einstellung der Wiener Bürgermeister.

Die Eröffnung dieses "Salzburger Eckes" wurde damals mit einem Volksfest für Wiener und Salzburger begangen. Die Salzburger hatten Freibier mitgebracht, einen Würstlstand, einen Käsewagen und eine Werbekoje für den Fremdenverkehr im Land. Eine Schützenkompanie schoß zu Ehren der beiden Landeshauptleute Salut, eine Trachtenkapelle spielte den Rainermarsch, eine Wiener Kapelle unterhielt mit altösterreichischen Märschen. Es war Föderalismus der besonderen Art von Salzburg in Wien. Bei der heutigen Besichtigung der beiden Regierungschefs war auch der Vorsitzende des Vereines der Salzburger in Wien, Bundesminister a.D. Edmund Foregger, zugegen. Der heutige Besuch sollte auch dazu dienen, um dieses "Salzburger Eck" wieder stärker in Erinnerung zu bringen. c247-120

Franz Neumayr wird für das Landespressebüro Fotos von dem offiziellen Besuch des Landeshauptmannes in Wien anbieten.