Der Zeller See nach Krise wieder in Bestform

Raus: Die Zeller haben viele Gefahren für ihren See überwunden / Heute beste Qualität, die auch die Reinanken anlockt
Salzburger Landeskorrespondenz, 25. July 2002

LK Ÿ "Hervorragende Sichttiefen, geringe Phosphorbelastung, viele anspruchsvolle Tierarten. Salzburg ist stolz auf den Zeller See und diejenigen, die diese Qualität erreicht haben", sagte heute, Donnerstag, 25. Juli, der für die Umwelt und den Gewässerschutz ressortzuständige Landesrat Dr. Othmar Raus in Zell am See. Die gute Qualität sei keine Selbstverständlichkeit, immer wieder habe man in der Geschichte Krisen zu meistern gehabt.

Am Anfang stand im 16. Jahrhundert die Regulierung der Salzach, was den Charakter des Zeller Sees beeinträchtigte. Nun floss die Salzach am See vorbei - die wichtige Durchmischung des Sees bleib in der Folge aus. Dann sorgten im selben Jahrhundert Abwässer des Kupferbergbaus am Limberg für Schwermetallbelastungen des Sees und schließlich setzte bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts die häuslichen Abwässer und die der Betriebe dem Zeller See zu. Der Seegrund habe zeitweise "gelb und grün" ausgesehen, die Sichttiefe lag schon bei
weniger als drei Metern und die Phosphorkonzentration bei mehr als 400 Mikrogramm pro
Kubikmeter Wasser.

Heute ist das anders. Die Phosphorbelastung ist bei sieben Mikrogramm, die Sichttiefe bei sechs Metern und der See ist wieder Heimat der Reinanke, die zuvor sogar zweimal ausgestorben war. "Ein Verdienst der Zeller, die auf ihren See vorbildlich aufpassen", so Umweltreferent Landesrat Raus. Die Qualität des Sees sei übrigens so gut, dass auch wieder die traditionellen heimischen Krebse zurückkommen könnten. Da haben allerdings die mittlerweile hier wohnenden nordamerikanischen Krebse etwas dagegen...

Historische Entwicklung

Nach der letzten Eiszeit reichte der Zeller See vom Kühbühel bei Saalfelden bis Piesendorf. Noch um 1500 floss die Salzach stark mäandrierend durch den Pinzgau. Besonders zwischen Piesendorf und Kaprun erstreckten sich die Krümmungen über das gesamte Tal. Bei Hochwasser war das Gebiet zwischen Piesendorf und Kaprun ein einziger See. Bis 1520 floss ein Arm ständig in den Zeller See. Bei Hochwässern erfolgte ein intensiver Wasseraustausch, der für eine ausreichende Sauerstoffversorgung auch in der Tiefe des Sees sorgte.

Die Schmitt‘sche Karte aus dem Jahr 1797 zeigt den Zeller See nach der 1584 vollendeten Salzachregulierung. Der Wasseraustausch des Sees durch die Salzach wurde dadurch weitgehend unterbunden und beschränkte sich nur mehr auf fallweise Hochwässer. Der heutige Wasserstand wurde mit der Tieferlegung der Salzach durch Sprengung der Brucker Schwelle ab 1852 erreicht. Als letzte Maßnahme gegen eindringende Hochwässer wurde 1968 in den Abfluss des Sees eine Schwelle eingezogen.

Beginnend mit Ende des 15. Jahrhunderts wurde der See insbesondere in der Tiefe durch schwermetallhaltige Abwässer aus dem Kupferbergbau am Limberg sowie Pocher- und Waschwässer aus dem Bergbau im Thumersbachtal, wo Blei und Zink gewonnen wurde,
radikal vergiftet. Die Abwässer stammten aus der Erzaufbereitung und Erzanreicherung. Dabei wird das fein zerteilte Ausgangsmaterial mit viel Wasser und etwas Holzteeröl angerührt, wobei sich das ölbenetzte Erz in der stark schäumenden Oberflächenschicht konzentriert und das wasserbenetzte taube Gestein am Boden sammelt. Das anfallende Wasser wurde, mit den giftigen Schwermetallresten und den Sedimenten in den See abgelassen. Die Fischer klagten, dass "das Industriewasser das Moos, die Wasserpflanzen und Kräuter auffresse, sodass glatt nichts mehr wachset und der Seegrund gelb und grün aussehe". Durch die nachlassende Bergbautätigkeit bzw. deren gänzlichen Einstellung ca. 1880 konnte sich der See im Laufe der Zeit wieder erholen.

In den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erfolgte durch den Eintrag ungereinigter häuslicher Abwässer und der Betriebe eine massive Verschlechterung des Zustands des Zeller Sees, der relativ rasch mit der Errichtung der Kläranlage in Schüttdorf gestoppt werden konnte. Seit 1976 ist die Kläranlage des Reinhalteverbandes Zeller Becken in Betrieb, womit die Sanierung des Zeller Sees weitestgehend erreicht wurde.

