Mattsee lässt die Puppen tanzen

Schausberger: Diabelli-Sommer trägt zur Vielfalt des kulturellen Angebotes Salzburgs bei
Salzburger Landeskorrespondenz, 28. June 2002

LK Ÿ Der Diabelli-Sommer sei im Begriff, Tradition zu werden. Diabellis Werdegang vom
Kapellknaben und Schüler Michael Haydns, über den Musiklehrer für Klavier und Gitarre in Wien zum Musikverleger und Komponisten sei beeindruckend. Dies betonte Landeshauptmann Dr. Franz Schausberger heute, Sonntag, 30. Juni, Abend bei der Eröffnung des dritten Mattseer Diabelli-Sommers im Schloss Mattsee. Die Veranstaltungen des Diabelli-Sommers hätten sich als bedeutender Beitrag zur Vielfalt des kulturellen Angebots in Stadt und Land Salzburg eingeführt und etabliert. Sie seien ein Faktor regionaler Identität und tragen maßgeblich dazu bei, das unvergleichliche Bild Salzburgs in der Welt als kulturelles Zentrum zu stärken und festzuschreiben, so Schausberger.

Bei den Diabelli-Tagen wird auf der seit 1993 in Mattsee bestehenden Konzertreihe "Töne & Texte" Professor Brunners aufgebaut. Die Idee wurde von der Arbeitsgemeinschaft Diabelli-Sommer mit Unterstützung der Gemeinde, des Stiftes und der ORF-Landesdirektion aufgegriffen und umgesetzt. Sowohl Qualität als auch Erfolg zeichneten die beiden ersten Diabelli-Sommer aus, der hohe qualitative Anspruch werde auch aus dem vorliegenden Programm 2002 sichtbar, stellte Schausberger fest. Mit dem breit gefächerten Oeuvre des 1858 77-jährig verstorbenen Diabelli sollten diese Tage einen weiteren attraktiven Fixpunkt erhalten. Als Komponist von Opern, Kirchen- und Kammermusik, als Musikpädagoge und Komponist zahlreicher Werke für den Klavierunterricht, von Potpourris, Liedern und Chören, habe Anton Diabelli ein überzeugendes Angebot hinterlassen, so Schausberger.

An 14 Veranstaltungstagen wird bis zum 29. August der inneren Einkehr ebenso gedacht wie der traditionellen Lebenskultur, des Feierns im Ambiente des Frohsinns, der Geselligkeit und der Gastlichkeit der Marktgemeinde Mattsee. Aus dem Reich der Töne werden Werke von
Mozart, Schubert, Schumann, Beethoven, Haydn, Dvorzak und Rossini dargeboten. Diesen stehen u.a. Texte von Hesse, Kästner, Kafka, Polgar und Schnitzler in den kommenden zwei Monaten zur Seite.

Marionettentheater als Botschafter Salzburgs

Mit dem Salzburger Marionettentheater setzen die Veranstalter des Diabelli-Sommers heuer einen besonderen Akzent. Im Jahr 1913 wurde das Salzburger Marionettentheater vom Salzburger Bildhauer Anton Aicher gegründet, dessen Familie seit über 50 Jahren in Mattsee lebt. Die Geschichte der Puppenspiele erlebte im 17. und 18. Jahrhundert in Salzburg eine Hochblüte. Den Grundstein zur weltberühmten Institution "Salzburger Marionettentheater" legte Anton Aicher, als er 1913 bei einer Faschingsveranstaltung der Salzburger Künstlergenossenschaft "Gral" erstmals öffentlich das Schäferspiel Bastien und Bastienne von Wolfgang Amadeus Mozart gab. Seit nunmehr drei Generationen ist das Salzburger Marionettentheater als privates Theater der Familie Aicher eine Einmaligkeit und Besonderheit in Salzburg und für Salzburg, für die zahlreichen Touristen aus aller Welt wie auch für die Salzburger selbst. Seit 90 Jahren geht das Marionettentheater auf Tournee und trägt somit den Namen Salzburg in die ganze Welt. Sein Gründer Anton Aicher war Absolvent der Wiener Kunstakademie und dann Lehrer an der Staatsgewerbeschule in Salzburg.

Seine Liebe zum Puppenspiel habe Anton Aicher auf seinen Sohn Hermann übertragen, dessen 100. Geburtstag ein würdiger Anlass sei, dieses Mattseers anlässlich des diesjährigen "Mattseer Diabelli-Sommers Töne & Texte" besonders zu gedenken, sagte Landeshauptmann Schausberger. Prof. Hermann Aicher habe das Theater zu dem gemacht, was es heute sei. Aicher vergrößerte die Puppen, ging auf eine internationale Tournee und verlegte den Schwerpunkt des Repertoires auf Opern. Mit dem berühmten "Sterbenden Schwan" der Anna Pawlowa errang das Marionettentheater schon 1937 die Goldmedaille bei der Pariser Weltausstellung, mit der Zauberflöte gastierte es zu Beginn der 1950er Jahre erstmals auch in den USA.

Prof. Gretl Aicher, Hermann Aichners Tochter, führt nun seine Arbeit fort. Vor fast 60 Jahren, im Jahre 1943, ließ sie erstmals die Puppen an den langen Fäden tanzen, seit 25 Jahren liegt die künstlerische Leitung in ihren Händen. G124-48

Franz Neumayr wird den Redaktionen Fotos von der Eröffnung anbieten.