Hohe Landesauszeichnung für Frau mit Mut und Zivilcourage

Burgstaller zeichnete Agnes Primocic mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes aus
Salzburger Landeskorrespondenz, 10. August 2005

(LK) "’Nicht stillhalten, wenn Unrecht geschieht’ ist der Titel einer bewegenden ORF-Filmdokumentation über Agnes Primocic - nicht irgendein Titel, sondern ein eindringlicher Appell an alle Menschen zu jeder Zeit und an jedem Ort. Auch heute, zwei oder drei Generationen nach Faschismus, Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg, ist es immer noch nicht selbstverständlich geworden, nicht stillzuhalten, wenn Unrecht geschieht. Und das erfüllt uns gerade im österreichischen Jubiläumsjahr 2005 - bei aller Freude und bei allem Stolz über das in den letzten 60 Jahren Erreichte - mit einer gewissen Nachdenklichkeit", sagte Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller heute, Mittwoch, 10. August, anlässlich der Verleihung des Goldenen Verdienstzeichens des Landes an die Ehrenbürgerin der Stadt Hallein Agnes Primocic.

Primocic, 1905 geboren, rettete durch ihr mutiges Auftreten KZ-Häftlinge vor der Erschießung. Als eines der so genannten "Tschikweiber“ in der Halleiner Tabakfabrik war sie auch schon vor NS-Regime und dem Krieg stets an vorderster Front zu finden wenn es galt, gegen soziales Unrecht aufzutreten. Primocic war nach 1945 Stadträtin für Fürsorge in Hallein und Landessekretärin der KPÖ in Salzburg und ist heute Ehrenobfrau des KZ-Verbandes von Salzburg. Als Pensionistin besuchte sie als Zeitzeugin Schulen, sie wollte damit das politische Bewusstsein wecken und die Erinnerung wach halten. 1999 wurde Agnes Primocic Ehrenbürgerin der Stadt Hallein. 2002 wurde sie durch die Verleihung des Troll-Borostyáni-Preises gewürdigt. Im gleichen Jahr kam der Film von Christine Pramhas und Uli Ramsauer über das Leben der Agnes Primocic mit dem Titel "Mehr als das Leben“ heraus. 2004 erschien im Buchverlag Akzente Salzburg die Publikation "Nicht stillhalten, wenn Unrecht geschieht. Die Lebenserinnerungen von Agnes Primocic“. 2005 wurde die gleichnamige ORF-Dokumentation gesendet.

Die oft so abstrakte Vermittlung von Geschichte wird meist erst dann lebendig, wenn sie mit konkreten Personen verknüpft wird, so Landeshauptfrau Burgstaller. Anhand von Biographien, Schicksalen, dramatischen persönlichen Erfahrungen. "Und immer wieder gibt es Menschen, Persönlichkeiten, die aus der unüberschaubaren Zahl der Vielen herausragen. ‚Helden’ nannte man sie früher, ‚Idole’, ‚Stars’ würde man heute vielleicht sagen. Das waren - das sind - Menschen, die mehr getan haben, als das, was sie als ihre bloße Pflicht angesehen haben. Das sind Menschen, die mit offenen Augen und Ohren durch ihre Zeit gegangen sind und wahrgenommen haben, was so viele nicht erkennen konnten oder wollten. Agnes Primocic, 100 Jahre alt, ist eine von diesen Heldinnen. Sie ist eine von denen, die den Mut und die ungeheure Zivilcourage hatten, ‚Nein!’ zu sagen und aktiv Widerstand gegen die Barbarei des Nationalsozialismus und gegen sein politisches Unrechtsregime zu leisten", sagte die Landeshauptfrau. Das Goldene Verdienstzeichen des Landes bedeute eine große Referenz und zugleich ein tiefe und respektvolle Verbeugung des Landes Salzburg gegenüber seiner großen Bürgerin, Agnes Primocic. j163-24

Franz Neumayr wird den Redaktionen Fotos von der Ehrung anbieten. Anschließend stehen die Fotos als digitales druckfähiges Bildmaterial in der Bilddatenbank des Landes unter www.salzburg.gv.at/bilddatenbank zur Verfügung. Zum schnellen Auffinden geben Sie bei der Suche die Kennzahl am Ende dieser Pressemeldung (z.B. f43-10) ein