Im Jahr 2002 wurde der See mit der modernsten Technik neu vermessen. Es wurden neben der Tiefenkarte auch die für die ökologische Funktionsfähigkeit des Sees wichtigen Uferstrukturen erhoben. Weiters wurde die Ausdehnung der mit Schilf, Binsen und Schwimmblattpflanzen bestandenen Flächen vermessen. Der Eindruck der modernen Vermessung in die Schmitt’sche Karte zeigt beeindruckende Unterschiede zwischen gestern und heute.

Am Weg zum beliebten Freizeitsee

Solange die Salzach den Zeller See mit Wasser versorgte, wurde durch den intensiven
Wasseraustausch der See bis in die größte Tiefe ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Dieser Versorgungsmechanismus wurde durch das Abhalten des Flusses unterbunden. Die Sauerstoffanreicherung des Tiefenwassers kann seit dieser Zeit nur mehr während der temperaturbedingten Frühjahres- und Herbstzirkulationen erfolgen. Auf Grund der morphologischen und klimatischen Bedingungen kommt es in manchen Jahren nur zu einer Teilzirkulation der Wasserschichten. Nicht durchmischtes Tiefenwasser bleibt "liegen" und enthält wenig Sauerstoff.

Die Vergiftung des Sees mit schwermetallhaltigen Bergbauwässern vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zumindest Ende des 18. Jahrhunderts kann nur indirekt durch Klagen der Fischer über den Rückgang des ehemals erstklassigen Ertrages an Fischen, vor allem Reinanken, und Krebsen ansatzweise nachvollzogen werden. Neben der Vergiftungswirkung der Schwermetalle kam es vermutlich zeitweise zu einem Sauerstoffschwund in der Seetiefe, wodurch die Entwicklung der Reinankenbrut, die am Seegrund abläuft, in einem großen Teil des Sees in manchen Jahren unmöglich wurde.

Bereits in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde schon unterhalb von 20 Meter Tiefe eine starke Sauerstoffzehrung beobachtet. Große Mengen an Eisen und Mangan über Grund der Seetiefen wiesen auf sauerstofflose Zustände über Grund hin.

In den 50er und 60er Jahren war der Zeller See durch den Eintrag von häuslichen Abwässern stark eutroph. Die typischen Erscheinungen waren massive Blaualgenblüten, vor allem der Burgunderblutalge, die vollständige Sauerstofflosigkeit bis in geringe Seetiefen, Phosphorkonzentrationen von mehr als 400 mg/m³ in der Seetiefe und das Überwiegen von karpfenartigen Fischen anstelle von Edelfischen wie der Reinanke. Die durchschnittliche Sichttiefe lag bei rund drei Metern. Die Ursache für diese geringe Durchsichtigkeit war die massive Schwebealgenentwicklung mit einer Biomassenmenge von maximal 14,5 g/m³ im Jahr 1954.

Durch die Abhaltung des größten Teils der Abwässer aus der Stadt Zell am See nach Inbetriebnahme der Kläranlage Schüttdorf im Jahr 1962 besserte sich der Zustand des Zeller Sees sehr rasch. Der jetzige hervorragende Gewässerzustand wurde nach der Eröffnung der Kläranlage Zell am See 1976 erreicht.

Gegenwärtig liegen die Phosphorkonzentrationen, die indirekt den Zustand der Trophie beschreiben, im Jahresdurchschnitt mit rund sieben mg/m³ Seewasser im nährstoffarmen Bereich. Die Durchsichtigkeit des Wassers erreicht bis zu zehn Meter. Der Jahresmittelwert von etwas mehr als sechs Meter ist doppelt so hoch, wie während der Jahre maximaler Eutrophie. Massenauftreten von Burgunderblutalgen gehören der Vergangenheit an. Gegenüber der Eutrophiephase hat sich die damalige maximale Algenbiomasse von 14,5 g/m³ um 80 Prozent auf etwas weniger als drei g/m³ und der Jahresmittelwert um 85 Prozent auf 0,8 g/m³ verringert. Diese hervorragende Wasserqualität ist einladend für jeden.

Die Reinanken als Indikator

Durch den intensiven Wasseraustausch des Zeller Sees durch das Einfließen der Salzach und die damit verbundene gute Sauerstoffversorgung bis in größte Tiefen bildeten in früheren Jahrhunderten die Voraussetzung für einen hervorragenden Fischsee mit besonders gutem Hecht-, Reinanken- und Edelkrebsbestand. Die erste Fischereiordnung von Johann Peckschlager stammt bereits aus dem Jahr 1486.

In Fischereiaufzeichnungen über diesen seinerzeitigen Erbrechtssee ist der geradezu fabelhafte Reichtum an Reinanken dokumentiert. So mussten z. B. die Fischer an den fürsterz-bischöflichen Hof jährlich eine Abgabe von 27.000 Reinanken, etwa 9.000 kg, und 18 Lachsen (= Seeforellen) leisten.

Die Reinanke laicht im freien Wasser und entwickelt sich anschließend am Seeboden zur
Larve. Bei Sauerstoffarmut oder Sauerstoffmangel am Seeboden ist die Larvenentwicklung nicht möglich, wodurch der Bestandserhalt gefährdet wird. Im Zeller See ist die Sauerstoffanreicherung in großen Tiefen auch deswegen von Bedeutung, da bei ausbleibender Volldurchmischung den Reinanken nur etwas mehr als die Hälfte der Seebodenfläche zur Entwicklung zur Verfügung steht.

Die erste massive Beeinträchtigung des Reinankenbestandes erfolgte, neben maßloser Raubfischerei, durch den Eintrag von giftigen Bergbauabwässern beginnend am Ende des 16. Jahrhunderts. Gleichzeitig wurde die Verschlechterung durch eine 1584 beendete Salzachregulierung verstärkt, die den intensiven Wasseraustausch zwischen Salzach und See weitgehend unterband. Die Urkunden berichten, dass von da an die Reinanken immer seltener wurden, bis sie zu Beginn des 17. Jahrhunderts nur mehr ganz vereinzelt und nur sehr selten gefangen wurden und "endlich sich ganz verloren". Die Reinanken waren das erste Mal ausgestorben.

Die bisher letzte für die Reinanken katastrophale Beeinträchtigung erfolgte in den 50er und 60er Jahren durch den Eintrag von häuslichen Abwässern und der damit verbundenen vollständigen Sauerstoffzehrung im sommerlichen Tiefenwasser. Die Reinanken waren damit praktisch zum zweiten Mal ausgestorben.

Die Sanierungsmaßnahmen durch Abhaltung der Abwässer aus dem See zu Beginn der 70er Jahre führten zu einer raschen Verbesserung der Wasserqualität, sodass der Neubesatz mit Reinanken erfolgreich war. Im Jahr 1972 konnte in den Medien die Erfolgsmeldung verbreitet werden: Der Zeller See ist wieder Reinankensee.

Das Zeller Krebsproblem

Der Edelkrebsbestand des Zeller Sees war im 16. Jahrhundert außerordentlich gut. So betrug um 1560 die Abgabe an den erzbischöflichen Hof als Krebsendienst 13.900 Stück pro Jahr. Die Krebse, deren Mindestmaß "ohne Scheren, Kopf und Zagl" neun Zentimeter betrug, wurden zu 500 bis 700 in Säcke gefüllt und ab 1665 von eigenen Hofkrebsträgerinnen ("Krebsweiber") nach Salzburg getragen.

Da die Tiere sehr begehrt waren, wurden sie außerdem weit über die Grenzen Salzburgs bis Regensburg, Augsburg und über die Hohen Tauern nach Mantua getragen. Die besten Fangplätze waren hauptsächlich im Südteil des Sees und in den dortigen Altwässern und See-
gräben.

Neben der Raubfischerei drohte den Krebsen, wie den Reinanken, die größte Gefahr durch die Wässer aus dem Bergbau. Durch die Kultivierung (= Trockenlegung) des Südteils des Zeller Sees und die Regulierungsarbeiten an der Salzach nahm der Bestand weiter ab. Die endgültige Vernichtung der Edelkrebspopulation erfolgte schließlich durch die Krebspest, die 1880 den Zeller See erreichte.

Nach dem Aussterben der Krebse wurden Ende des 19. Jahrhunderts der See mit osteuropäischen Sumpfkrebsen und 100 Stück Edelkrebsen besetzt, was jedoch erfolglos war. Im Jahr 1969 wurde der nordamerikanische Kamberkrebs (Orconectes limosus) importiert und unter anderem in den Zeller See eingesetzt, wo er bis heute als einzige Art vorkommt. Diese faunenfremde Krebsart ist gegen den Pilz Aphanomyzes astaci immun - dieser Pilz ist der Erreger der schlimmsten Krebskrankheit.

Die Qualität des Wassers im Zeller See ist heute aber wieder so gut, dass er ein typisches Gewässer für die Wiedereinbürgerung des heimischen Edelkrebses wäre. Doch der nordamerikanische Kamberkrebs sieht das anders. Der Kamberkrebs ist wegen seiner größeren Fruchtbarkeit ein massiver Verdrängungskonkurrent für den Edelkrebs. Und er verbreitet Krebskrankheiten, gegen die er selbst immun ist. Und noch ein Nachteil für den heimischen Edelkrebs: Der Aal ist der Hauptvertilger von Krebsen und lebt dort, wo sich die heimischen Krebse niederlassen würden. G143-40

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